Am 28. November wurde in Gardelegen ein neuer Stadtrat gewählt. Die Volksstimme stellt täglich einen der 36 Ratsherren und Ratsfrauen vor.

Von Jörg Marten

Schenkenhorst. Der Mann ist mit Mildewasser getauft - und das ist ganz wörtlich zu nehmen. Wolfgang Reboné ist in Schenkenhorst geboren, nicht im Gardeleger Krankenhaus, und bei der Taufe wurde sein Kopf mit Mildewasser benetzt. "Das war damals so Usus", erzählt Reboné schmunzelnd. Schenkenhorster ist er bis heute geblieben.

Sein Opa war dort Lehrer, auch seine Mutter ist in Schenkenhorst geboren. Wolfgang Reboné erblickte am 20. November 1949 das Licht des Altmarkdorfes. Seine Eltern wohnten in der Mühle, die Rebonés Onkel gehörte. Nach dessen Unfalltod übernahm der Vater die Mühle, machte seinen Müllermeister. Mehl, Kleie, Schrot wurde dort produziert - bis zur Kollektivierung der Landwirtschaft. Wolfgang Rebonés Vater stammte aus Litzmannstadt, dem heutigen Lodz, wohin seine Familie aus Frankreich ausgewandert war. Bei Reboné paaren sich Hugenottenwurzeln mit Mildewasser.

Wolfgang Reboné wurde in Estedt eingeschult, absolvierte dort die POS. "Ich war nicht der fleißigste Schüler", sagt er lächelnd. Nach der Schule konnte er sich seinen Berufswunsch erfüllen. Bei der Reichsbahn in Halle lernte er Elektriker. Im Polytechnischen Unterricht hatte er mal die Arbeit im Gardeleger E-Werk kennen gelernt. "Das hat mir wunderbar gefallen", erinnert sich der Schenkenhorster. Seine Leidenschaft wurde sein Beruf.

Nach der Lehre ab zur Armee in Spröda bei Delitzsch. Anderthalb Jahre, "546 Tage", sagt Reboné. Das Maßband abgeschnitten hat er aber erst, als nur noch 150 Tage bis zur Entlassung fehlten.

1971 begann er an der Magdeburger Außenstelle der Fachschule Velten-Hohenschöppingen (bei Berlin) das Studium. Die Monate vorher nutzte er für Arbeit im VEB Kombinat Elektromaschinenbau (VEM), das praktische Jahr seines Studiums arbeitete er im Burger Walzwerk, schrieb dort seine Ingenieursarbeit über die elektronische Steuerung zur Glättung von Metallplatten.

1973 heiratet er seine Frau Regina, im selben Jahr wurde Sohn Jean geboren.

Sieben Jahre arbeitet Reboné beim Burger Walzwerk als Eletro-Projektant. "Eine schöne Arbeit", sagt er rückblickend. Dort entstand unter seiner Mitarbeit auch ein Industrieroboter, der Metallgieskannen fertigte. "Man musste aber noch manchmal Hand anlegen", sagt er lachend.

Aus familiären Gründen zog die Familie 1980 zurück in seinen Geburtsort. Dort baute er sich mit seiner Frau von 1982 bis 1985 ein Wohnhaus, in dem seine Frau ihre Damenmaßschneiderei einrichtete. Regina Reboné nämlich war Modegestalterin - und war mit der nicht sehr kreativen Arbeit in den Burger Bekleidungswerken nicht glücklich: Dort wurden nur Uniformen hergestellt. Die vollen Auftragsbücher von Regina Reboné waren mit der Wende schlagartig leer.

Und auch ihr Mann Wolfgang musste sich umorientieren. Er hatte bei seiner Rückkehr in die Altmark zunächst ein Jahr beim Rat des Kreises gearbeitet. "Das gefiel mir aber überhaupt nicht", erzählt er: "Das war grausam." Besser war es dann beim Kreisbetrieb für Landtechnik (KfL) in Kalbe, wo er das neue Heizhaus in Kalbe leitete und nach der Auflösung des Kreises Kalbe Hauptmechaniker war.

Im Haus seiner Stiefmutter Anneliese Reinemann wollte das Paar im Sommer 1990 ein Elektrofachgeschäft aufmachen. Doch die HO, die dort noch saß, wollte nicht ausziehen - es brauchte einen Gerichtsbeschluss. Im Herbst dann starteten Rebonés mit ihrem Geschäft, erweiterten später um die Fläche, die die PGH zunächst noch für ihren Friseursalon hatte.

"Manche Nacht habe ich nicht geschlafen", erinnert sich Reboné: "Das Haus habe ich bis auf den letzten Ziegel verpfändet." Er hält einen Augenblick inne: "Ganz schön wilde Jahre waren das damals." Manche Nacht sei er aufgeschreckt und habe sich gefragt: "Hast du dein Haus noch?"

"Das Dorf funktioniert nur, wenn sich alle einbringen

Dennoch sei der Schritt richtig gewesen. "Ich bin mit Leib und Seele Elektriker und Bastler", erzählt Reboné. Er habe aber darauf geachtet, ein "kleines und überschaubares Unternehmen" zu haben: "Wir waren nie mehr als drei Leute hier."

Die Familie bedeutet Reboné viel: seine Frau, seine beiden Söhne Jean und Eik, die inzwischen drei Enkelkinder Magnus, Matti und Louis. "Meine Söhne wohnen nicht mehr hier, das ist das Schlimme", sagt er - und versteht doch, warum sie weggegangen sind nach Magdeburg und Hamburg: "Man darf der Jugend keine Barrieren bauen. Sie soll dahin gehen, wo es Geld zu verdienen gibt."

Reboné, ein Mann, der den Ausgleich liebt. "Tolerant" sei er, sagt er von sich. "Genau" sei er als Elektriker, nicht immer als Bürgermeister: "Da braucht man auch Mut zum Risiko." Seit er 1980 wieder in die Altmark gezogen ist, ist er kommunalpolitisch aktiv, war Ratsmitglied in Schenkenhorst, stellvertretender Bürgermeister und seit 2000 Bürgermeister seiner Gemeinde. Mit der Eingemeindung wurde er Ortsbürgermeister. "Parteiengeplänkel" wie in der Stadt gebe es dort nicht. Und das sei gut so.

Ein Mann, der das Gemeinwohl liebt und lebt. Bei Aktivitäten im Dorf ist Reboné selbstverständlich dabei. "Das Dorf funktioniert nur, wenn sich alle einbringen. Wer sich nicht einbringt, steht außerhalb."

Manchmal muss die Frau ein wenig schimpfen. Wenn er mal daheim ein Gerät reparieren soll. Das macht er natürlich selbst - "aber manchmal geht das nicht so schnell, als wenn ein Kunde anruft", sagt er lachend.

"Was von der Freizeit übrigbleibt" verbringt er oft im Garten - der Rasentrecker hilft, das 3000 Quadratmeter große Grundstück in Ordnung zu halten. Viel Arbeit, "aber wir lieben das auch, das ist nicht zuviel für uns". Sein Frau und er "träumen nicht nur vom Urlaub, wir haben uns den Urlaub nach Hause geholt". Nach der Silberhochzeit hat sich das Ehepaar im Garten einen Pool gebaut.

Fehlt nur noch, dass dort auch Mildewasser drin ist.

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