Am 28. November wurde in Gardelegen ein neuer Stadtrat gewählt. Die Volksstimme stellt täglich einen der 36 Ratsherren und Ratsfrauen vor.

Von Christina Bendigs

Mieste. "Solange ich denken kann, seit ich selbst zur Schule ging, wollte ich Lehrerin werden", berichtet Roswitha Stadie aus Mieste. "Ich hatte immer das Gefühl, dass ich anderen etwas beibringen kann, sie für etwas begeistern kann und mich auch durchsetzen kann", begründet sie. Ihren Berufswunsch hat sich die 57-Jährige, die inzwischen in Altersteilzeit arbeitet, erfüllt. "Und ich habe es nie bereut", sagt sie.

1953 geboren, wuchs Roswitha Stadie als ältestes von insgesamt drei Geschwistern im kleinen Dörfchen Vietges bei Güstrow auf. 1965 zog die Familie nach Laage. Die Familie habe stets in Neubauten gewohnt, was Roswitha Stadie als Vorteil empfunden habe. Seit 1984 lebt Roswitha Stadie in ihrer Neubauwohnung in Mieste. Von der Altmark hatte sie allerdings noch nie etwas gehört, als sie nach dem Abschluss des Lehrerstudiums für Deutsch und Geschichte in Potsdam das Stellenangebot in Mieste erhielt. "Dabei war ich so schlecht nicht in Geografie", sagt Stadie schmunzelnd. Und ein wenig befremdet sei sie auch gewesen. Denn anfangs habe es für sie keine Wohnung gegeben. Dann bekam sie zwar eine Wohnung. Das sei aber ein Zimmer ohne fließend Wasser und mit Plumpsklo auf dem Hof gewesen, erzählt sie. Da war sie froh, als sie schließlich die Neubauwohnung bekam, in der sie bis heute lebt.

Das Beste, was Roswitha Stadie in ihrem Leben passiert sei, sei 1981 die Geburt ihrer Tochter Franziska gewesen. Mit dem Vater habe sie nie zusammengelebt. Roswitha Stadie sagt, sie sei zwar alleinerziehend gewesen, aber allein erzogen habe sie ihre Tochter nicht. Sie habe viel Unterstützung aus dem Familien- und Bekanntenkreis erhalten. Inzwischen hat Stadies Tochter selbst eine Tochter, sie heißt Isabell und ist eineinhalb Jahre alt.

Die großen Leidenschaften von Roswitha Stadie sind Theater- und Kinobesuche. Allerdings muss Stadie solche Ausflüge immer gut planen. Denn Auto fährt sie nicht. Sie ist ausschließlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. An den Wochenenden besucht sie gern auch einmal eine Ausstellung oder ein Musical in der weiteren Entfernung. Ihre zweite Leidenschaft gelte dem Lesen. Die Klassiker der Weltliteratur habe sie im Alter von 12 bis 14 Jahren regelrecht verschlungen. Zur Zeit lese sie gern Isabell Allende, Tanja Kinkel, Charlotte Link, Frank Schätzing und Ken Follett.

Politisches Engagement habe für Roswitha Stadie stets dazugehört. "Das hat mir mein Vater vorgelebt", sagt sie. 1973 trat Roswitha Stadie der SED bei. Seit der Wende ist sie in der PDS engagiert. "Ich wollte nicht gleich alles über den Haufen werfen, sondern unserer Organisation auch eine Chance geben", begründet sie. 1994 wurde Roswitha Stadie in den Gemeinderat von Mieste gewählt und hat sich in der Ratsarbeit selbst als "sozialen Stachel" verstanden. Vor allem für Kinder, Jugendliche und Senioren wollte sie etwas herausholen. Dass sie für den Stadtrat kandidierte, sei der Überredungskunst ihrer Parteikollegen Ralf Linow und Andreas Höppner zu verdanken.