Gut besucht war gestern Nachmittag die erste Ausstellungseröffnung des Tourismusvereins Region Gardelegen im Salzwedeler Tor in diesem Jahr. Der Jävenitzer Fritz Bens präsentiert dort bis Sonntag 41 Ölgemälde. Der 83-Jährige, der mit seinem Hobby vor acht Jahren im Ruhestand begann, malt ausschließlich nach Vorlagen - von bekannten Künstlern ebenso wie von regionalen Bildern und Fotografien.

Gardelegen. Fast jeden Tag in den Abendstunden läuft Fritz Bens (83) seine Runde: 3,5 Kilometer. Immer die gleiche Strecke in Jävenitz. "Das hält Körper und Geist fit", sagt er. Genau wie die gymnastischen Übungen, die bei ihm jeden Tag auf dem Programm stehen. Der Sport ist sein eines Hobby, ein anderes die Malerei. Die Ergebnisse konnte das Publikum gestern Nachmittag bei der Ausstellungseröffnung des Tourismusvereins Region Gardelegen im Salzwedeler Tor sehen. Für Fritz Bens ist es die zweite Ausstellung, denn seine Gemälde waren bereits einmal beim Heimatverein Jävenitz zu sehen.

41 Ölbilder des gebürtigen Kloster Neuendorfers zieren die Wände im Tor - sie sind das Ergebnis aus acht Jahren Hobbymalerei. Denn zum Malen kam Bens erst, als er mit 75 Jahren seine berufliche Tätigkeit als Restaurator beendete. Bens ist ein bescheidener Mann: "Malen tue ich eigentlich für mich." Das Besondere: Er malt immer nach Vorlagen: "Ich bin nicht schöpferisch tätig." Stattdessen versucht er, den Original-Werken von van Gogh, George Romney, Franz Hals und Caspar David Friedrich so nah wie möglich zu kommen. "Es ist wunderschön, zu sehen, wie so ein Bild entsteht", so der Künstler. Schon während seiner Tätigkeit als Restaurator war er dem Malen besonders verbunden: "Das Ausmalen von Kirchen hat mir immer große Freude bereitet." Bens arbeitete auch in den Kirchen von Gardelegen, Zichtau und Estedt.

Nicht nur die Werke ganz bekannter Künstler nimmt er als Vorlage, auch etwa eine Schwarz-Weiß-Fotografie von Pfarrer Paul Pflanz aus dem Jahr 1929, die das Vorwerk Sadenbeck zeigt, das einst zwischen Kloster Neuendorf und Trüstedt stand. Bens hat es in Öl festgehalten "und nach meinen Vorstellungen farblich gestaltet". Von Besucherin Wally Schulz, frühere Museumsleiterin in Gardelegen, gibt es dafür lobende Worte: "Das gefällt mir außerordentlich gut."

"Es ist wunderschön, zu sehen, wie so ein Bild entsteht"

Zu sehen sind auch ein Regenbogen über Wannefeld, Kiefern in der Heide, eine Baumgruppe bei Trüstedt, eine Kuhweide bei Engersen und das Jävenitzer Bauernhaus Ende des 19. Jahrhunderts, das heutige Rathaus. "Es sind gekonnte Kopien", sagt Harald Storz, der Vorsitzende des Tourismusvereins, zur Begrüßung über die Ausstellungsstücke. So viel Lob ist Bens fast unangenehm.

Die Rahmen für seine Werke gestaltet Bens größtenteils selbst. Und er ist immer wieder an den Gemälden tätig, das merkte auch Marie-Luise Pickhahn, als sie mithalf, die Werke für die Ausstellung einzupacken. "Da hatte ich plötzlich grüne Farbe vom Rahmen an den Fingern", erzählte sie dem Publikum. Pickhahn: "Es ist so was von fantastisch, mit wieviel Liebe Fritz Bens seine Bilder gestaltet." Dafür steht der 83-Jährige auch schon mal morgens um 7 Uhr im Atelier. "Ganz wie ich Lust habe", sagt er. Fritz Bens ist verheiratet, seine Tochter, die bei Wismar lebt, ist ebenfalls Restauratorin. Ab und an verschenkt Bens seine Gemälde im Familien- und Freundeskreis.

Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage von Van Anh Nguyen (13) aus Gardelegen, Johanna Hertel (12) aus Wernitz und ihrem Gitarrenlehrer Jürgen Genz. Die beiden Gymnasiastinnen und Schülerinnen der Musikschule spielen schon seit vielen Jahren zusammen Gitarre. Gestern brachten sie den Gästen den "Mohrenaufzug", "Gut G´sell du musst wandern" und ein Menuett von Jean-Baptiste Lully zu Gehör.

Die Bens-Ausstellung ist bis zum kommenden Sonntag, 6. März, täglich von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Die nächste Ausstellung des Tourismusvereins wird in wenigen Wochen die gemischte Osterausstellung mit zahlreichen Künstlern sein.

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