Es war das vorerst letzte Mal, dass Pfarrer Ronald Smorodinzeff am Sonntag einen Gottesdienst in der Miester Kirche gestaltete. Denn nachdem er bereits lange Zeit krank geschrieben war, wurde er am Sonntag von Superintendent Matthias Heinrich in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Der Abschiedsgottesdienst wurde auch von zahlreichen Pfarrern aus den benachbarten Kirchgemeinden besucht.

Mieste. "Heute heißt es Abschied nehmen", sagte Pfarrer Ronald Smorodinzeff am Sonntag im Gottesdienst in Mieste. Zum vorerst letzten Mal zog er an diesem Tag seinen schwarzen Talar an und predigte in der Miester Kirche. "Es ist das erste und letzte Mal, dass ich von der Kanzel aus spreche", sagte Smorodinzeff. Von dort aus konnte er zu den vielen Besuchern, die unten und auch auf den Emporen Platz genommen hatten, um Smorodinzeff und seine Familie zu verabschieden, am besten Blickkontakt halten. Außerdem sollte es Ausdruck des besonderen Anlasses sein.

Seine sehr persönlich gehaltene Predigt, in der Smorodinzeff auch viel über sich sagte, baute er auf die Worte des Predigers Salomon auf. "Ein jegliches hat seine Zeit", heißt es da. Smorodinzeffs Kinder Paul und Hanna und seine Frau Rosemarie trugen die Verse des Predigers vor. Ronald Smorodinzeff sagte anschließend, diese Worte seien mehr "als eine nüchterne Vorstellung". Sie mahnen, das Leben realistisch zu sehen und es zu nehmen und zu sehen, wie es ist. "Das Leben ist nicht immer nur Sonnenschein, sondern hat auch Schattenseiten", sagte Smorodinzeff. Beides gehöre zum Leben dazu. Das bedeute jedoch auch, dass die Menschen hin und wieder auch einen Weg gehen müssten, den sie sich nicht selbst ausgesucht haben. Ein Ja auch zu diesen Wegen zu finden, sei schwer und koste viel Überwindung und auch Mut, sich auf das Neue einzulassen. Es bedeute aber auch, nicht nur zurückzublicken, sondern auch nach vorn, sagte Smorodinzeff.

Einen ungewissen Weg hätten er selbst und seine Familie vor sich. Zwar sei klar, dass die Familie in Kürze in ein Einfamilienhaus in Bismark zieht, dass die Kinder Hanna und Paul weiter das Gymnasium in Gardelegen besuchen, dass Sohn Lukas in die Grundschule in Bismark wechselt. Aber vieles sei auch ungewiss, beispielsweise wie es nach Smorodinzeffs angestrebter Therapie in zwei bis drei Jahren weitergeht. "Ich würde gern wissen, wie es weitergeht", sagte Smorodinzeff, "aber es ist zurzeit eben nicht so - da ist Glaube und Vertrauen gefragt", wovon er selbst in sich zurzeit wenig spüre.

Die ein wenig schwermütig klingenden Lieder "Befiel du deine Wege" von Paul Gerhardt, "In dir ist Freude in allem Leide" von Johann Lindemann und "Wer nur den lieben Gott lässt leiten" von Georg Neumark erklangen im Gottesdienst. Sie gefielen ihm besonders gut, sagte Smorodinzeff, denn sie seien ein Bekenntnis zu Gott. Zum Abschluss seiner Predigt wünschte er den Gottesdienstbesuchern den gleichen Glauben, den auch die drei Dichter hatten.

Im Anschluss an die Predigt bat Superintendent Matthias Heinrich Smorodinzeff und seine Frau vor den Altar. Er dankte beiden für den Einsatz ihrer Kräfte und Gaben, für die Treue und Liebe. Smorodinzeff, 1961 in Möckern geboren, sei gut zehn Jahre Pfarrer in Mieste gewesen und habe während dieser Zeit Höhen, aber auch Tiefen erlebt. Mit der Urkunde entband Heinrich Smorodinzeff von seinen Aufgaben. Die Berufsbezeichnung Pfarrer darf Smorodinzeff mit dem Zusatz "im Ruhestand" weiterführen. Und wie das beim Abschiednehmen ist, kullerten auch einige Tränen.

Die Fürbitten widmeten Mitglieder der Kirchgemeinde zum einen der Familie Smorodinzeff und wünschten ihnen für die Zukunft alles Gute, zum anderen galten sie aber auch all jenen Pfarrern und Ruheständlern, die in den vergangenen Monaten immer wieder die Vertretung Smorodinzeffs übernommen hatten.

Mit Musik endete der Gottesdienst. Das persönliche Abschiednehmen war im Anschluss im Haus Altmark möglich.

 

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