Gardelegen/Kalbe (iwi). Mit zwei Verfahrenseinstellungen ist ein Verfahren wegen Diebstahls gegen den 15-jährigen Jan* und den 26-jährigen Daniel* am Amtsgericht Gardelegen beendet worden. Richter Axel Bormann hat dennoch Mühe, sich zu zügeln: "Nehmen Sie ihn mit! Ich will Sie nie wieder sehen. Und Jan auch nicht", richtet sich Bormann an die Mutter des 15-Jährigen. Der Richter weiter: "Seit ich hier bin, begleite ich Ihre Familie! Das ist doch irre!" Bormann kennt die Familie aus dem Raum Kalbe: Er hat Jans Brüder bereits zu Haftstrafen verurteilt. "Ich habe alle von Ihnen gehabt. Oder habe ich einen verpasst?", fragt er die Mutter.

"Aufgebrochen haben wir sie nicht"

Im Mai 2010 hebelten die zwei jungen Männer Garagen in Kalbe auf und entwendeten dabei eine Gewindestange und Hämmer. Zögerlich nuschelnd berichtet Jan nun, "dass wir ein Mopedteil für Daniel gesucht haben, aber wir haben nichts aufgebrochen". Jan geht in die achte Klasse in Salzwedel, ist einmal sitzen geblieben. Als Bormann eine Zeugenaussage vorliest, in der steht, dass die jungen Männer mit Eisenstangen, Fahrrädern und Anhänger zu den Garagen kamen und etwas eingepackt haben, gibt Jan doch zu: "Da waren Schrauben vor den Toren." Der 26-jährige Daniel bestätigt: "Die Garagen waren zugeschraubt, aber aufgebrochen haben wir sie nicht" - da rutscht selbst Richter Bormann ein Lachen heraus. Für sein Moped brauchte Daniel eine neue Benzinnadel. Im Handel wäre diese für wenige Euro erhältlich.

Für Jan endet der Prozess mit einer Ermahnung, mit der Verfahrenseinstellung und eindringlichen Worten von Richter Bormann: "Wo hat es deinen Brüdern am besten gefallen? In der Jugendarrestanstalt oder im Jugendknast? Haben sie dir nie erzählt? Oder musst du das noch selbst erfahren?"

"Überfordert bin ich nicht"

Und an die Mutter gerichtet: "Ich würde mir an Ihrer Stelle überlegen, ob Sie nicht ganz heftig was falsch gemacht haben, denn kriminelle Gene sind nicht vererblich." Vielleicht sei Jan woanders besser aufgehoben als zu Hause. Die Mutter protestiert: "Überfordert bin ich nicht." Ein anderes Verfahren gegen Jan ist bei der Staatsanwaltschaft in Stendal noch anhängig - wegen Bedrohung. Bormann schaut den Jungen überrascht an. Jan antwortet: "Ich soll ein kleines Kind mit einem Messer bedroht haben." Die Frage, ob er es denn getan habe, beantwortet Jan nicht mehr.

Das Verfahren gegen den 26-jährigen Daniel - er wohnt inzwischen nicht mehr in Kalbe, sondern im Landkreis Stendal - wird gegen Zahlung von 1000 Euro, in vier Raten à 250 Euro, für das Streitschlichter-Projekt am Geschwister-Scholl-Gymnasium eingestellt.

(*Namen von der Redaktion geändert)