"Zwischen Aufbegehren und Anpassen" ist der Titel einer Ausstellung, die sich mit der Jugend in der DDR beschäftigt. Seit gestern sind die Schautafeln in der Aula des Geschwister-Scholl-Gymnasiums zu sehen.

Gardelegen. Längere Haare und ausgefallene Frisuren, wie sie heute viele junge Männer ganz selbstverständlich tragen, hätten in der DDR schnell die Aufmerksamkeit staatlicher Stellen geweckt. Denn was nicht ganz der Norm als "Kampfreserve der Partei" entsprach, war verdächtig. Ob Punker, Teds, Skins, Popper - sie alle standen in der "Übersicht über Erscheinungsformen negativ-dekadenter Jugendlicher in der DDR". Diese Übersicht ist unter dem Motto "Gegen den Strom" Teil der Ausstellung "Zwischen Aufbegehren und Anpassen". Erarbeitet wurde sie in der Dresdner Außenstelle der Stasiunterlagenbehörde. Darum sind die ganz konkreten Beispiele auch welche aus Dresden, "doch so war es auch im Bezirk Magdeburg", erklärte Birgit Krüger gestern Vormittag Zehntklässlern des Gymnasiums während der Eröffnung. Die Mitarbeiterin der Magdeburger Außenstelle der sogenannten Birthler-Behörde stand nach einem Rundgang den Schülern für Fragen zur Verfügung.

"Für mich persönlich ist es ein hochinteressantes Thema, denn es ist gelebte Geschichte", sagte Schulleiter Dietmar Collatz. Er hoffe, dass die Ausstellung für die Schüler eine Anregung sei, mit den Eltern und Großeltern ins Gespräch zu kommen, "denn sie haben das erlebt". Die Ausstellung zeigt die Bemühungen, die Jugend der DDR staatlich zu leiten. Sie zeige aber auch, so Collatz, "dass es nicht immer geklappt hat, die Jugend zu lenken". Auch "wir als Schule, als Lehrer waren damals verpflichtet, die Ideologie der SED umzusetzen", berichtete der Schulleiter den Zehntklässlern und fügte hinzu, dass jeder seinen Weg gesucht habe, damit umzugehen. "Nutzt die Gespräche, seht euch die Fakten an und bildet euch eure eigene Meinung", lud Dietmar Collatz die Schüler ein. Diese Einladung hat er auch den Sekundarschulen im Umland ausgesprochen, denn in den zehnten Klassen gehört die DDR-Geschichte zum Lehrplan.

Die Ausstellung "Zwischen Aufbegehren und Anpassen" wird im Monat März im Gymnasium gezeigt. Verschiedene Bereiche werden dabei schlaglichtartig aufgeführt und mit konkreten Beispielen untersetzt. Unter der Überschrift "Im Auftrag Christ" wird zum Beispiel die Biografie eines jungen Mannes behandelt, der als IM für die Staatssicherheit tätig war. Thematisch geht es aber auch darum, wie die Jugend eingebunden werden sollte. Festgeschrieben war dies im "Gesetz über die Teilnahme der Jugend an der Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft in der DDR". Die Ausstellung zeigt aber auch, wie die Abteilung XX der Bezirksverwaltung der Stasi die Jugend im Visier hatte. Dabei ging es nicht nur um kritische junge Leute, sondern auch um die Überprüfung beispielsweise vor einem Medizinstudium. Eine Schautafel trägt den Titel "Narrenfreiheit" und dokumentiert am Beispiel einer Büttenrede und eines Karnevalwagens, wie der Penne-Fasching als Ventil für Kritik genutzt wurde. Außerdem bekommen die Schüler, die diese Zeit nicht erlebt haben, interessante Einblicke in das Bildungs- und Erziehungssystem der DDR, in die Arbeit oppositioneller Gruppen und in den Widerstand gegen den Armeedienst (Stichwort Bausoldaten).