Heute vor 80 Jahren ist Otto Reutter in Düsseldorf gestorben. Wenige Tage später wurde der beliebte Humorist auf dem Friedhof seiner Geburtsstadt Gardelegen beigesetzt. Am Grab findet heute um 15 Uhr eine Gedenkveranstaltung statt.

Gardelegen. Voller Freude und Elan war Otto Reutter Ende Februar 1931 nach Düsseldorf gereist. Vom 1. März an wollte der Humorist zwei Wochen lang im Apollo-Theater auftreten und sein Publikum in gewohnter Manier unterhalten. Doch statt der Freuden- und Lachtränen wurden nur zwei Tage später Tränen der Trauer vergossen. "Tückische Herzkrämpfe setzten das Herz des unentwegten und so lebendigen größten deutschen Volkshumoristen in Düsseldorf still: Otto Reutter schloss seine Augen zum letzten Schlaf", schrieb der Gardelegener Kreisanzeiger in seiner Ausgabe vom 5. März. Das war ein Donnerstag, am Dienstagabend war Reutter in einem Krankenhaus gestorben. Während seiner Ankunft in Düsseldorf soll er schon über Unpässlichkeiten geklagt haben, besonders über Herzbeschwerden. Dennoch wollte er am 1. März auf die Bühne, musste aber abbrechen. "Den Montag verbrachte Reutter unter ärztlicher Behandlung in einem Düsseldorfer Hotel. Im Laufe des Dienstagvormittags hatten sich die Herzkrämpfe derart verstärkt, dass der behandelnde Arzt die beschleunigte Überführung des Patienten in die Goldheimer Klinik anordnete, wohin Reutter Dienstagvormittag gebracht worden ist. Die Herzkrämpfe verstärkten sich derart, dass im Laufe des Spätnachmittags irgendein Zweifel über den tödlichen Ausgang des Leidens kaum noch vorhanden war. Abends gegen 11 Uhr ist Reutter, der bei vollem Bewusstsein war, entschlafen", heißt es weiter im Bericht der Gardeleger Lokalzeitung.

Der Autor erinnert in seinem Artikel auch an das Festbankett im Berliner Wintergarten, das im Jahr zuvor anlässlich des 60. Geburtstages Reutters am 23. April 1930 stattfand. Dort soll der Coupletsänger gesagt haben: "Einmal noch werden mir meine Freunde duftenden Blumen und herrliche Kränzen widmen. Aber dann sehe ich nichts mehr davon..." Nicht einmal ein Jahr später wurden diese Worte traurige Wirklichkeit.

Nach einer Beschreibung des Reutterschen Lebens- und Künstlerweges geht es weiter im Nachruf: "Ein Einziger ist von uns gegangen und diese Augen, die ihren Zauber über Tausende hinwegstreuen konnten, haben sich auf immer geschlossen. Leben aber wird in allen deutschen Gauen die Erinnerung an den großen Humoristen und Schriftsteller Otto Reutter, vor allem aber in seiner Vaterstadt Gardelegen, wo ihm die letzte Ruhestätte bereitet werden soll. Überall weiß man hier von Otto Reutter zu erzählen, wie er lustig sein konnte und wie er still vergnügt bei seinen Besuchen mit schwerem Tritt, behaglich und zufrieden die Straßen seiner Kindheit wandelte... Gardelegen vergisst seinen großen Sohn nicht und dankt es ihm, dass er nach dem glanz- und unruhevollen Leben zur letzten Rast hierhin zurückkehren will."

Viele Worte des Lobes und der Dankbarkeit wurden anlässlich des Todes Reutters geschrieben und gesagt. Unter anderem: "Eine Flut herzerquickender Freude hat er über Deutschland gegossen in mehr als 40-jähriger Wirksamkeit auf der Bühne. Überall riss er die Herzen aus dem grauen Alltag in die Höhen seines volkstümlichen Humors, seines treffenden Witzes und in das kecke Blinzeln seiner Augen: ob er mit auf der rundlichen Weste gefalteten Händen auf der Bühne stand, oder ob uns seine Stimme von Schallplatten oder aus dem Lautsprecher entgegenschallte."

Und am Ende heißt es: "Tot wird Reutter aber niemals sein, und seine Couplets werden fortleben - zum Teil als Fundgrube für Autoren kommender Zeiten."

Abgedruckt wurde auf der Titelseite des Kreisanzeigers auch ein Nachruf des Berliner Wintergartens, in dem Otto Reutter seine größten Erfolge gefeiert hat. Das deutsche Varieté erleide "einen unersetzlichen Verlust", mit Otto Reutter sei "der letzte der großen Varieté-Stars dahingegangen, die man aus der Glanzzeit des Varietés kennt". Reutter sei einer "der höchstbezahlten Humoristen" gewesen, "den viele nachzuahmen versuchten, doch hat ihn keiner erreicht".

Am 5. März wurde Reutters Leichnam im Auto von Düsseldorf nach Gardelegen überführt. Dort wurde er am Sonnabend, 7. März, beigesetzt. Darüber wurde am 9. März im Gardeleger Kreisanzeiger berichtet: "Otto Reutter hat viel Liebe gesät und viel Liebe geerntet; dies zeigte deutlich seine Beisetzung. Selbst aus entfernten Gauen des Vaterlandes waren Trauergäste herbeigeeilt, letzte Zeichen der Verehrung, prächtige Palmwedel- und Kranzspenden hatten sie mitgebracht in einer Fülle, dass es an der Bahre des Verstorbenen, die in der geschmückten Friedhofskapelle, überstrahlt von Kerzenlicht, Aufstellung gefunden hatte, an Raum, sie unterzubringen, mangelte."

Viele Kollegen waren nach Gardelegen gekommen, um Otto Reutter auf seinem letzten Weg zu begleiten. Von der Kapelle wurde der Sarg dann durch ein Ehrenspalier des Schützenvereins zur Grabstätte getragen.

Die Gedenkrede hielt der Präsident der Internationalen Artisten-Loge, ein Herr namens Fossil aus Berlin. Mit Reutter verliere "die Loge nicht nur ein treues Mitglied, sondern den Klassiker des deutschen Varietés, der eine Hochentwicklung dieses Zweiges deutschen Künstlertums eingeleitet habe", zitiert die Zeitung aus der Rede. Danach sprach Direktor Milos vom Deutschen Direktoren-Bund. Reutters Verdienst um die "kulturelle Entwicklung Deutschlands sei so groß, dass jeder Künstler gern und freudig den Toten zu seinem Vorbild nehmen und ihm nacheifern würde", gibt die Zeitung wieder.

Am Ende seines Artikels sagt der Verfasser voraus, dass so mancher Verehrer "noch oft den Weg finden" wird zu Reutters Grab, "dem großen Toten seine Verehrung zu beweisen". Auch heute, am 80. Todestag Reutters, wird dies so sein. Um 15 Uhr beginnt auf dem Friedhof eine kleine Gedenkveranstaltung.