Am 28. November wurde in Gardelegen ein neuer Stadtrat gewählt. Die Volksstimme stellt täglich einen der 36 Ratsherren und Ratsfrauen vor.

Von Christina Bendigs

Mieste. "Diese Straße darf nicht umbenannt werden", sagt Wolfgang Witte schmunzelnd. Er wohnt an der Miester Riesebergstraße. Dort, im elterlichen Haus, wurde er 1963 auch geboren. In Mieste aufgewachsen, hat Wolfgang Witte eine wechselhafte berufliche Vergangenheit hinter sich. Aber er ist keiner, der jammert. Vielmehr kann er vor allem rückblickend das Positive sehen. "Wenn ich manches nicht gemacht hätte, hätte ich vieles nicht gewusst", sagt er heute.

Nach Abschluss der zehnten Klasse lernte Wolfgang Witte den Beruf des Zerspanungsfacharbeiters. Seine Armeezeit verbrachte er anschließend von 1981 bis 1984 in Berlin. Die Zeit sei interessant gewesen, sagt der Miester. Und er habe damals auch das Angebot bekommen, bei der Armee zu bleiben. Das aber lehnte er ab. "Die Sehnsucht nach zu Hause war zu groß, ich wollte wieder zurück", begründet er.

Zurück in Mieste begann Witte als Schlosser und Dreher in der LPG Pflanzenproduktion zu arbeiten. Bis 1990. Mit der Wende kündigte er seinen Job. Wolfgang Witte wollte wieder in seinem Lehrbetrieb in Stendal anfangen. Mit dem ersten West-Wagen, einem zehn Jahre alten VW Santana, pendelte er ab September 1990 regelmäßig nach Stendal. Der Betrieb ging allerdings ein halbes Jahr später in Insolvenz, so dass Witte zunächst arbeitslos wurde. Er blieb es aber nicht lange.

In Zeitungen nach Stellenausschreibungen suchend, geriet er an einen Zuchthof für Islandpferde in Peine. Reiten konnte er die Pferde zwar nicht, aber Wolfgang Witte pflegte sie. Zugunsten seiner Familie gab er diese Tätigkeit aber drei Jahre später auf. Denn durch das tägliche Pendeln sei er morgens in aller Frühe aus dem Haus gegangen und abends erst spät wieder zu Hause gewesen. Dann fing Witte im ACZ Mieste als Lkw-Fahrer an, kehrte nach drei Jahren in diesem Beruf zurück zum Islandgestüt in Peine. Ab 2000 arbeitete er als Montageschlosser für eine Autowerkstatt in der Region, fuhr anschließend noch einmal Lkw - diesmal nach Polen, Litauen und Belgien -, ehe schließlich die Stelle des Gemeindearbeiters in Mieste zu besetzen war, die er bis heute hat.

"Mit der Feuerwehr hatte ich eigentlich nie etwas am Hut"

Wolfgang Witte und seine Frau Angela, die Witte 1986 heiratete, haben zwei Kinder: Tochter Janette kam 1986 zur Welt, Sohn Florian im Wendejahr 1989. Eine Wohnung habe die junge Familie damals nicht bekommen, so dass sie ans Elternhaus von Wolfgang Witte anbaute. Noch gut kann sich der 47-Jährige an diese Zeit erinnern, in der Material knapp gewesen sei und er stets damit befasst war, Material für das neue Wohnhaus zu organisieren. Von der Wende-Euphorie habe er sich kaum anstecken lassen. Erst eine Woche nach dem Mauerfall fuhr er erstmals in die alten Bundesländer. "Man wusste ja nicht, ob sie einen auch wieder zurücklassen", sagt Witte, außerdem war gerade sein zweites Kind geboren, so dass der Vater anderes im Kopf hatte.

Wolfgang Witte ist seit 2003 Wehrleiter der Miester Feuerwehr. "Mit der Feuerwehr hatte ich eigentlich aber nie etwas am Hut", sagt er. Ein Bekannter habe ihn gefragt, ob er nicht mitmachen wolle, so dass Witte in den 80er Jahren zur Feuerwehr kam. 1989 habe er die Gruppenführerschule besucht. Seither war er zwar Jugendwart und viel mit den Kindern und Jugendlichen unterwegs. Die notwendige freie Zeit, um sich zu qualifizieren, habe ihm aber erst ab 2000 zur Verfügung gestanden, erzählt Witte. In elf Jahren habe er sich bis zum Verbandsführer weiterquali- fiziert.

Als junger Mann habe er sich für Musik interessiert und mit Freunden viele Konzerte in der Region besucht. Heute verbringt Witte seine Freizeit im Sommer gern mit Radfahren und im Winter mit Skifahren in den Bergen. Außerdem ist Wolfgang Witte dank des Bruders seiner Frau seit 1986 Mitglied im Miester Männerchor. "Es macht mir Spaß, und ich habe es nie bereut, dass ich in den Chor eingetreten bin", sagt der Miester, der gern zu den wöchentlichen Proben geht.

Und auch die Pflege des Grundstückes erfordert Zeit. "Aber da fasst jeder mit an", sagt Wolfgang Witte. Pflichtprogramm ist für Familie Witte der sonntägliche Spaziergang durch Mieste mit Hündin Dana.

Wittes politisches Engagement begann 2004. "Das hing mit der Feuerwehr zusammen, deren Belange im Gemeinderat besser vertreten werden sollten", sagt er. Dass Witte für den Stadtrat kandidierte, entschied sich mit der Gründung der Liste Feuerwehr. "Nun muss man hoffen, dass wir vernünftig zusammenarbeiten, auch an Problemstellen", sagt er.

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