Gardelegen (ca). Politische Prominenz zur bevorstehenden Landtagswahl hatte sich gestern der FDP-Landtagsabgeordnete Lutz Franke ins Boot geholt: Die stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP, die Landesvorsitzende und Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Dr. Cornelia Pieper, begleitete Franke auf einer Wahlkampftour unter anderem mit Stationen in Kalbe und Gardelegen. In Gardelegen besuchte die Liberalen-Gruppe, zu der außerdem der städtische Wirtschaftsförderer Peter Timme und der Stadtrat Normen Gadiel gehörte, das neue Unternehmen Benkenwood und die Agenda Glas AG. Im Glaswerk wurden die Besucher von Josef Bockhorst, Vorstandsmitglied der Agenda Glas AG, empfangen.

Themenschwerpunkt bei den Liberalen war die am 25. Februar angemeldete Insolvenz des Unternehmens, das in der Produktion von Industrieglas zu den modernsten Werken Europas gehören soll. "Nach nur einem Jahr und drei Tagen", sagte Bockhorst, der gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Wolfram Seidensticker das Unternehmen gegründet hat. Gründe für die Insolvenz gebe es mehrere, führte Bockhorst aus. Zum einen sei es die Grünglasproduktion - unter anderem Schnapsflaschen für Jägermeister - gewesen, die sich zum "Desaster" entwickelt habe. Zum anderen habe die geplante Produktivität nicht erreicht werden können. Dazu habe es diverse "Störfeuer gegeben", wie es Bockhorst formulierte. Unter anderem vom Wasserverband sowie von Mitbewerbern.

Die Agenda Glas wird derzeit von einem Insolvenzverwalter betreut. Noch nicht entschieden sei, welches Verfahren letztlich angewendet wird. Möglicherweise wird es, wie im Fall der AKT GmbH, eine Planinsolvenz geben. Eine Variante sei auch der Verkauf des Werkes, also einen Wechsel des Eigentümers. Unterdessen hätten sich 21 Interessenten dafür beworben. Bis Ende April soll dazu eine Entscheidung fallen, sagte Bockhorst.

Unabhängig von der Insolvenz habe das Glaswerk volle Auftragsbücher und langjährige Verträge mit Abnehmern. "Die Produktion geht weiter. Es wird nur eine neue Finanzstruktur geben", betonte Bockhorst. Um die Produktion abzusichern, würden auch alle Mitarbeiter benötigt. Derzeit seien über 150 Mitarbeiter im Unternehmen beschäftigt. Dazu kämen noch 40 Zeitarbeiter. Produziert werde im Vier-Schicht-System. 40 verschiedene Sorten werden produziert. In diesem Jahr sollen noch weitere 20 dazukommen. "Die Probleme wie im Vorjahr werden wir in diesem Jahr nicht haben", zeigte sich Bockhorst optimistisch.

Natürlich habe die Agenda Glaswerk alle Förderprogramme in Anspruch genommen, die für die Unternehmensgründung möglich waren. "Wir sind Existenzgründer, haben ein mittelständisches Unternehmen gegründet und Arbeitsplätze geschaffen. Und dafür haben wir Fördermittel erhalten", sagte Bockhorst. Etwa 20 Millionen Euro seien gefördert worden. Der Restbetrag von etwa 30 Millionen sei fremdfinanziert worden. Das Eigenkapital habe 18 Prozent von der Gesamtinvestitionssumme betragen.

"Der Kredit ist uns von der Nord LB nicht geschenkt worden. Dafür haben wir sehr hohe Gebühren bezahlt", betonte Bockhorst, was bei Pieper und Franke für etwas Verwunderung sorgte, sollte doch die Landesbank den Mittelstand fördern. "Eine Investition von 50 Millionen Euro finanziert man natürlich nicht mit Eigenkapital. Wobei die Quote von 18 Prozent sehr gut ist. Die liegt bei mittelständischen Unternehmensgründungen sonst viel niedriger. Das war eine saubere Investition mit einer sauberen Fördermittelvergabe. Das muss man auch mal klar und deutlich sagen. Eine super Geschichte für den Wirtschaftsstandort Gardelegen", betonte Franke. Lob gab es auch von seinem Parteikollegen, dem städtischen Wirtschaftsförderer Peter Timme. "Ihr wart die Pioniere, die in der Industrieglasproduktion vorangegangen sind. Das Unternehmen ist wie ein Schiff, das mit Sicherheit in ein interessantes Meer zurückkehren wird", betonte Timme. "Um bei dem Bild zu bleiben: Das Schiff wird nicht sinken. Nur die Steuerung ist derzeit etwas lahmgelegt", ergänzte Bockhorst.