Die preußische Madonna - Auf den Spuren der Königin Luise ist der Titel eines Buches von Christine Gräfin von Brühl. Am Freitagabend hat die Autorin dieses Buch in der Gardeleger Bibliothek vorgestellt. Und sie nahm ihr Publikum in der Tat sinnbildlich an die Hand und führte sie zu den wichtigsten Lebensstationen Luises - angefangen von Hohenzieritz, dem Sterbeort der Königin der Herzen, über Neustrelitz, Fürstenberg bis hin nach Berlin. Nicht nur eine Hommage an die schöne Herrscherin, sondern auch eine Liebeserklärung der Autorin an den Landstrich zwischen Mecklenburg-Vorpommern und dem brandenburgischen Berlin.

Gardelegen. Gerda Freese sitzt schon ganz gespannt im Publikum. Hat es doch einen ganz besonderen Grund, dass die rüstige 91-jährige Gardelegerin den Freitagabend in der Bibliothek verbringt. Der Besuch dort ist ein Geschenk ihrer Tochter Renate Hickisch zu ihrem Geburtstag, den sie am 12. Februar gefeiert hat. Gerda Freese nämlich ist ein großer Fan der Preußen-Königin Luise. Sie ist im Luisen-Jahr 2010 (200. Todestag) eigens nach Berlin gefahren und hat sich im Charlottenburger Schloss die große Luisen-Ausstellung angesehen.

Die volksnahe Königin der Herzen war auch am Freitagabend Thema in der Bibliothek. Bibliotheksleiterin Ursula Isenberg war es wieder einmal gelungen, eine besondere Autorin einzuladen: Dr. Christine Gräfin von Brühl mit ihrem im April 2010 erschienen Buch "Die preußische Madonna - Auf den Spuren der Königin Luise". Und das sei eher einem Zufall zu verdanken gewesen, wie Isenberg erzählt. "Ich war vor knapp einem Jahr auf der Buchmesse in Leipzig. Und weil man da nicht den ganzen Tag rumlaufen kann, hatte ich am Stand von 3Sat eine Pause eingelegt. Vor mir saß Frau von Brühl, die gerade ein Interview zu ihrem neuen Buch gab", beschreibt Isenberg ihre erste Begegnung mit der Autorin mit den berühmten Vorfahren. Christine Gräfin von Brühl folgte der Einladung. Und so konnte am Freitagabend auch das Gardeleger Lesepublikum vieles über die schöne Königin erfahren - eine unterhaltsame Wissensvermittlung über ein Stück deutscher Geschichte.

Christine Gräfin von Brühl hat nicht ohne Grund über die Preußenkönigin geschrieben. "Es gibt viele Bücher über Luise, aber die Geschichte meiner Familie war als Angestellte des preußischen Hofes immer eng mit der Geschichte Preußens verbunden", erzählt die Autorin. Und wenn man in Berlin wohne, komme man ohnehin an Luise nicht vorbei.

Carl Adolph Graf von Brühl (1742-1802) beispielsweise sei Erzieher und Oberhofmeister des Kronprinzen Friedrich Wilhelm gewesen, der später Luise geheiratet hat. Auch der Bruder des Oberhofmeisters, Heinrich Graf von Brühl (1743-1792), habe als königlicher Generalmajor und Gesandter in München in preußischen Diensten gestanden. Eine Ausnahme habe es gegeben, plaudert Christine von Brühl. Und das sei Heinrich Graf von Brühl (1700-1763) gewesen, der die nach ihm benannten berühmten Brühlschen Terrassen in Dresden errichten ließ. Er hatte ein Angebot von Friedrich II. von Preußen, als Berater am Hof zu arbeiten, abgelehnt und hatte es stattdessen bevorzugt, seine Stellung als Premier am Dresdner Hof des Königs August III. zu behalten. Damit zog er den Zorn des Preußenkönigs auf sich.

"Die Brühls haben Friedrich II. seine mangelhaften Umgangsformen nie nachgesehen. Bis heute trägt der Preußenkönig in Familienkreisen den Beinamen Zwo oder der Kleine" erzählt Christine von Brühl mit einem schelmischen Lächeln.

Doch zurück zur preußischen Madonna. Die Autorin beginnt ihr Buch mit den letzten Lebenstagen und dem Tod der Preußenkönigin, die am Morgen des 19. Juli 1810 in Hohenzieritz (Mecklenburg-Vorpommern), dem Sommersitz ihres Vaters Herzog Carl von Mecklenburg-Strelitz, starb. Sie führt den Leser dann weiter im Trauerzug durch die wichtigsten Lebensstationen Luises. Eindrucksvoll schildert Gräfin von Brühl die Gefühlswelt des Königs und Ehemannes Luises, Friedrich Wilhelm III. von Preußen (1770-1840), seine Trauer um die geliebte Frau und die Trauer der Kinder des Paares um die geliebte Mutter. Zehn Kinder hatte Luise geboren. Sieben erreichten das Erwachsenenalter. Beim Tod der Königin war das jüngste Kind noch nicht einmal ein Jahr alt, schreibt Gräfin von Brühl.

Die Autorin berichtet über die Kindheit Luises, die am 10. März 1776 in Hannover geboren wurde, über die ersten Begegnungen der gerademal 17-Jährigen mit ihrem späteren Ehemann, zitiert aus vielen Briefen Luises, die die Fröhlichkeit, Lebenslust und die Liebe der jungen Frau zu ihrer Familie, zu ihrem Mann und ihren Kindern deutlich macht.

Der Trauerzug führt über Neustrelitz, Fürstenberg, Dannenwalde, Gransee, Oranienberg bis hin nach Berlin Charlottenburg. Im Berliner Schloss feiert das Paar am 24. Dezember 1793 seine Vermählung. Am 23. Dezember 1810, an diesem Tag war Luise einst in Berlin eingezogen, wird ihr Sarg in das Charlottenburger Mausoleum gebracht, das der König eigens für sie hat errichten lassen.

Christine von Brühl ist eine Biografie gelungen, die anders als bloße Faktenaufzählungen den Leser am Leben dieser Frau mit der starken Persönlichkeit teilnehmen lässt. Von Brühl schlägt Brücken zu einer weiteren Adligen, die als Königin der Herzen große Verehrung erfahren hat, zu Lady Di, der einstigen Ehefrau des britischen Thronfolgers Prinz Charles.

Zugleich gelingt der Autorin mit ihrer Beschreibung des Landstriches zwischen Hohenzieritz und dem brandenburgischen Berlin eine Liebeserklärung an diese Gegend. Authentisch, detailreich stellt sie herrschaftliche Landsitze und die Landschaft vor. Beim Lesen der Biografie ergibt sich unwillkürlich der Eindruck, selbst schon oftmals dort gewesen und auf den Spuren Luises gewandert zu sein. Mit dem Buch in der Hand dürfte eine Landkarte für die Luisen-Route unnötig sein. Und genau das möchte auch Ursula Isenberg einmal ausprobieren, wie sie nach der Lesung verrät.

Für die Autorin gibt es am Freitagabend viel Beifall. Mit ihrem schicken Faltenrock und den hohen Stiefeln wirkt sie jugendlich, ja fast mädchenhaft. Doch spätestens nach den ersten Worten weiß der Zuhörer, dass er einer gestandenen, gebildeten Frau gegenüber sitzt, die obgleich ihres berühmten Namens keine Dünkel zeigt, die vielmehr eine interessante, sympathische Persönlichkeit ist.

Christine von Brühl (1962), wuchs als Diplomatentochter in Ghana, London, Singapur und Polen auf. Sie studierte Slawistik, Geschichte und Philosophie, promovierte über Anton Tschechows Dramenwerk. Nach der Wende zog sie nach Dresden. Sie volontierte bei der Sächsischen Zeitung, arbeitete in verschiedenen Lokalredaktionen, lernte in Dresden ihren Mann kennen und folgte ihm nach Berlin. Sie hat zwei Kinder und arbeitet heute als freie Autorin. Zu ihren Werken gehören "Noblesse oblige - die Kunst ein adliges Leben zu führen" und "Out of Adel".

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