Auf (Irr)wegen ab nach Gardelegen - unter diesem Motto hat die Karnevalsgruppe des Männerchores Eintracht die Lokalpolitik und die lokalen Größen wieder gehörig aufs Korn genommen. Im voll besetzten Schützenhaus feierte das Publikum die Akteure auf der Bühne. Und die hatten keine Mühe gescheut, wieder ein anspruchsvolles Programm mit vielen Spitzen und Frivolitäten in Szene zu setzen.

Gardelegen. "Dem Conny wird\'s Regieren nicht sehr leicht gemacht, denn der neue Stadtrat klugscheißert Tag und Nacht. Sie denken alle nur an sich, der Bürger intressiert da nicht. Was ist das für eine Welt, es geht nur um ihr Geld." Pointiert endete mit diesem Lied (nach der Melodie von Lili Marleen) das Programm des Eintracht-Faschings am Sonnabend im Schützenhaus. Einige Gäste ließen dazu Wunderkerzen kreisen. Dann gab\'s langanhaltenden Beifall und Zugaberufe. Das Publikum war wieder einmal begeistert vom närrischen Treiben auf der Schützenhaus-Bühne. Ein überaus gelungenes, witziges Programm, eine gute Unterhaltung für Gardelegens Närrinnen und Narren mit Tanz, vielen Sketchen, Büttenreden, frivolen Witzen und Anekdoten.

In der Bütt setzte sich der Gardeleger Roland (Fritz Wießel) mit den Ergebnissen der Stadtratswahl auseinander, sprach von dem klugen Fuchs, der sich im Rat einen Hühnerhof hält für die eigene Diät und für die Diäteneier, von einstigen Größen, die es nicht mehr geschafft haben (Krüger braucht sich als Hahn nicht mehr zu quälen, er kann jetzt am Kreisel Autos zählen), von der Henne Lessing, die die Zügel fest in der Hand halte. Kurzum - der Stadtrat sei ein Hühnerhaufen, der sich muss erst noch zusammenraufen. Auf dem Seniorenspielplatz erzählten sich Alfred Fischer, Fritz Wießel und Hans-Joachim Exler zotige Witze und referierten über Bildung, Politik und Gesundheit, während dessen Oma und Opa im Sandkasten und im Laufgitter spielten. Beispiel: "Der Fuchs hat von Mieste, Potzehne und Zichtau einen Gummihammer bekommen. Warum das? Damit soll er sich das Schließen der Freibäder aus dem Kopf schlagen." oder "Ich habe das Gamsbartsyndrom. Mein Arzt sagt, ich soll mir meinen Pinsel an den Hut stecken."

Umfangreich hatte auch der bevorstehende Sachsen-Anhalt-Tag Aufnahme ins närrische Programm gefunden. Weil nämlich die Schützen nicht ohne Bezahlung helfen wollen, hat die Stadt das Fest deutschlandweit ausgeschrieben. Aus ganz Deutschland meldeten sich die Helfer, aus Sachsen, Thüringen, Bayern, von der Ostsee, auch aus der Altmark, gar aus Ostpreußen und Berlin. Da kam der Achmed, der die gute Gastronomie nach Gardelegen bringen wird (Döner). In Berlin, so klagte Achmed (Ralf Kubaink), da würde ihn keiner verstehen (Isch war in Geschäft und wollte von Verkäuferin eine Du...schlampe, die hat gleich die Security geholt), aber in Gardelegen, da verstehe man Achmed (Gülle, Gülle). Die Bayern bringen zum Landesfest ihr Olympiastadion von 1972 mit. Der Olaf aus Meißen (Klaus Bernstein) hat eine gute Idee: "Tut mal die Kleinbahn wieder in die Erde, dann kommen die aus Kalbe wenigstens nicht mehr mit dem Pferde", und das Altmark-Duo aus Jävenitz und Estedt (Heino Voit und Jens Mracek) beteiligt sich mit dem Projekt Gardelegen 21 am Landesfest. Das gesamte Stadtgebiet wird untertunnelt, dann nämlich kann Estedt auch endlich wieder durchschlafen. Sehr viel Beifall erhielt auch die Nummer von Geert Weber, Sebastian Reeber und Heino Voit als Zuhälter und zwei Damen vom liegenden Gewerbe, das in Gardelegen ja auch ganz gut vertreten ist (Galloway und Heldenstraße).

Ein gelungenes Programm. Dazu konnten die Zuschauer eine kreative Bühnendekoration und Kostümierung der Akteure bewundern. Kreativ indes waren auch die Gäste bei der Auswahl und Gestaltung ihrer Kostüme. Der Wiedererkennungseffekt war bei einigen gar nicht so einfach. Auch das hat einen Beifall verdient.

   

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