Kalbe (cn). "Das ist doch hier verkehrte Welt", sagt Moderator Hartmut Sembach und stemmt die Hand in die Hüfte: "Die einen feiern und die anderen müssen arbeiten." Diese anderen, die Sembach meint, sind er selbst und seine Künstlerkollegen Gaby Albrecht, Sigrid & Marina und die Familienband Oesch´s die Dritten. Die treten nämlich bei der gestrigen Musikantenparade zum Frauentag auf. Das Kalbenser Kulturhaus ist die vorletzte Station ihrer Sechs-Städte-Tour - aber eben die, die genau am Frauentag besucht wird.

Doch es sind längst nicht nur Damen, die da im Publikum sitzen. Der Saal ist mit weit mehr als 500 Besuchern gefüllt. Er ist ausverkauft. Wieder einmal, wenn Gaby Albrecht sein Parkett betritt. Mindestens fünfmal war die gebürtige Magdeburgerin mit der samtweichen Altstimme schon in der Milde-Stadt zu Gast. Und jedesmal hat sie die Menschen dort verzaubert.

Das ist allerdings nicht nur ihrem Gesang geschuldet, sondern auch ihrer natürlichen Art. Obwohl sie zweifelsohne zu den bekanntesten Künstlerinnen der volkstümlichen Musikszene gehört, ist sie sich nicht zu schade, sich in der 20-minütigen Pause selbst ins Foyer zu stellen und dort CDs zu verkaufen. Ihre Kollegen sind dort ebenfalls zu finden, haben für jeden Fan ein freundliches Wort und lächeln in jede Kamera.

Besonders nett sind dabei die beiden Schwestern Sigrid und Marina Hutterer anzuschauen. Sie, die sogar schon den Grand Prix der Volksmusik gewonnen haben, sorgen kurz vor der Pause mit ihrer A-capella-Version des Liedes "La Montanara" für einen ganz besonderen Gänsehautmoment. In diesem Moment, als nur die Stimmen der Schwestern zu vernehmen sind, kein Mikrofon und keine Musikanlage eingeschaltet ist, könnte man eine Stecknadel fallen hören. So gebannt lauschen die Menschen den beiden Österreicherinnen.

Grüße aus der Schweiz überbringen hingegen Oesch´s die Dritten. Hinter diesem gewöhnungsbedürftigen Bandnamen verbergen sich Hans Uerli Oesch und seine Frau Annemarie mit ihren Kindern Melanie, Kevin und Mike. Besonders die bildschöne Melanie hinterlässt im Kulturhaus einen bleibenden Eindruck. Denn so gekonnt wie sie hat dort bisher noch niemand gejodelt. Dabei waren schon viele Künstler im Saal zu Gast. Denn Kalbe ist bekanntlich das Mekka der altmärkischen Volksmusikfans.

Nur einen haben die dort noch nicht gesehen: Hartmut Sembach. Der Mann, der nicht nur optisch an O.F. Weidling erinnert, hat ein ziemlich freches Mundwerk - aber eines, das die musikalische Idylle ordentlich durchrüttelt. Zum Beispiel mit solchen Sprüchen wie: "Es ist besser, fremd zu kommen und bekannt zu gehen, als bekannt zu kommen und..." Der Rest des Satzes geht im Gelächter des Publikums unter. Spätestens jetzt dürfte Hartmut Sembach auch den altmärkischen Volksmusikfreunden ein Begriff sein.

 

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