Groß war am Dienstag das Interesse an der Sitzung des Gardeleger Sozialausschusses. Der tagte diesmal nicht in der Kernstadt, sondern in der Grundschule in Solpke. Die Ausschussmitglieder wollten durch den Vor-Ort-Termin einen Eindruck von Schule, Kindergarten und Sporthalle gewinnen. Mit Meinungen zum Zustand der Gebäude hielten sich die Ausschussmitglieder nach der Besichtigung zurück.

Solpke. "Warum jetzt schon zumachen?", fragte der Vorsitzende des Solpker Schulelternrates, Andreas Löbe, am Dienstagabend den Gardeleger Bürgermeister Konrad Fuchs, der während der Besichtigung der Solpker Grundschule durch den Sozialausschuss mit Interessenten ins Gespräch kam. Fuchs argumentierte vor allem mit der finanziellen Lage der Stadt. Jede Grundschule, die erhalten werde, koste die Stadt jährlich zirka 100 000 Euro, sagte er. Konkrete Zahlen für die Grundschule Solpke nannte er aber nicht. Ein weiteres Argument des Gardeleger Bürgermeisters war der für die Region vorhergesagte Bevölkerungsrückgang. "Wir müssen für die Zukunft planen", so Fuchs.

Die Geburtenzahlen im Schuleinzugsbereich Solpke der vergangenen Jahre hatte Fuchs mitgebracht. Bis 2009 gebe es keinen Jahrgang unter zehn Geburten. 2010 seien jedoch nur vier Kinder geboren worden. "Wie wollen Sie denn Standorte stärken, wenn es nur eine begrenzte Zahl an Kindern gibt?", fragte er. Hinzu komme der Sanierungsbedarf in der Solpker Grundschule. Skeptisch fragte Fuchs, ob die Elektroleitungen der Grundschule noch nicht beanstandet worden seien. "Die sind finsterster DDR-Standard", sagte er. Fuchs stellte nicht das Engagement und die liebevolle Ausgestaltung der Schule in Frage. "Ich kann alles erhalten, aber es kostet Geld", betonte er, Daumen und Zeigefinger aneinander reibend.

Fuchs sagte, nur 17 der derzeit 40 Schüler der Solpker Grundschule kämen aus Solpke. Schülern aus den anderen Dörfern wie Jeseritz, Parleib, Jerchel und Potzehne sei es egal, ob sie nach Solpke oder zu einer anderen Schule fahren würden. Fuchs\' Gesprächspartner wollten dieser Behauptung indes nicht zustimmen. Auch die Kinder aus diesen Orten fühlten sich in Solpke wohl, so der Tenor der Besucher.

Angesichts der Geburtenzahlen, die Fuchs mitgebracht hatte, sagte Andreas Löbe, die Solpker Grundschule könne dann noch fünf Jahre weiterbestehen, "und wenn es so weit ist, können wir noch einmal reden". Er forderte, die Schule nicht nur als Kosten-, sondern auch als Standortfaktor zu sehen. Seiner Ansicht nach sollten Schulstandorte erhalten und gestärkt werden. Um alle Schulstandorte im Bereich Gardelegen erhalten zu können, müssten die Schuleinzugsbereiche geöffnet werden, schlug er vor. Er erinnerte daran, dass früher - bis zur Eingemeindung in die Stadt - auch Weteritzer Kinder in Solpke zur Schule gegangen seien. Zudem könnten seiner Ansicht nach auch Kinder aus dem Schuleinzugsbereich Mieste in Solpke unterrichtet werden. Dass jede Grundschule jährlich Kosten von 100 000 Euro verursache, wollte Löbe nicht glauben. Wie hoch die jährlichen Betriebskosten für die Solpker Grundschule sind, war gestern im Rathaus nicht zu erfahren.

Bevor sich der Sozialausschuss und die Gäste durch die Grundschule führen ließen, hatte Schulleiterin Britta Hebler das Wort. Sie verwies auf den Leitspruch der Schule, "Im Kleinen für das Große lernen". Die vier Stammlehrer und die vier Gastlehrer könnten sich individuell um die Schüler kümmern und würden sie sehr genau kennen, hätten zudem vielfältige Erfahrungen im gemeinsamen Lernen. Hebler verwies auf kurze Wege zwischen Schule, Sporthalle, Speisesaal, Schulgarten und außerschulischen Lernorten "vor der Tür". Der Vorsitzende des Sozialausschusses, Walter Thürer, sagte nach Heblers Rede, es sei verstanden worden, "dass hier modern und gut im Interesse der Kinder gearbeitet wird". Während der Führung durch die Schule sagte er, sein Eindruck sei positiv. "Gute Bedingungen herrschen vor allem, was die Klassenstärke betrifft", so Thürer weiter. Gustav Wienecke, der in Vertretung von Peter Kapahnke gekommen war und mit dem Bauausschuss tags zuvor die Otto-Reutter-Grundschule in Gardelegen besichtigt hatte, wertete: "Da braucht ihr euch nicht hinter zu verstecken."

Nach der Besichtigung kam der Ausschuss noch einmal zusammen. Thürer sagte, es sei eine gute Gelegenheit gewesen, um die Einrichtung kennen zu lernen: "Eine Meinung muss sich jeder selbst bilden." Einen Meinungsaustausch gab es im öffentlichen Teil der Ausschusssitzung nicht.

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