Gardelegen (iwi). Ein Monat Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf zwei Jahre Bewährung, sowie 160 gemeinnützige Arbeitsstunden - so lautet das Gerichtsurteil für einen 40-jährigen Gardeleger, weil dieser im Juli 2010 mit dem Fahrrad mit 1,91 Promille Alkohol im Blut die Bahnhofstraße entlangfuhr.

Die Verhandlung morgens um 9 Uhr ist für die Nasen aller Beteiligten eine Zumutung. Nach wenigen Minuten breitet sich Alkoholgeruch im ganzen Gerichtssaal aus. Richter Axel Bormann ist angewidert: "Sind Sie jetzt noch besoffen?", fragt er Gerd G.* Doch dieser bestreitet nuschelnd: "Ich bin nicht voll." Zwar habe er am Vorabend vier Bierchen in seinem Garten getrunken, "aber dann bin ich nach Hause und ins Bett. Musste ja heute pünktlich sein", so der 40-Jährige. Ähnlich hat sich so ein Abend auch im Juli 2010 zugetragen, wie der arbeitslose Mann zugibt. Gerd G.: "Ich war den ganzen Tag im Garten, habe aufgeräumt, und dann haben Sie mich erwischt."

Die Polizei stoppte den Mann abends nach 23 Uhr wegen Mängel an seinem Fahrrad und roch dann Alkohol im Atem. Ergebnis des Bluttestes im Krankenhaus: 1,91 Promille. Es war nicht das erste Mal: Schon zweimal in den vergangenen zwei Jahren wurde Gerd G. wegen Trunkenheit im Verkehr verurteilt, einmal waren es 1,97 Promille, einmal 2,37 Promille. "Und Sie wollen mir und der Staatsanwältin sagen, dass Sie kein Alkoholiker sind. Wer sich so die Hucke vollsaufen kann", sagt Bormann kopfschüttelnd. Was eine Flasche vom billigsten Pils kostet, weiß Gerd G. übrigens gleich ganz genau: "23 Cent." Bormann: "Wo soll das noch hinkommen mit Ihnen? Sie sind dicht wie eine Haubitze." Gerd G. weiß, was auf ihn zukommt: "Ich weiß, ich zahle." Die Geldstrafe vom letzten Urteil stottert er noch in 25-Euro-Raten jeden Monat ab. Bormann hat Mühe, die Ausdünstungen des Gardelegers zu ertragen: "Atmen Sie in die andere Richtung, atmen Sie am besten gar nicht! Es stinkt hier."

Staatsanwältin Iris Benzel fordert für die Trunkenheitsfahrt einen Monat Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf zwei Jahre Bewährung. Außerdem soll der Mann 100 gemeinnützige Arbeitsstunden leisten - Unterstützung soll er von einem Bewährungshelfer bekommen. Richter Bormann bestätigt die einmonatige Freiheitsstrafe zur Bewährung: "Leid tut mir das bei Ihnen nicht. Sie sind Alkoholiker und Einsicht haben Sie nicht. Außerdem beeindrucken Sie Geldstrafen in keinster Weise." Deswegen muss Gerd G. auch nicht nur 100, sondern 160 gemeinnützige Arbeitsstunden bis Mitte Mai ableisten. Sollte Gerd G. das nicht tun, muss er einen Monat ins Gefängnis. Bormann: "Da werden Sie ausgenüchtert und trocken gelegt." Als Gerd G. den Saal verlassen hat, lässt Bormann alle Fenster öffnen.

(* Name geändert)