Manches dauert etwas länger. Nun aber ist es vollbracht. Anfang November war es, genauer gesagt am 1., im vergangenen Jahr, als der Stadtrat mit den wegweisenden Beschlüssen 115/15/10, 116/15/10 und 117/15/10 festlegte, das Parkkonzept mal wieder zu ändern. Unter anderem sollte die Höchstparkdauer vor dem Rathaus von zwei auf eine Stunde reduziert werden, außerdem sollten entlang der Sandstraße etliche zeitlich befristete Parkplätze geschaffen, hinterm Haus II sollten dafür viele unbefristete Parkplätze ausgewiesen werden. Sie erinnern sich nicht mehr? Naja, ist lange her. Nun mögen manche unbedarfte Zeitgenossen denken, es sei eine Sache von Tagen, ein neues Schild an den Mast zu schrauben. Doch so einfach geht das nicht. Behördenmühlen mahlen langsam. Draußen fiel schon der erste Schnee, drinnen fiel Staub auf die Beschlüsse, die darüber ganz und gar in Vergessenheit gerieten. Draußen taute es dann mal, drinnen sammelte sich weiter Staub an. Und wieder schneite es, und wieder taute es. Und immer noch konnten die Autofahrer am Rathaus zwei Stunden parken, immer noch durften sie ihre Wagen für unbegrenzte Zeit an der Sandstraße abstellen. Die Beschlüsse aus dem November, die noch ein Stadtrat gefasst hatte, den es längst nicht mehr gibt, für eine Stadt, sie es so auch nicht mehr gibt, waren längst Geschichte. Jedenfalls bei den Autofahrern. Es war einmal vor langer Zeit ... Dann, vor ein paar Tagen, muss in der Verwaltung irgendjemand den großen Stapel auf dem Schreibtisch umgestoßen haben, als er sich einen frischen Kaffee holte. Da lagen sie dann auf dem Fußboden, unberührt, schon etwas vergilbt zwar, aber irgendwie jungfräulich: die Beschlüsse aus dem November. Das war Pech für die Autofahrer. Dieser Kaffee wäre besser nicht geholt worden. Denn nun wurde gehandelt. Den Staub vom Papier geblasen, die Schraubenschlüssel rausgeholt und ran an die Pfähle mit den Schildern. Quasi über Nacht standen neue Schilder da. Statt einer 2 nun eine 1 am Rathaus, und auch an der Sandstraße war Schluss mit dem unbegrenzten Parkvergnügen. Es kam, was kommen musste: Politessen, die die Chipkarten ihrer Kameras vollknipsten mit Autos, deren Fahrer nicht mehr damit gerechnet hatten, dass in einer Verwaltung irgendwann alles wieder auftaucht. Blöder Kaffee. Richtig aufgetaucht waren sie hingegen in diesem Wahlkampf wirklich nicht, unsere Politiker. Doch wenn sie wirklich mal die Nähe zum Wahlvolk gefunden hatten, gab es immerhin Geschenke. Uwe Harms verteilte Samen: "Sommerblumen - halbhohe Mischung", ein "Dekoratives Potpourri" namens Florina. Ich erinnere mich noch an die Blumensamen seines Vorgängers Horst Hacke. Gesät, gehegt, gegossen und gepflegt - und das Beet wieder umgegraben, weil nichts aufging. Das wird dieses mal natürlich anders sein. Die Konkurrenz um Jürgen Barth versuchte es mit den beliebten Kugelschreibern. Journalisten greifen da gerne zu. Doch schon am nächsten Tag bei der Morgenbesprechung versagte Kugelschreiber 1 den Dienst. Ist das vertrauensvolle Arbeit am Volk? Andere Wege geht da Gudrun Gerecke. Sie verschenkt nichts Materielles, sie verschenkt einfach die deutsche Sprache: Weg damit, braucht man nicht zu können. In ihren Anzeigen ist sie mit der deutschen Sprache auf den Hund gekommen - und verspricht gemeinsam mit dem: "Da werden Sie geholfen." Und dann gibt es die Aktionen in letzter Minute. Wollten Sie nicht immer schon mal Ihren Landtagsabgeordneten im Jogginganzug sehen? Kein schöner Anblick, meinen Sie? Mag sein. Ist sogar wahrscheinlich. Aber wer wie Uwe Harms für die Stimmen seiner Wähler schwitzen und nicht schwatzen will, schreckt auch vor so was nicht zurück. Am Sonntagmorgen tritt Harms an zur Wallrunde. Quasi ein Minimarathon direkt ins Wahllokal. Der Mann jedenfalls sucht noch Mitläufer. Und das meint er dieses Mal ganz wörtlich. Fraglich ist allerdings, ob seine Mitläufer nach einer Wallrunde noch den Stift so ruhig führen könne, um das Kreuzchen an der richtigen Stelle zu machen.Jörg Marten