In Schenkenhorst formiert sich nach dem Widerstand gegen die Windkraftanlage nun auch Protest gegen die geplante Hähnchenmastanlage und gegen den Bau einer weiteren Biogasanlage in der dortigen Gemarkung. Auch wenn der Investor derzeit sein Vorhaben nicht forciert, will die Bürgerinitiative (BI) Schenkenhorst den Unmut vieler Bürger deutlich machen. "Wir trauen dem Frieden nicht", sagte gestern der stellvertretende Ortsbürgermeister und BI-Mitglied Uwe Roitsch.

Schenkenhorst. Zwei Seiten lang ist das Schreiben der Bürgerinitiative Schenkenhorst, in der für Donnerstag, 31. März, 19 Uhr, zu einer Informationsveranstaltung ins Dorfgemeinschaftshaus eingeladen wird. Auf zwei Seiten erfahren die Schenkenhorster, was die Anlage für sie nach Ansicht der BI bedeuten würde: Dreck, Gestank, Keime, Pilze, eingeschränkte Wohnqualität, Entwertung des Wohneigentums, Belastung des Grundwassers, viel Lkw-Verkehr, Monokultur durch massenhaften Maisanbau.

Die Investition in Schenkenhorst wird geplant von der eeMaxx Energy mit Sitz im Oldenburger Raum. Die Firma gehört zur Unternehmensgruppe Ostendorf, deren acht Firmen sich allesamt mit der Landwirtschaft beschäftigen. Ein Zweig davon seien Biogasanlagen, erläuterte Stefan Frerichs, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Ostendorf, im Oktober 2010 im städtischen Bauausschuss. Mit der örtlichen GbR Volber/Reboné gebe es seit 20 Jahren Kontakte. Aufgrund der wirtschaftlichen Situation in der Landwirtschaft habe sich die GbR entschieden, alternative Einnahmequellen zu sichern. Genehmigt und bereits erstellt ist eine Biogasanlage mit 500 Kilowatt (kW). Genehmigt ist ebenfalls schon eine Hähnchenmastanlage mit 39 000 Tieren in zwei Ställen, deren Bau noch nicht begonnen wurde.

Doch die Anlagesoll noch viel größer werden. Hinzukommen sollen eine zweite 500-kW-Biogasanlage und sechs weitere Ställe, sodass die Gesamtkapazität der Anlage dann bei 320 000 Tieren liegen würde. Der Input für die Biogasanlage - Mais - soll im wesentlichen aus der direkten Nachbarschaft geliefert werden. Dazu seien runde 400 Hektar Anbaufläche nötig, hatte Frerichs erklärt. Auf dieser Flächen soll auch der Gärrest wieder verteilt werden. Die Anlage soll westlich der Ortschaft Schenkenhorst in einer Entfernung von 1300 Metern zur Wohnbebauung entstehen. Die BI spricht von lediglich 900 Metern.

Die GbR soll die Biogasanlagen betreiben und an der Biogas Schenkenhorst GmbH & Co KG mit 15 Prozent beteiligt werden. Zudem betreibt die GbR die Hähnchenställe und nutzt die Abwärme der Biogasanlage zur Beheizung der Ställe. Die GbR soll 4000 Tonnen Rindergülle und etwa 5000 Tonnen Substrate liefern und dafür etwa 8000 Tonnen hochwertigen Gärrest zurückerhalten. Ein Umweltgutachten zur Anlage soll im Laufe des Genehmigungsverfahrens erstellt werden, hieß es im Oktober 2010 im städtischen Hauptausschuss.

In ihrer Einladung schreibt die BI, zu der auch Ortschaftsräte gehören, der Gemeinderat habe 2008 den Bau der ersten Biogasanlage und den Bau zweier Mastställe "auf Bitten der ansässigen Landwirte Volber/Reboné genehmigt", weil die Existenz der Bauern wegen der niedrigen Milchpreise bedroht gewesen sei. Weiter heißt es: "Leider wurde dem Gemeinderat bewusst und hinterhältig verheimlicht, dass man acht Hähnchenmastställe für insgesamt 320 000 Tiere und den Bau einer zweiten Biogasanlage (500 kW) plant."

Das Vorhaben bringe "gravierende Nachteile" nicht nur für Schenkenhorst, sondern auch für die umliegenden Ortschaften mit sich, "für Mensch, Tier und Umwelt", heißt es im BI-Schreiben. Der Boden werde überdüngt, von der Massentierhaltung in den engen Ställen würden Keime, Viren, Pilze und Feinstäube ausgehen, die Atemwegserkrankungen versursachen könnten. Stark eingeschränkt werde die Wohnqualität durch "extreme Geruchsbelästigung aus den Ställen und von den Feldern". Die Abluft, die Ammoniak enthalte, werde ohne Filterung an die Außenwelt abgegeben "und uns dauerhaft belasten".

Die Anlage entwerte das Wohneigentum: "Niemand kauft Ihnen ein Haus oder Baugrundstück ab, welches sich in der Nähe einer Mastanlage befindet." Seltene und schützenswerte Tierarten würden gefährdet, der Maisanbau, der viele Pestizide benötige, werde die Böden in Mitleidenschaft ziehen. Die Überdüngung gefährde das Grundwasser. Die Anlage werde ein "enormes zusätzliches Verkehrsaufkommen an Lastkraftwagen und sehr großen landwirtschaftlichen Fahrzeugen durch unsere Ortschaften" bedeuten.

Der Gemeinderat Engersen hatte sich Ende 2010 gegen den Bau der Mastanlage ausgesprochen. Der Ortschaftsrat Schenkenhorst tat dies im November. Persönlich betroffen ist Ortsbürgermeister und Ratsherr Wolfgang Reboné, dessen Bruder einer der Betreiber ist. So wurde sein Vertreter Roitsch damit betraut, den Willen des Ortschaftsrates zu verdeutlichen. "Wir wollen Flagge zeigen", erklärte Roitsch gestern. Denn trotz der aktuellen Zurückhaltung des Investors sei "die Sache nicht vom Tisch".

Die Planungshoheit für das Gelände, auf dem die Mastanlage entstehen soll, hat die Stadt. Noch gibt es für dieses Gebiet keinen Flächennutzungsplan. Die eeMaxx Energy wollte aber bereits in diesem Jahr bauen.