Gardelegen/Zichtau (jm). Der Hauptausschuss hat gestern empfohlen, das Waldbad Zichtau auch in diesem Jahr in städtischer Trägerschaft zu öffnen. Die Empfehlung fiel einstimmig. Wenn auch der Rat, der am kommenden Montag tagt, zustimmt, will die Stadt wie im Vorjahr auch in diesem Jahr mithilfe des Fördervereines den Badebetrieb absichern. Die Stadt bezuschusste den Betrieb 2010 mit rund 18 100 Euro. Im Haushalt 2010 waren für das Bad 20 000 Euro eingeplant worden. In dieser Größenordnung wird sich auch die Summe bewegen, die in den städtischen Etat für 2011 aufgenommen wird, der derzeit in Vorbereitung ist. Weil bis zur Verabschiedung des Haushaltes aber nicht mehr gewartet werden sollte, um zügig mit der Saisonvorbereitung zu beginnen, strebten Förderverein und Verwaltung einen Einzelbeschluss über den Betrieb des Bades an.

Bürgermeister Konrad Fuchs bezeichnete den Betrieb im vergangenen Jahr als "ersten erfolgreichen Schritt". Der habe aber "noch nicht dahin geführt, wo wir hin möchten". Fuchs spielte damit auf die angestrebte Privatisierung des Bades an, die bisher nicht gelungen ist.

Für Erstaunen sorgte der Miester Stadtrat Normen Gadiel (Gemischte Fraktion). Er beantragte, die Öffnung des Potzehner Bades ebenfalls in den Beschluss aufzunehmen. Der Ortschaftsrat Calvörde habe beschlossen, das Potzehner Bad mit 5000 Euro zu unterstützen, falls es geöffnet werde. Gadiel: "In Potzehne muss man mit einem Defizit von 13 000 Euro rechnen - ein sehr geringes Defizit im Vergleich zu anderen Bädern."

Bürgermeister Konrad Fuchs lehnte einen eigenen Beschluss unter Hinweis auf die Geschäftsordnung ab, die dieses nicht zulasse. Nun soll das Thema im kommenden Sozialausschuss besprochen werden, der am 19. April tagt.

Gadiel sagte, die Ortschaft habe es "einfach verdient", dass das Potzehner Bad geöffnet werde. Mandy Zepig (SPD) forderte eine Debatte über alle Freibäder in der Stadt: "Mieste müsste auch angesprochen werden. Dazu brauchen wir aber irgendwann mal Zahlen. Welche Kosten fallen in Potzehne und Mieste an, wie sind die Besucherzahlen, wie die Eintrittspreise?" Und sie fragte angesichts des baulichen Zustandes des Miester Bades, ob ein Bad nicht auch mal auf seine Sicherheit überprüft werden müsse.

Potzehnes Ortsbürgermeister Peter Kapahnke sagte, er habe auf eine allgemeine Diskussionsrunde zu den Freibädern gehofft - bis er die Einladung zum Hauptausschuss mit der Beschlussempfehlung zum Waldbad Zichtau erhalten habe. Kapahnke machte vergeblich Druck, möglichst bald über den Betrieb des Potzehner Freibades abzustimmen: "Das geht nur noch in der nächsten Ratssitzung am Montag, sonst ist das zu spät." Er selbst bezifferte den Zuschussbedarf für das Potzehner Bad auf 15 000 bis 18 000 Euro. Hinsichtlich der auch in Potzehne geplanten Privatisierung des Bades sagte er, ein Bad sei sicher besser zu vermarkten, wenn es funktioniere, als wenn es eine "Investruine" sei.