Sein Gottvertrauen, sein Humor, seine Tränen, wenn er auf der Mahn- und Gedenkstätte Isenschnibbe mal wieder eine Andacht leitete - Johannes Eisele war ein Mann, der dies alles vereinte. Ein Kirchenmann, der auch Nichtchristen beeindruckte.

Eisele war Altmärker, geboren in Stendal, aber aufgewachsen im Schwäbischen. Mediziner wollte er werden - und entschied sich dann doch für eine Theologieausbildung, um den Menschen geistig Beistand leisten zu können. Studium in Paderborn und München, Priesterseminar in Huysburg im Harz. Vikar wurde er in Hettstedt. Er wollte zurück in den Osten. "Das schien mir spannender zu sein", sagte er einst. Seine Priesterweihe erhielt der junge Mann am 29. Juni 1954 mit 22 Jahren. Da war er so jung, dass Papst Pius XII. persönlich sein Einverständnis geben musste. Der Papst hat es sicher nie bereut.

Über Wibra und Halle kam Eisele 1973 nach Gardelegen, erlebte auch dort, wie der Staat die Kirche drangsalierte. Eisele beackerte als Hirte ein großes Feld: Nach der Wende betreute er rund 60 Gemeinden mit rund 1000 Gemeindegliedern. Die Altmark ist Diaspora.

Ulrike Hackbeil, nach der Wende Pastorin in Gardelegen, erinnerte sich vor Jahren mit wohligem Grausen an gemeinsame Fahrten mit Eisele, zu dessen wichtigstem Arbeitsmittel das Auto wurde: Der katholische Amtsbruder sauste mit seinem Wagen schon mal über Bahnschranken, wenn der Zug schon nahte. Doch sein Herr oben im Himmel passte gut auf.

Johannes Eisele liebte das Zusammensein mit den Menschen, mit Christen ebenso wie mit Nichtchristen, er freute sich auf die Veranstaltungen in seinen Gemeinden, auf Gespräche. Ein Mann, der Asylbewerbern ebenso half wie Mördern, die er in Uchtspringe taufte, ein Mann mit großem Einfühlungsvermögen, ein Mann, der die Menschen liebte.

Johannes Eisele übernahm nach der Wende den Vorsitz im Suchthilfeverein Adrome und im Förderverein der Mahn- und Gedenkstätte. Auch für dieses außerkirchliche Engagement erhielt er die höchste Auszeichnung des Landes Sachsen-Anhalt, die Ehrennadel. Seine Ansprachen und Predigten auf der Gedenkstätte berührten oft auch ihn selbst so, dass er in Erinnerung der schrecklichen Ereignisse Tränen in den Augen hatte.

Doch Eisele war auch ein humoriger Mensch. Ob er als "Don Camillo" mit "Peppone" Konrad Fuchs sprach, den er auch gern "Bruder Bürgermeister" nannte, ob er selbst mal "als Vertreter des Papstes, der heute nicht kommen konnte" zu Veranstaltungen erschien - Eiseles verschmitztes Lächeln verrieten den Schalk in seinem Nacken.

Nach 33 Jahren Priestertätigkeit in Gardelegen ging Johannes Eisele im Oktober 2006 in den Ruhestand. Da war er 75 Jahre alt und 52 Jahre als Priester tätig. Sein Nachfolger wurde Andreas Lorenz.

In den vergangenen Jahren zog er sich mehr und mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Sein gesundheitlicher Zustand verschlechterte sich. Im Juni wäre er 80 Jahre alt geworden. Der Herr wollte es anders. Am Dienstag starb Johannes Eisele nach längerer Krankheit in Gardelegen. (jm)