Die Einheitsgemeinde Kalbe will in Zukunft verstärkt auf erneuerbare Energien setzen, wobei nicht nur kommunale Einrichtungen, sondern auch die Bürger davon profitieren sollen. Der Stadtrat beschloss am Donnerstagabend, ein Klimaschutzkonzept in Auftrag zu geben, für das es eine 85-prozentige Förderung gibt. Dabei sah es erst so aus, als könnte das Vorhaben kippen.

Kalbe. "Zu abstrakt" seien die Erläuterungen gewesen, räumte Bürgermeister Karsten Ruth in der Nachbetrachtung selbstkritisch ein. Denn Donnerstagabend hatte es kurzzeitig so ausgesehen, als könnte der Stadtrat Ruths Vorhaben, Kalbe mithilfe eines geförderten Konzeptes zur klimafreundlichen Kommune zu entwickeln, ablehnen. Letztlich stimmte aber doch eine Mehrheit dafür. Der Bürgermeister sieht gerade in diesem Vorhaben, das die 100-prozentige Nutzung regenerativer Energien beinhaltet, "die letzte Chance für Kalbe, Effekte zu setzen."

Um die vom Bundesumweltministerium zu vergebenen Fördermittel beantragen zu können, hätte sich der Stadtrat kaum einen Tag länger Zeit lassen dürfen. Denn am 31. März "schließt sich das Zeitfenster", so Stefan Quisdorf. Als interessierter Bürger der Stadt hat er sich sehr intensiv mit der Materie auseinandergesetzt und der Kommune sein Wissen bereitgestellt.

"Zukunftsweisende Entscheidung"

"Ich möchte einfach, dass es mit Kalbe weitergeht", begründet Quisdorf sein Engagement. Er und seine Frau betreiben in der Altstadt ein Hotel. Zudem ist Quisdorf in der Internetbranche tätig. Ehrenamtlich engagiert er sich unter anderem in der Bürgerinitiative gegen die CO2-Verpressung in der Altmark. Nicht nur deshalb interessiere ihn das Thema Regenerative Energien ganz besonders. Dass der Stadtrat nun mehrheitlich für das Erstellen des Klimaschutzkonzeptes gestimmt habe, "ist eine absolut zukunftsweisende Entscheidung", findet Quisdorf. "Wir haben hier so viel Potenzial für erneuerbare Energien. Mit dem Modellprojekt werden wir bundesweites Interesse wecken", so der Wahl-Kalbenser, der dabei das richtungsweisende Beispiel des Landkreises Lüchow-Dannenberg nannte.

Während der Diskussion im Stadtrat zeigte sich allerdings auch, dass es andere Meinungen gibt. Zum Beispiel von Werner Mertens. Der warnte davor, sich von "Traumvorstellungen" leiten zu lassen. Auch mit einem Klimaschutzkonzept werde es keine Investorenansiedlung in Kalbe geben.

Ratsmitglied Steffen Lötge, seines Zeichens bei einem Energieversorger tätig, meinte hingegen: "Dass die Einheitsgemeinde inselbetriebsfähig ist, ist völlig illusorisch." Er sei überzeugt, dass sich die Kommune nicht unabhängig von Fremdanbietern versorgen ließe, so Lötge, der sich am Donnerstag ohnehin "überrollt" fühlte. Vom Bürgermeister wollte er letztlich wissen: "Wieso gerade Kalbe?" Ruth entgegnete: "Wieso nicht?"

Erst einmal müsse ja nun das zu beauftragende Ingenieurbüro "herausfinden, was machbar ist und was nicht", so Dr. Helmut Bender. Er leitete am Donnerstagabend in Vertretung des Stadtratsvorsitzenden Gerhard Gansewig die Sitzung der Ratsmitglieder.

"Müssen Investoren etwas anbieten"

Und Ulf Kamith, in dessen Heimatdorf Kakerbeck eine noch zu bauende Biogasanlage bald auch kommunale Einrichtungen mit Energie versorgen soll, fügte an: "Wir müssen möglichen Investoren doch etwas anbieten können." Zudem könnten bereits vorhandene Potenziale wie Windräder, Biogas- und Solaranlagen mit ins Projekt integriert werden.

In anderen Modellorten, so Stefan Quisdorf, würden mehr als 40 Prozent der Projektbeteiligungen durch Privatinitiativen abgedeckt. Bis Kalbe soweit sei, könne es zwar noch dauern. Doch durch fachliche Begleitung des Kompetenznetzwerkes Dezentrale Energietechnologien (deENet) halte er die Entwicklung zur klimafreundlichen Kommune inklusive Vorreiterrolle im Altmarkkreis für sehr real, so Quisdorf.

Mit dem Ratsbeschluss wird nun der 7000-Euro-Eigenanteil für das Klimaschutzkonzept freigegeben.