In der Debatte um die Öffnung der Freibäder in der Stadt gibt es eine überraschende Wende: Nun soll in diesem Jahr auch das Potzehner Freibad geöffnet werden. In der Hansestadt wird es damit - falls der Stadtrat zustimmt - in diesem Jahr drei Bäder geben, in denen unter freiem Himmel gebadet werden kann.

Potzehne/Gardelegen. 2009 war das Potzehner Freibad das letzte Mal geöffnet worden. Der Gemeinderat hatte damals bereits erkannt, dass er das Bad aus finanziellen Gründen künftig nicht mehr werde öffnen können. Verkaufsversuche blieben erfolglos. 2010 - damals gehörte Potzehne bereits zur Stadt Gardelegen - blieb das Bad geschlossen. Nun soll es wieder zum Leben erweckt werden. Die Verwaltung legt dem Stadtrat eine Beschlussvorlage zur Öffnung des Freibades in Trägerschaft der Stadt vor. Geplanter Zuschussbedarf pro Jahr: 25000 Euro und damit etwas mehr, als das Zichtauer Bad erhalten soll (rund 20000 Euro).

"Anders als in Mieste stehen einer Öffnung keine baulichen oder technischen (hygienischen) Gegegenheiten entgegen", heißt es in der Begründung der Beschlussvorlage. Die Gemeinde Mieste hatte ihr Bad trotz wiederholter Warnungen des Gesundheitsamtes jahrelang geöffnet (wir berichteten). Die Stadt lehnt nun eine Öffnung aber ab - der Investitionsbedarf im Miester Bad, wo nicht einmal Pumpen vorhanden sind und Wasser in Größenordnungen aus dem Becken wegsickert, ist zu hoch.

Anders offenbar in Potzehne. Das Bad dort ist weitgehend in Ordnung. Zudem habe dort der Förderverein bei der Vorbereitung und der Organisation der Badesaison, insbesondere bei allen Pflegearbeiten, "erhebliche Unterstützung zugesagt", heißt es in der Verwaltungsvorlage. Bei einer "realen Betrachtung und entsprechendem Engagement des Fördervereines erscheint ein benötigter Zuschuss von rund 25000 Euro realistisch zu sein", schreibt die Verwaltung. Bemühungen zur Privatisierung des Bades sollten fortgeführt werden, "auch wenn nach der Übertragung ein städtischer Zuschuss notwendig bleibt".

Das Potzehner Bad war 1975 erbaut worden. Die Gesamtfläche des Geländes beträgt 8000Quadratmeter. Das Schwimmbecken hat eine Größe von 50 mal 20 Meter, für die jüngsten Badbesucher gibt es ein Planschbecken. 1997 wurde das Bad umfassend saniert. Auf dem Gelände befinden sich ein Volleyballplatz, eine Kegelanlage, eine Buddelecke für Kinder und diverses Spielgerät. Ein Kiosk sichert die Versorgung der Gäste.

Ortsbürgermeister Peter Kapahnke, zugleich Vorsitzender des Fördervereines des Freibades, hatte an die Stadt den Antrag gestellt, das Bad 2011 wieder zu öffnen und dabei auch auf 5000 Euro verwiesen, die der Calvörder Rat als Zuschuss für das Bad in seinen Haushalt eingestellt hatte.

Bei früheren Diskussionen im Rat um die Zukunft des Bades war stets bemängelt worden, dass konkrete Zahlen fehlten. Nun legt die Verwaltung etliche Zahlen vor, etwa die der Zahl der Besucher: 2007 haben danach 4957 Badefreunde das Bad besucht, 2008 waren es 5961. 2009, im bisher letzten Jahr der Öffnung, kamen 6877 Besucher (davon nach Angabe des Ortschaftsrates 1500 bei Sonderveranstaltungen). Zum Vergleich: Ins Gardeleger Freibad kamen 2009 etwas mehr als 24000 Besucher, ins Zichtauer Bad 8831 Gäste.

Die Eintrittspreise im Potzehner Bad im Jahr 2009 betrugen drei Euro für eine Erwachsenen-Tageskarte, zwei Euro für Kinder. Eine Abendkarte (ab 19 Uhr) kostete zwei Euro, für die Jahreskarte für Erwachsenen mussten 100 Euro bezahlt werden, Kinder zahlten 60Euro. Wer im Potzehner Bad einen Strandkorb nutzen wollte, zahlte zwei Euro.

Zum Vergleich: In Gardelegen zahlen Erwachsene 2,50 Euro, in Zichtau zwei Euro, in Kalbe 3 Euro und in Klötze 2,50 Euro. Eine Saisonkarte für Erwachsene kostet in Gardelegen 65 Euro, in Zichtau 40Euro.

Der Beschlussvorlage beigefügt ist ein Protokoll über die Kontrolle des Potzehner Bades aus dem Juni 2009. Damals registrierten der Schwimmmeister und VG-Amtsleiterin Birgit Matthies relativ wenige Beanstandungen. Die hohen Pappeln müssten wegen des hohen Totholzanteiles ausgeschnitten werden, teilweise sei die Umpflasterung uneben. Sie war aber bereits zum Teil erneuert worden, rund ums große Becken herum war sie eben. Bis auf die Standsicherheit des mobilen Fußballtores gab es keine ernsthaften Beanstandungen.

Als ersters Ratsgremium wird sich der Sozialausschuss mit der Beschlussvorlage beschäftigen. Er tagt am Dienstag, 19. April, ab 19 Uhr im Potzehner Freibad. Die Mitglieder wollen sich dort das Bad ansehen und anschließend über die mögliche Öffnung beraten. Tags drauf wird das Freibad auch auf der Tagesordnung des Finanzausschusses stehen, der ab 19 Uhr im Rathaussaal Gardelegen tagt. Der Stadtrat wird am 2.Mai entscheiden, ob das Potzehner Bad in diesem Jahr geöffnet werden kann - und damit dem Haushalt vorgreifen, der vermutlich erst einen Monat später verabschiedet werden wird.