121 Jungen und Mädchen aus dem Altkreis Gardelegen haben am Sonnabend bei drei Feierstunden im Schützenhaus ihre Jugendweihe erhalten. Festrednerin war jeweils die Vizepräsidentin des Landtags, Dr. Helga Paschke (Linke) aus Klietz.

Gardelegen. Etwas aufgeregt waren sie schon, die Jungen und Mädchen, die in den ersten beiden Reihen des Schützenhauses Platz genommen hatten. Hinter ihnen und oben auf dem Rang saßen die Eltern und andere Verwandte, um mit ihnen die Jugendweihe zu feiern. Organisiert worden war die Feier auch in diesem Jahr wieder vom Landesverband Sachsen-Anhalt der Interessenvereinigung Jugendweihe, Hauptgeschäftsstelle Stendal. Manche Eltern, die bereits vor einigen Jahren mit einem ihrer Kinder Jugendweihe gefeiert hatten, erlebten bisweilen ein Déjà-vu: schon mal gesehen, schon mal gehört. Denn die Sprüche des Geschäftsführer der Stendaler Geschäftsstelle, Horst Dopslaff, und die Rezitationen von Mandy Schild waren altbekannt, ebenso die von ihm vorgefertigten Dankesworte, mit denen sich jeweils zwei Jugendweihlinge bei ihren Eltern bedankten. Und auch die Bitte um Spenden für die Jugendarbeit des Verbandes hatte es im vergangenen Jahr schon gegeben.

Für beste musikalische Unterhaltung während der drei jeweils gut einstündigen Durchgänge sorgte die Stendaler Band Lysander mit ihrer Sängerin Miriam Miesterfeldt. Sie sang nicht nur "Geboren, um zu leben" von Unheilig, sondern auch eigene Titel wie "Online Ticket" und "Flügelträger". Auch die Auftritte der Tänzerinnen und Tänzer des Tanzsportzentrums Stendal begeisterten wie im Vorjahr die Zuschauer.

Festrednerin aller drei Feierstunden war die Vizepräsidentin des Landtages, Dr. Helga Paschke. Es werde mit der Jugendweihe nicht gleich alles auf einmal ganz anders, sagte sie: "Die Veränderungen kommen allmählich. Zunehmend häufiger werdet ihr Entscheidungen treffen und Verantwortung tragen müssen." Und falls es Probleme gebe, die man nicht alleine bewältigen könne, sollten die Jugendweihlinge nie vergessen: "Es gibt für jedes Problem eine Lösung." Paschke mahnte eindringlich, nicht auf "falsche Freunde" oder auf Drogen zu setzen. Die Jugendweihlinge sollten wissen, dass die Familie immer für sie da sei. Paschke: "Es ist wunderbar, eine Familie zu haben. Glaubt mir das, auch wenn sie euch gerade in diesem Lebensabschnitt öfter voll auf die Nerven geht. Aber auch bei euren Eltern sind derzeit Nerven wie Drahtseile oftmals eine blanke Überlebensstrategie."

Paschke forderte die Jungen und Mädchen auf, in der Schule "noch mal richtig durchzustarten": "Reißt den Fuß von der Null-Bock-Bremse!" Ein guter Schulabschluss lohne sich ein Leben lang und biete die beste Chance für einen Einstieg ins Berufsleben.

Die stellvertretende Landtagspräsidentin rief die Jugendweihlinge auf, für eine ökologische, friedliche, soziale und solidarische Welt ohne Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu kämpfen. Paschke: "Gewalt ist keine Lösung." Das bedeute auch: "Gewalt heraus aus den Klassenzimmern. Macht über Schwache ist keine Stärke, für mich ist das Feigheit. Und wer will schon feige sein?"

Die Eltern bat Paschke, ihren Kindern "das Rückgrat zu stärken, aber ohne Korsett, Halt zu geben ohne festzuhalten, weise Draufsicht ohne entmündigende Aufsicht, Wunden zu heilen, aber nicht jeden Stolperstein zu beseitigen, und Abstand zu halten, um Nähe zu bewahren".siehe Bilderseite