Fast 90 Prozent der Teilnehmer einer aktuellen Volksstimme-Umfage im Verbreitungsgebiet der Gardeleger Ausgabe haben sich für den Erhalt der derzeit bestehenden Kindereinrichtungen im Gebiet der Hansestadt Gardelegen ausgesprochen. Trotz Sparzwangs der Kommune sollte bei der Kinderbetreuung nicht gespart werden.

Stendal. Die Stadt muss sparen. Aber wo? Mit dieser Frage beschäften sich die Verwaltungsmitarbeiter seit Wochen ebenso wie die Stadträte. Verschiedene Ideen wurden in den Ausschüssen schon angesprochen. Auch die Frage, ob in stark sanierungsbedürftige Kindereinrichtungen noch investiert werden sollte oder ob - auch mit Blick auf die Rückgänge bei den Geburtenzahlen - einige Einrichtungen nicht doch besser geschlossen werden sollten. Diese Ideen stoßen bei den Einwohnern allerdings auf wenig Zustimmung. Das ergab eine aktuelle Umfrage der Gardeleger Volksstimme. Die Teilnehmer konnte zum Beispiel per Zeitungscoupon oder per Internet an der Befragung teilnehmen.

Auf die Frage, ob angesichts eines Defizites in Millionenhöhe für die Kinderbetreuung einige Einrichtungen geschlossen werden sollten, haben 89 Prozent mit Nein geantwortet. Das Argument in der vorgegebenen Antwort: "Wir dürfen nicht bei den Kindern sparen, die Wege werden sonst viel zu lang." Insgesamt hatten sich 930 Personen an der Umfrage beteiligt. Nur drei Prozent von ihnen, also 31, machten ihr Kreuz bei der Antwort: "Ja, alle müssen sparen. Außerdem gibt es Tagesmütter." Acht Prozent hatten keine Meinung zu dem Thema.

In der zweiten Frage ging es um die Zukunft der Dorfgemeinschaftshäuser. Diese hatten die öffentliche Diskussion in den vergangenen Wochen beherrscht, nachdem Bürgermeister Konrad Fuchs die Arbeiten am Dannefelder Dorfgemeinschaftshaus gestoppt hatte. Kann die Stadt sich die vielen Dorfgemeinschaftshäuser in den Ortsteilen leisten oder sollte sie einige schließen und die Gebäude verkaufen, um zu Kosten zu sparen? Bei dieser Frage fiel das Ergebnis nicht so deutlich aus wie bei den Kindereinrichtungen. Nein zu möglichen Schließungsabsichten sagten 60 Prozent, denn "die Gemeinschaftshäuser gehören zur Identität der Orte und wurden von ihren Gemeinden finanziert". Für eine Schließung sprachen sich 18 Prozent aus. Sie schlossen sich der Argumentation an: "Die Bürger können auch das Dorfgemeinschaftshaus im Nachbarort oder die nächste Gaststätte nutzen." Beachtliche 21 Prozent wollten sich bei diesem Thema nicht festlegen.

Bei der dritten Frage ging es um die Bürgerarbeit, konkret in der Einheitsgemeinde Kalbe. Bis zu 100 Langzeitarbeitslose sollen dort für den ersten Arbeitsmarkt fit gemacht werden. Bei der Bürgerarbeit sind sie 30 Stunden pro Woche gemeinnützig eingesetzt und erhalten dafür monatlich 900 Euro. Bei der Umfrage haben sich 60 Prozent dafür ausgesprochen, dass das Projekt Bürgerarbeit ausgeweitet wird, denn "auch diese Menschen brauchen eine Chance". 21 Prozent der Teilnehmer haben sich dagegen ausgesprochen. Sie machten ihr Kreuz bei der Antwort: "Nein, das Geld sollte in Ein-Euro-Job-Maßnahmen gesteckt werden, weil man damit mehr Menschen erreichen kann." Keine Meinung hatten 19 Prozent.