Schüler der dritten Klasse der Goethe-Grundschule sammeln derzeit für eine Ziege. Sie soll einer Familie in Mosambik geschenkt werden und damit zur besseren Zukunft der Familie in dem schwarzafrikanischen Land beitragen. Die Kinder sind begeistert dabei, sammeln Geld, spenden eigenes Taschengeld - und haben schon eine weitere Hoffnung: Vielleicht gelingt es gar, Geld für eine Kuh zusammenzubekommen.

Gardelegen. Zu dritt gingen die Mädchen los. Emelie Schmicker, Maya Stenzel und Marie Nicolai gingen auf Spendentour, klopften und klingelten an den Türen der Häuser an der Nachtweide und fragten: "Können Sie vielleicht spenden für arme Kinder?" Denen nämlich, erklärten die drei Drittklässlerinnen, wollten sie und ihre Klassenkameraden eine Ziege schenken.

Emelie Schmicker erzählt die Geschichte, wie es dann meist weiterging: "Einige haben gespendet, aber viele haben uns das nicht geglaubt, sondern gedacht, wir wollten uns davon ein Eis kaufen." Denen haben die drei Mädchen die Geschichte dann noch mal genau erklärt - und manche haben dann doch etwas gegeben. Mehr als 20 Euro kamen so zusammen

Die Geschichte der drei Mädchen klingt in der Tat etwas unglaubwürdig - doch sie ist wahr. Die Jungen und Mädchen der dritten Klasse der Goethe-Grundschule sammeln derzeit für eine Ziege. Die wollen sie einer Familie in Mosambik schenken, damit die Ziege zu deren Lebensunterhalt beitragen kann. Davon profitieren auch die Kinder, heißt es in dem Faltblatt, das vor Klassenlehrerin Diana Thieke auf dem Pult liegt.

"Geschenke für ein besseres Leben - sinnvoll schenken" ist eine Initiative von Plan International Deutschland (Hamburg). Für wenig Geld können die Spender dabei viel und vor allem direkt helfen. Für 15 Euro ermöglichen sie eine Zahnbehandlung für zehn Schulkinder in Ghana, für 20 Euro ein Schulset für eine Schülerin in Tansania, für 50 Euro könnten sie sechs Hühner und einen Hahn für eine Familie in El Salvador kaufen. Es geht meist um Hilfe zur Selbsthilfe.

Auch die Ziege, die für eine Spende von 59 Euro der Familie in Mosambik gekauft werden soll, soll eine Investition in die Zukunft sein. Tierärztliche Überwachung ist darin ebenso enthalten wie die Zusage, dass die erste Nachzucht an eine weitere bedürftige Familie abgegeben wird, "damit möglichst viele Kinder von dem Projekt profitieren".

Erfahren haben die Kinder von der ganz praktischen Hilfsmöglichkeit im Ethikunterricht bei Diana Thieke. Anett Stephan und Silke Kyas waren im Unterricht, und Stephan berichtete über ihr Patenkind in Indien. Die Kinder erfuhren, wie sehr unterschiedlich das Leben in Deutschland und in Indien ist - und dass man auch als Klasse helfen kann, damit es anderen Kindern besser geht.

Daraus entstand die Idee zu sammeln. Eine Ziege sollte es sein. Die Kinder waren begeistert dabei, das Geld für das Tier zusammenzubekommen. Kevin Jahn etwa fragte seine Oma, ob die spenden möchte. "Oma hat mir einen Euro gegeben und später noch mal zwei", erzählt der Schüler. Amar Shakir fragte seine Eltern. "Das ist für einen guten Zweck, haben die gesagt und mir Geld gegeben." "Ich habe Oma das Plakat gezeigt, und dann hat sie zwei Euro gegeben", berichtete Alina Grau. Ihre Oma habe gleich hochgerechnet: "Wenn jeder zwei Euro gibt, habt ihr die Ziege ja bald zusammen."

Ole Ulrich steckte zwei Euro, die er am Sonntag als Taschengeld bekommen hatte, in das Sparschwein, das Diana Thieke bewacht. Auch Lara-Marie Mennecke kümmerte sich ums Futter fürs Schwein zum Wohle der Ziege: "Ich habe Mutti den Zettel gezeigt." Klar, dass Mutti da gern gab. Calvin Kirchhoff spendete 50 Cent. "Die habe ich aus der Sparbüchse genommen." Hätte er sich nicht lieber Schokolade gekauft? Calvin: "Schokolade habe ich doch genug." Chantal-Angelique Wiechmann fragte ihre Oma, die zu Besuch kam, ob die etwas für die Ziege spenden wollte. Oma gab einen Euro, und Chantal gab aus ihrer Sparbüchse noch 50 Cent hinzu. Katharina Kyas findet es gut, dass auch anderen Kindern geholfen wird.

Jeder Cent zählt - das Geld für die Ziege ist nun schon beisammen. Und weil das so toll geklappt hat, überlegen sich Diana Thieke und ihre Schüler, die Aktion fortzuführen, um nicht nur eine Ziege, sondern eine Kuh bezahlen zu können. 285 Euro müssten dafür zusammenkommen. "Eventuell machen wir zum Sachsen-Anhalt-Tag auf dem Schulhof einen Kuchenbasar, um weiteres Geld einzusammeln", erzählte Thieke.

Die Kinder der dritten Klasse helfen gern. Seit Jahren packen sie wie andere Schüler der Klasse auch Pakete für benachteiligte Kinder in anderen Ländern und beteiligen sich damit an der Aktion Weihnachten im Schuhkarton. Gespendet haben sie auch schon für die Rumänienhilfe der Letzlingerin Edith Bartel.

Nun soll es die Kuh sein.

 

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