Die Mitglieder des Tierschutzvereins Gardelegen/Klötze blicken in eine ungewisse Zukunft. Das Geld ist für die vielfältigen Aufgaben, die nicht nur die Tieraufnahmestation, sondern auch der Tierschutz außerhalb dieses Domizils abverlangt, zu knapp. Zudem läuft die zweijährige, von der Arbeitsagentur geförderte Maßnahme für eine hauptamtliche Arbeitskraft im September aus. Was dann? Diese Frage konnte während der Jahreshauptversammlung am Sonnabend, bei der auch der Vorstand neu zu wählen war, nicht beantwortet werden.

Gardelegen. Sie sind sehr engagiert. Doch Engagement allein reicht nicht aus. Immer wieder stoßen die Mitglieder des Tierschutzvereins Gardelegen/Klötze deshalb an Grenzen. Denn was sie innerhalb und außerhalb der Tieraufnahmestation an der Lüffinger Chaussee leisten, geht nicht nur mit viel Arbeit, sondern vor allem mit einem hohen Kostenaufwand einher. Das unterstrich der alte und neue Vorsitzende Kurt Gewasda während der Jahreshauptversammlung am Sonnabend.

Zwar gäbe es bei der Entwicklung der Mitgliederzahl nach wie vor eine steigende Tendenz - mittlerweile zähle der Verein, auch dank seines Internetauftrittes, der ihn weit über die Altmarkgrenzen hinaus bekannt mache, 50 offizielle Mitstreiter -, doch sei mit den Mitgliedsbeiträgen allein nicht viel zu besehen. Die Tierschützer seien auf die Unterstützung der Kommunen angewiesen. Die Einheitsgemeinde Kalbe zahle derzeit einen Beitrag von 1,25 Euro pro Einwohner, was nicht kostendeckend, aber deutlich besser als das sei, was die Stadt Gardelegen zuschieße. Sie stelle pro Einwohner und Jahr nur rund 50 Cent zur Verfügung. Zwar habe sie, so Gewasda, ihren Jahresbeitrag von 4000 auf 12000 Euro angehoben, doch könnten damit nicht annähernd die anfallenden Arbeiten im Bereich Tierschutz finanziert werden. 6000 Euro würden allein als Zuschuss für die zweijährige Maßnahme benötigt, über die eine hauptamtliche Mitarbeiterin im Tierheim tätig sei. Wenn diese Maßnahme, die von der Arbeitsagentur gefördert und von der ABS Drömling getragen werde, im September auslaufe, wisse niemand, wie es weitergehen könne. Denn Versuche, eine neue Maßnahme zu erhalten, seien bislang gescheitert. Auch die beiden Kräfte die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolvieren würden, müssten die Tieraufnahmestation bald wieder verlassen. Über das Ehrenamt allein ließen sich deren Betrieb und die anderen notwendigen Tierschutzmaßnahmen jedoch kaum bewältigen, so Kurt Gewasda in seinem Bericht.

"Als Ehrenamtliche übernehmen wir die Pflichtaufgabe der Gemeinden"

Seit acht Jahren steht der Bismarker, der im Hauptberuf Polizeibeamter ist, an der Spitze des Tierschutzvereins, der vor 17 Jahren gegründet worden ist. Das große Engagement für die Organisation und vor allem für deren vierbeinige Schützlinge teilt Gewasda mit seiner Ehefrau Petra. An sie richtete er am Sonnabendnachmittag ein großes Dankeschön. Und obwohl, so Gewasda "die Schmerzgrenze erreicht ist und manchmal sogar überschritten wird, weil wir als Ehrenamtliche die Pflichtaufgabe der Gemeinden übernehmen", will er sich für zwei weitere Jahre an vorderster Front für den Tierschutz in der Region engagieren. Einstimmig wurde er am Sonnabend in der Gardeleger Klempnerklause wiedergewählt. Auch die anderen Mitglieder des Vorstandes erhielten erneut das Vertrauen. Dies sind Stellvertreterin Gisela Kürten, Schatzmeisterin Martina Weingart und Schriftführerin Sabine Schenk.

Weiterhin wurde festgelegt, den Mitgliedsbeitrag von derzeit 20 auf 21 Euro zu erhöhen. Ein Euro davon entfällt auf den Landesverband. Auch eine Beteiligung am Sachsen-Anhalt-Tag wurde beschlossen. So will sich der Tierschutzverein im Lindenhofgarten präsentieren. Gleichzeitig, so Kurt Gewasda, müsse aber auch der Betrieb der Tieraufnahmestation gewährleistet bleiben.

Dort werden derzeit 26 Hunde, 82 Katzen, drei Kaninchen und acht Meerschweinchen betreut. Die Unterhaltungs- und Futterkosten seien zwar erheblich, doch seien allein an Tierarztkosten im vergangenen Jahr rund 19000 Euro fällig geworden. Dabei darf laut Gewasda nicht vergessen werden, dass auch außerhalb des Tierheimes in Größenordnungen Kastrations- maßnahmen erfolgen, weil es sonst noch mehr herrenlose Katzen geben würde. Auch diese Maßnahmen finanziert der Tierschutzverein. "Ohne die Hilfe von Sponsoren", sagte der Vereinsvorsitzende, "wären wir längst aufgeschmissen".