18 Windkraftanlagen sollen es insgesamt werden. Zwölf davon könnten sich schon am Jahresende neben Lindstedt drehen. Die Bauarbeiten der Enercon GmbH als Betreiberfirma haben bereits begonnen. Rund 40 Bauarbeiter und Ingenieure arbeiten hier rund um die Uhr. Einige von ihnen müssen absolut schwindelfrei sein.

Lindstedt. Der Wind pfeift heftig über das Feld nahe Lindstedt. "Aber heute glücklicherweise schon nicht mehr so schlimm wie an den letzten beiden Tagen", sagt Bauleiter Thorsten Schultz erleichtert. Auch wenn der Wind für einen Windpark natürlich unverzichtbar sei, "während der Bauphase können wir den noch nicht gebrauchen", sagt er schmunzelnd. Ab zehn Meter pro Sekunde darf kein Kran mehr bedient werden, kein Bauarbeiter mehr in luftiger Höhe arbeiten. Und auch wenn in der vergangenen Woche vom höchsten der Türme erst elf Ringe montiert sind, stehen die Männer schon jetzt rund 40 Meter über dem Erdboden, wenn sie den nächsten Betonring verkleben.

"Dafür wird der darunterliegende Ring mit Kunstharz bestrichen und dann werden beide Ringe miteinander verklebt. Gerade schwenkt der Kran den mittleren Ring - ganz in rot, "das ist Vorschrift wegen der Flugsicherung" - über den Turm. Präzise senkt sich das riesige Bauteil, das gerade zuvor vor Ort montiert wurde, über den Turm. Der Kranführer indes kann eigentlich gar nicht sehen, was er da steuert, denn der sitzt, wie meist in modernen Kränen, im unteren Teil dieses Stahlkoloss\' und bekommt seine Angaben per Funk von den Männern oben, die vom Erdboden betrachtet winzig aussehen.

"Ein eingespieltes Team", versichert Schultz. Hier muss jeder Handgriff sitzen. Und das Tag und Nacht. Denn die Arbeiter montieren dort oben auch nachts weiter, fünf Tage die Woche. Und gleichzeitig arbeiten ihre Kollegen unten bereits an den Fundamenten für drei weitere Windräder. Riesige Plattformen aus Stahl und Beton werden hier gegossen. Die Unmengen an Flüssigbeton kommen in großen Fahrzeugen ununterbrochen aus den Betonmischwerken in Kalbe und Gardelegen. Eine andere regionale Firma baut zeitgleich das Wegenetz für die Transportfahrzeuge aus, die nun mitten durch die Ackerflächen führen.

Die Frühjahrsbestellung könne aber natürlich dennoch problemlos erfolgen, versichert Schultz. "Die Zusammenarbeit zwischen uns und den Verpächtern ist gut." Und ab und an "schauen auch mal die Lindstedter auf Spaziergängen vorbei, um die Arbeiten zu besichtigen.

Denn schon jetzt lässt sich erahnen, wie groß die Türme einmal werden. Nämlich genau 138,38 Meter bis zur Nabenhöhe. Der höchste Punkt der Rotorblätter wird schließlich 177 Meter in den Himmel ragen.

Und dann kann auch wieder der Wind wehen. Je mehr, desto besser. Denn eine der geplanten Anlagen soll schließlich jährlich so viel Energie produzieren, dass 2000 Vier-Personen-Haushalte mit Strom aus Windkraft beliefert werden können. Alle 18 Anlagen könnten somit beinahe die gesamte neue Großgemeinde Gardelegen versorgen.

Die Energie, die die Riesen erzeugen, wird im firmeneigenen Umspannwerk in Hottendorf ins öffentliche Netz eingespeist.

Laut Firmenangaben haben die Lindstedter übrigens in Sachen Geräuschbelästigung wenig zu befürchten. Denn die getriebelosen Windenergieanlagen des Types E82/ E2 seien derzeit "die leisesten Anlagen der Welt", versichert Enercon-Mitarbeiterin Angelika Kobold.

 

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