Zum Sachsen-Anhalt-Tag 2011 in Gardelegen sollte den Besuchern der sangesfreudigen Stadt ein "beispielloses Chorprojekt" geboten werden. Monatelang haben sich die gemischten Chöre darauf vorbereitet. Neun Wochen vor dem Landesfest droht das Projekt zu scheitern - am Auftrittstermin. Ursprünglich sollten die Chöre am 25. Juni zwischen 15 und 16 Uhr auf der Bühne am Holzmarkt ihren großen Auftritt haben. Vom Organisationsbüro wurde das verschoben auf den späten Vormittag. Das indes stößt bei den Akteuren auf Ablehnung.

Gardelegen. Die Idee war richtig gut. Ein großes Ensemble von Sängerinnen und Sängern der vier gemischten Chöre der Stadt sollte zum Landesfest ein gemeinsames Chorkonzert geben. Das allerdings droht jetzt zu scheitern. Nicht an der Vorbereitung oder Motivation der Mitwirkenden, sondern an terminlichen Bedingungen. Der große Chor sollte ursprünglich zur besten Auftrittszeit am Nachmittag des 25. Juni auf der SAW-Bühne am Holzmarkt auftreten - ideal, um ein zahlreiches Publikum zu erreichen. Das wurde jetzt, wenige Wochen vor dem Landesfest, geändert. Das Ensemble soll nun am späten Vormittag auftreten, erfahrungsgemäß nicht gerade die Zeit, um die Zuhörerschaft an die Bühnen zu ziehen. Die Chorleiter hätten das abgelehnt. Zum einen wegen der Zeit, zum anderen auch wegen der zeitlichen Planung, sagte der künstlerische Leiter des Postchores, Bernd Werner, gestern auf Anfrage. Beispielsweise habe der Kirchenchor noch andere Verpflichtungen, die Mitglieder des Gymnasiumschores seien zum Teil auch noch anderweitig über Sportgruppen etwa in das Landesfest eingebunden.

Verärgert über die Situation ist auch Bernd Werner, Ideengeber für das Chorprojekt. "Alle Chorleiter haben am 10. Januar zusammengesessen. Damals wurde auch die Auftrittszeit vereinbart. Die Männerchöre sollten ab 14 Uhr auftreten, die gemischten ab 15 Uhr", gab Werner frühere Absprachen mit dem Organisationsbüro wieder. Seitdem hätten alle Chöre fleißig geprobt. Zu den Mitwirkenden gehörten der Gymnasiumschor unter der Leitung von Andrea Jürges, der Chor der Neuapostolischen Kirchengemeinde (Jürgen Holz), der Postchor (Bernd Werner) und der Kirchenchor (Kantorin Natalia Gvozdkova). Alle Chöre hätten mindestens zehn Titel zusätzlich einstudiert, zum Teil auch solche, die sonst nicht zum Profil der Chöre gehörten. Am vergangenen Sonnabend fand erstmals eine gemeinsame Probe aller Mitwirkenden statt. Das Fazit nach zwei Stunden: "Die Mühe hat sich gelohnt", sagte Werner. Mit diesem Programm "mit mitreißenden Melodien, die sich abwechseln mit Chorsätzen, die unter die Haut gehen", wollten die etwa 120 Sängerinnen und Sänger das Publikum zum Landesfest überraschen. Doch daraus wird mit großer Wahrscheinlichkeit nun nichts werden - jedenfalls nicht zum Landesfest. Denn am Sonnabend hätten die Chorvorstandsvorsitzenden per Brief vom Organisationsbüro von der Auftrittsänderung erfahren. Am Dienstag habe dazu noch einmal ein Gespräch mit den Mitgliedern des Büros und mit Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs stattgefunden. Mit dem Ergebnis, dass es andere Auftrittsmöglichkeiten nicht gebe. Sämtliche Bühnen seien bereits verplant. "Wir werden uns nun eine Alternative suchen müssen und unseren gemeinsamen Auftritt verschieben auf einen anderen Termin", sagte Werner, denn verzichten möchten die Sänger nicht auf die Darbietung des Programmes.

Die Situation indes wird auch von Gabriela Winkelmann bedauert. "Das war keine böse Absicht", erklärte die Leiterin des Organisationsbüros. Das Zeitfenster sei damals vom Radiosender so vorgeschlagen und jetzt geändert worden, weil der Sender seine Bühne selbst brauche. "Wir können es nicht ändern. Uns allen tut es persönlich sehr leid, dass das nicht klappt", betonte Winkelmann.