Hauptamtsleiter Klaus Richter informierte die Mitglieder des Sozialausschusses am Dienstagabend über die Grundschulen im Raum Gardelegen. Sollten die finanziellen Möglichkeiten gegeben sein, könnten bis 2017 alle Grundschulstandorte erhalten werden, so Richters Fazit.

Gardelegen. Die acht Grundschulen in Gardelegen, fünf davon im Umland und drei in der Kernstadt, waren am Dienstagabend Thema im städtischen Sozialausschuss. Um die Entwicklung der Schulstandorte besser planen zu können, hatten die Ausschuss-Mitglieder eine entsprechende Übersicht gefordert. Eine Diskussion über einzelne Schulstandorte gab es noch nicht. Hauptamtsleiter Klaus Richter resümierte zwar, dass nach jetzigem Stand bis 2017 alle Standorte erhalten werden könnten, wenn die finanziellen Möglichkeiten gegeben seien. Aber: "Ich wage zu behaupten, dass alle Schulen auf Dauer keinen Bestand haben."

"Schlechter sieht es wider Erwarten in Estedt aus"

Richter erläuterte zunächst die Grundlagen, auf denen die Schulentwicklungsplanung basiert. Grundschulen müssten mindestens 60 Schüler haben. In Ausnahmefällen seien auch 40 Schüler ausreichend. Für die Bildung einer ersten Klasse sind mindestens zehn Schüler notwendig. Orientierungsgrößen seien außerdem eine Einwohnerzahl im Schuleinzugsbereich von zirka 2000 Einwohnern sowie ein Schulweg von maximal 30 Minuten.

Die Schulentwicklungsplanung sei Aufgabe des Altmarkkreises Salzwedel, berichtete Richter. In die Planung "können aber Änderungen eingebaut werden".

Die Voraussetzungen für den Erhalt der Schulstandorte erfüllen die Grundschulen in der Kernstadt und die Grundschulen in Jävenitz und Mieste. Zu den Schulstandorten Estedt, Letzlingen und Solpke gebe es bereits Bemerkungen in der mittelfristigen Schulentwicklungsplanung. So werde die Grundschule Letzlingen die Regelzügigkeit langfristig nicht mehr erfüllen. Unter der Regelzügigkeit ist die Anzahl der Klassenstufen zu verstehen. Auch die Grundschule Estedt erfülle die Regelzügigkeit langfristig nicht. Sie besteht bereits mit Ausnahmegenehmigung. Die Schülerzahlen seien sinkend. Die Grundschule Solpke habe bis zum Sommer 2012 eine Sondergenehmigung vom Land erhalten. Sie unterschreitet dann bereits die Mindestzahl von 40 Schülern. Der Schulträger sei aufgefordert worden, Maßnahmen zu treffen oder die Aufhebung des Schulstandortes zu beschließen. Richter sagte, die Zahlen ließen einen positiven Trend erwarten. "Schlechter sieht es wider Erwarten in Estedt aus", dort würden Schülerzahlen abgebaut. Grundsätzlich stünden die Schulen auf "wackligen Füßen".

Eine Möglichkeit, die Schülerzahlen zu stabilisieren, sei die Änderung der Schuleinzugsbereiche. Der Schuleinzugsbereich Mieste zum Beispiel umfasst mehr als 4700 Einwohner. Der Schuleinzugsbereich Solpke hingegen hat 1448 Einwohner. Kinder aus Sichau und Sachau könnten zum Beispiel auch in Solpke unterrichtet werden. "Aber wir würden dann Kinder an Mieste vorbeifahren lassen", sagte er. Ausschuss-Mitglied Andreas Finger fragte nach den Weteritzer Schülern, die bis vor einigen Jahren noch in Solpke unterrichtet worden seien. Richter erklärte, das sei eine politische Entscheidung.

"Wir müssen überall schauen, wo es günstiger geht"

Nach der mittelfristigen Planung "sieht es so aus, als würden alle Schulen Bestand haben können", so Richter. Aber in der Planung sei nicht einbezogen, dass Familien wegziehen oder Eltern ihr Kind in eine private Grundschule schicken könnten. "Sie haben verantwortungsbewusst zu entscheiden", mahnte er. Über die Kapazität der einzelnen Grundschulen gebe es keine Zahlen, sagte Richter auf Nachfrage.

Im vergangenen Jahr verur-sachten die acht Grundschulen insgesamt laufende Kosten in Höhe von 706 000 Euro. Spitzenreiter war mit 120 000 Euro die Grundschule Mieste. Die geringsten Kosten (70 500 Euro)fielen in der Solpker Grundschule an. Auf die Zahl der Schüler gerechnet stellt sich aber ein anderes Bild dar. In dieser Rechnung hatte Solpke mit 1762 Euro je Schüler den höchsten Wert, der fast doppelt so hoch lag wie in Mieste (902 Euro). Die Grundschule Mieste hatte die geringsten Kosten je Schüler, gefolgt von den drei Stadt-Grundschulen. Deutlich über 1000 Euro lagen auch die Schulen in Letzlingen und Estedt. Eine Liste mit notwendigen Investitionen sei noch in Arbeit, sagte Richter. "Ich fürchte, dass wir erhebliche Kosten vor allem in den Landschulen bei Fragen des Brandschutzes zu erwarten haben", sagte er. Die Bauordnungsämter seien bereits vor Ort gewesen. In den Stadt-Schulen und in Letzlingen gebe es wenig Investitionsbedarf. "Sehr erheblich" sei der Investitionsbedarf in der Estedter Schule. Auch in Solpke und Mieste sei der Investitionsbedarf in etwas abgeschwächter Form erheblich.

Die Stadt habe mit der Reinigung ihrer drei Grundschulen externe Firmen beauftragt. Lediglich die Hausmeister liefen noch in eigener Regie. Ausschuss-Mitglied Regina Lessing vermutete, dass es in den Land-Grundschulen lediglich beim Personal - zumeist seien technische Mitarbeiter für die Reinigung beschäftigt - Einsparpotenzial gebe. "Wir müssen überall schauen, wo es günstiger geht", erwiderte Richter.

Eltern seien grundsätzlich an die festgelegten Schuleinzugsbereiche gebunden. Ausnahmen seien beim Land zu beantragen "und müssen sehr gut begründet sein", so Richter weiter. Nicht möglich sei es beispielsweise, Schüler aus dem Nachbarkreis, zum Beispiel aus Born oder Klüden, in Letzlingen zu unterrichten.