Das Leben ist kostbar. Wer jung ist und gesund, weiß das oft nicht zu schätzen. Susanne Sobainski aus Gardelegen sieht ihr Leben mittlerweile allerdings als Geschenk und auch als zweite Chance. Die junge Frau entging nur ganz knapp dem Tod. Grund genug für ihre Familie und Freunde, ganz groß zu feiern, "dass Mama wieder zu Hause ist."

Gardelegen. "Ich gebe eine Wieder-im-Leben-Party für meine Frau", sagt der junge Mann am Volksstimme-Telefon vor wenigen Tagen. "Vielleicht können Sie ja mal vorbeikommen?" Seine 33-jährige Ehefrau habe eine wirklich schwere Krankheit überstanden, erzählt er. Nun sei die junge Mutter wieder zu Hause. Und das wolle die Familie, wollten die Freunde einfach feiern...

Eine Krankheit überstanden. Gehört so eine Geschichte überhaupt in die Zeitung?

Aber warum eigentlich nicht? Schließlich gibt es genügend schlechte Nachrichten. Da ist eine Geschichte, die Mut macht, vielleicht für so einige ein Hoffnungsschimmer. Denn auch für Henning Sobainski und seine Frau Susanne war es wochenlang nur die Hoffnung, die sie aufrecht hielt. Und die Hoffnung darauf, dass die dreifache Mutter überlebt, wieder ganz gesund wird, hing am 23. März dieses Jahres wohl nur noch am seidenen Faden. An diesem Tag veränderte sich das Leben der ganzen Familie.

An jenem Mittwoch nämlich saß die 33-Jährige - wie seit ungefähr zwei Jahren regelmäßig - auf dem Trainingsrad im Fitnessstudio, "als mir plötzlich schwindlig wurde". Erinnern kann sich Susanne Sobainski von hier an aber wohl nicht mehr so recht. "Ich weiß nur noch, dass mich mein Mann aufgefangen hat, als ich vom Rad kippte", erzählt sie. "und dann war alles schwarz."

Als sie viele Stunden später auf der Intensivstation des Magdeburger Uniklinikums wieder aufwacht, hat ihr Mann Henning indes den schlimmsten Tag seines Lebens hinter sich. Denn der Familienvater und begeisterte Kraftsportler, der glücklicherweise zur selben Zeit im Studio trainiert, kann seine Frau an jenem Nachmittag zwar tatsächlich vor dem Sturz vom Trimmrad bewahren. Danach indes kann der gelernte Fleischer nur zuschauen, wie sich der zu Hilfe gerufene Rettungsdienst bemüht, seine Frau wiederzubeleben. Mit dem Rettungswagen wird die 33-Jährige zunächst ins Gardeleger Altmark-Klinikum, kurz darauf mit dem Hubschrauber nach Magdeburg gebracht. Sobainski, der eigentlich nur so schnell wie möglich zu seiner Frau will, informiert zuvor noch seine Schwiegereltern. Auch sie sind total geschockt. Dennoch fährt Susanne Sobainskis Vater Siegbert Tiedge gemeinsam mit dem Schwiegersohn zu seiner Tochter nach Magdeburg. Erst hier erfahren die beiden Männer dann, wie knapp die junge Frau den Schlaganfall überlebte. Denn ein solcher wurde schließlich bei der dreifachen Mutter diagnostiziert. Ein Aneurysma, eine sackartige Gefäßausbuchtung im Gehirn, war geplatzt. Insgesamt dreimal müssen die Mediziner Susanne Sobainski am 23. März wiederbeleben. Zunächst ist sie dem Tod wohl näher als dem Leben.

Doch schließlich stabilisiert sich ihr Zustand. Und nach einigen Tagen scheint es ihr dann stückweise besser zu gehen. "Sie saß im Rollstuhl, aber ich habe trotzdem jeden Tag die Erfolge gesehen", erzählt Henning Sobainski bewegt. Täglich schaut er bei seiner Frau vorbei. Auch die Kinder und ihre Eltern kommen regelmäßig. Und das, davon ist die junge Frau überzeugt, habe ihr wohl am allermeisten geholfen. "Ich wusste, ich werde gebraucht." Die Reha kann sie schließlich schon nach drei Wochen beenden. Und kurz vor Ostern kann Henning Sobainski seine Frau, John (15), Jessica (12) und Julian (10) die Mama wieder zu Hause in die Arme nehmen.

Ganz gesund ist sie zwar noch nicht. Noch sei ihr linker Arm gelähmt, die Sehkraft noch nicht wieder voll da, erzählt Susanne Sobainski. Derzeit hilft ihr ihre beste Freundin Eileen Szymitzek noch täglich im Haushalt, nimmt ihr die Familie vieles ab. Und so kann sie am Sonnabend auf ihrer ganz persönlichen "Wieder-im-Leben-Party" - die Ehemann Henning just gleich im Lieblingsfitnesscenter des Paares organisiert hatte - eigentlich fast nur zuschauen. Aber das macht der 33-Jährigen augenscheinlich gar nichts aus.