Gardelegen/Potzehne (ca). "Noch ein Sommer ohne das Freibad Potzehne - Nein Danke", "Wir lieben unser Freibad" und "Denkt an uns Kinder" - die Mitglieder des Gardeleger Stadtrates wurden bei ihrem Eintreffen zur Ratssitzung am Montagabend im Rathaussaal von ungewöhnlichen Gästen empfangen. Vor dem Eingang zum Rathaus hatten sich etwa 50 Frauen, Männer und Kinder aus Jeseritz, Potzehne, Jerchel, Letzlingen und Wannefeld postiert, um auf ihre Forderung nach Wiedereröffnung des Potzehner Freibades aufmerksam zu machen. Dieses Thema nämlich war Gegenstand der Stadtratssitzung. Mit Vuvuzelas, Trillerpfeifen und Beifall machten die Protestler ganz schön Rabatz vor dem Rathaus. Die jüngsten Badefreunde hatten es sich in einem Plasteplanschbecken bequem gemacht mit allerlei Badeausrüstung, wie Taucherbrille, Schwimmreifen und Wasserball. Damit wollten die Kinder im Sommer wieder im Freibad Potzehne spielen. Das aber ginge nicht, wenn die Einrichtung nicht wieder geöffnet werde. Dann bleibe nur ein Planschen im kleinen Becken oder im eigenen Pool - "wer denn einen hat", sagte Mandy Schulze, Mitorganisatorin der Aktion von Freibadfreunden. Die junge Frau ist Mutter von Zwillingen und trainiert im Potzehner Sportverein die G-Jugend, also den Fußballnachwuchs. "Das war immer so schön für die Kinder. Nach dem Training konnten sie noch ins Freibad gehen", erzählte Mandy Schulze, "außerdem wollen wir nicht, dass jeder nur noch in seinem Garten oder an seinem Pool sitzt." Denn das Potzehner Freibad sei für die Einwohner der Ortschaft und der Region auch ein Treffpunkt, ein Kommunikationsort für alle Generationen zum geselligen Plausch oder für sportliche Betätigung beim Schwimmen oder beim Volleyball.

Ob es nun die lautstarke Aktion der Freibadfreunde war oder andere Einsichten, die die Mehrheit des Stadtrates am Montagabend dazu bewegte, für eine Wiedereröffnung der Einrichtung zu stimmen, blieb auch in der Diskussion dazu weitgehend offen.

Im Gegenzug zu den vorangegangenen Fachausschüssen - dort gab es mit Ausnahme des Sozialausschusses keine Mehrheit für eine Wiederöffnung des Bades - hatte der Stadtrat am Montagabend mit deutlicher Mehrheit einer Öffnung des Bades für die Saison 2011 zugestimmt.

Das Freibad indes war bereits im vorigen Jahr aus Kostengründen geschlossen worden. Ortsbürgermeister Peter Kapahnke hatte vor einigen Wochen einen Antrag auf Wiedereröffnung gestellt, obgleich er im vorigen Jahr selbst eingeräumt hatte, dass auch er ohne die Eingemeindung in die Stadt Gardelegen das Bad aus wirtschaftlichen Aspekten hätte schließen müssen (wir berichteten).