Gardelegen (iwi). Eigentlich sollten sie nur als Zeugen aussagen, doch erstmal mussten die zwei Polizeibeamten den Angeklagten zum Richter bringen. Jens J.* war wegen Trunkenheit im Verkehr angeklagt - und kam nicht. "Ich hatte 14 Uhr im Kopf, sonst wäre ich ja nicht in Arbeitsklamotten gekommen", versuchte sich der 51-Jährige vor Strafrichter Axel Bormann zu verteidigen, als die Beamten ihn in den Gerichtssaal begleitet hatten.

Das war auch schon alles, was der Gardeleger an dem Tag sagte, zur Tat schwieg er. Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, am 1. Dezember 2010 kurz vor Mitternacht mit 2,2 Promille im Blut mit dem Fahrrad auf der Letzlinger Landstraße unterwegs gewesen zu sein. Das Wetter war damals winterlich. "Es schneite stark, war windig, und er hatte ein paar Schlenker drin, wir dachten erst durch den Wind und die Glätte", so der Polizeibeamte. Weil am Fahrrad von Jens J. kein Licht brannte, stoppten ihn die Polizisten.

"Aufgrund der Aussprache war sofort zu hören, dass er alkoholisiert war, und Alkohol habe ich auch gerochen", so der Mann. Seine Kollegin bestätigte, den Mann fahrend und nicht nur schiebend gesehen zu haben. Das war für den Staatsanwalt ausreichend: "Sie wurden eindeutig der Tat überführt." Er forderte eine Gesamtgeldstrafe in Höhe von 1500 Euro, 50 Tagessätze à 30 Euro. Auch, weil Jens J. erst vier Wochen vor der Tat einen Strafbefehl über 500 Euro wegen Trunkenheit im Verkehr erhalten hatte. Im Juli war der Gardeleger, ebenfalls mit dem Fahrrad, mit 2,36 Promille auf der Bahnhofstraße erwischt worden. Bormanns Worte in der Urteilsbegründung fielen deutlich aus: "Für Sie spricht wirklich nicht viel, außer, dass nichts passiert ist. Das ist schon ein starkes Stück, wenn Sie erst einen Monat vorher den Strafbefehl bekommen haben und dann wieder rückfällig werden." Bormann verurteilte Jens J. zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 30 Euro und zur Zahlung der Verfahrenskosten. Der 51-Jährige nahm das alles wortlos, wenn auch mit hochrotem Kopf, hin.

* Name geändert