Die Debatte um die Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Müll gewinnt in Deutschland an Fahrt. Sollte es diese geben, rückt die Altmark, genauer gesagt die Region rund um Waddekath, in den Mittelpunkt.

Waddekath. Denn bereits 1995 hatten Experten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in einer wissenschaftlich aner- kannten Untersuchung vier Salzstöcke ausfindig gemacht, die für eine solche Endlager-Suche in Frage kommen: Waddekath in Sachsen-Anhalt, Wahn und Zwischenahn in Niedersachsen sowie Sülze-Gümte in Mecklenburg-Vorpommern/Niedersachsen.

1990 hatten die CDU/CSU und FDP in ihrem Koalitionsvertrag festgelegt, dass neben Gorleben weitere Standorte für ein Atommüllendlager untersucht werden sollen. Zwei Jahre später gab der damalige Umweltminister Klaus Töpfer (CDU) die Studie in Auftrag, die schließlich im August 1995, Ironie der Geschichte, von Bundesumweltministerin Angela Merkel, in Bonn vorgestellt wurde. In der Region Diesdorf war man damals völlig ahnungslos. Es gab keine offiziellen Informationen. Doch als die Volksstimme darüber berichtete, gründete sich binnen weniger Tage die Bürgerinitiative Atomkraftgegner Altmark und Anrainer, kurz AAA. Aktivisten wie Kerstin Schmeiß oder Thomas Bichler organisierten Informationsveranstaltungen und Demonstrationen. Gut sieben Jahre hing das Damoklesschwert atomares Endlager über der westlichen Altmark.

Ausreichende Barrierewirkung

Nicht nur über dem "Premiumstandort" Waddekath. Untersucht wurden auch Salzstöcke in Jahrstedt, Peckensen und in Demker-Grieben, die aber beim geologischen Stresstest durchfielen beziehungsweise wie in Peckensen (unterirdische Erdgasspeicher) Nutzungskonflikte aufwiesen.

Erst mit dem Gorleben-Moratorium der rot-grünen Bundesregierung kehrte Ruhe ein. Die Bürgerinitiative AAA gibt es nicht mehr. Und nun das. In der vergangenen Woche sprach sich der künftige Ministerpräsident Baden-Württembergs, Winfried Kretschmann (Grüne), für eine ergebnisoffene Endlagersuche aus. Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister und auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen griffen diesen Ball auf. Unterstützung kam jetzt auch vom EU-Energiekom-missar Günther Oettinger (alle CDU). Sollte es dazu wirklich kommen, wäre die 16 Jahre alte BGR-Studie Grundlage für die Suche nach geeigneten Standorten.

Die Fakten scheinen durchaus für Waddekath zu sprechen. Die Endlagerexperten sind sich einig, dass für eine dauerhafte Speicherung von hochradioaktivem Müll unverritzte, also nicht genutzte und in sich homogene Salzstöcke mit einer Ausdehnung von neun Quadratkilometern im Endlagerhorizont geeignet sind. Noch dazu, wenn das wasserundurchlässige Deckgebirge intakt ist. Was bekannterweise in Gorleben nicht der Fall ist. Der Salzstock von Waddekath nimmt selbst in einem Kilometer Tiefe eine Fläche von 16,5 Quadratkilometern ein. "Decksteingebirgsmächtigkeit mindestens 400 Meter mit ausreichender Barrierewirkung. Im Zentrum wurde mächtiges Steinsalz erbohrt", heißt es in der BGR-Studie.

Fritz Kloß: Es ist ein unberührter Salzstock

An diesem geologischen Befund hat sich nichts geändert. Auch nicht an der Feststellung, dass die Besiedlungsdichte von Waddekath sehr gering ist. Die Altmark muss sich unter Umständen darauf einstellen, nicht nur als potenzielles CO2-Endlager für bundesweite Schlagzeilen zu sorgen, sondern auch als mögliche Alternative zur Gorleben. Noch ist aber nichts festgezurrt.

Diesdorfs Bürgermeister Fritz Kloß sagte auf Nachfrage der Volksstimme, dass es sich um alte Karten handele, auf denen Waddekath auftauche. Seinerzeit musste gemeldet werden, wo Salzstöcke existieren. Laut Fritz Kloß handele es sich um "einen unberührten Salzstock, der noch nicht erkundet ist". "Ich glaube nicht, dass ein Endlager in unsere Gemeinde kommt", fügte er hinzu.