Glückliches Ende einer dramatischen Suchaktion: Dank einer aufmerksamen Tierheimmitarbeiterin konnte eine Kalbenser Familie ihren Hund am Montagnachmittag wieder in die Arme schließen. Der Vierbeiner war am Vortag wie vom Erdboden verschluckt.

Kalbe. "Das war ein unbeschreibliches Gefühl, als die Autotür aufging und Tessie mir entgegenkam", sagt Thorsten Kapust und ist noch immer gerührt. Denn er und seine Mutter Elisabeth hatten befürchtet, sie würden ihren vierbeinigen Liebling nicht mehr wiedersehen. Eine unbekannte Person hatte das Tier offenbar nach Gardelegen gebracht und dort ausgesetzt.

Tessie ist eine alte Hundedame, die seit 14 Jahren an der Seite von Elisabeth Kapust lebt. Weil die 76-jährige Kalbenserin gesundheitlich gehandicapt ist, ist sie sehr glücklich darüber, dass Tessie jeden Vormittag selbstständig vor die Tür geht, um ihr Geschäft zu verrichten. Das Tier sitzt dann immer schon nach wenigen Minuten wieder auf dem Tritt und bellt kurz.

Am 1. Mai jedoch blieben diese Laute aus. Elisabeth Kapust wartete vergeblich, dass ihr Hund vom Gassi gehen zurückkehrt. Nach anderthalb Stunden war er immer noch nicht wieder da. Als mittags Sohn Thorsten kam, um seiner Mutter Essen zu bringen, war ihm sofort klar, dass etwas nicht stimmte. "Ich wurde auch gleich aktiv", so der 47-Jährige.

Zuerst ging er die Strecke ab, die Tessie für ihre kurze Runde immer nutzt. Die Hundedame und ihr Frauchen sind mitten im Grünen, an der Straße der Jugend, zu Hause. Hier kennt jeder das liebe Tier. Doch ausgerechnet an diesem Tag hatte es keiner gesehen. "Ich bin dann Richtung Neuendorf gefahren, um zu gucken, ob es irgendwo eine Blutspur gibt. Hätte ja sein können, dass Tessie angefahren worden ist", so Thorsten Kapust.

Anruf bei der Polizei

Doch seine Suche blieb ergebnislos. Auch, als er den nahen Kreuztannenpark durchforstete. "Wenn sie dort irgendwo gewesen wäre, hätte Tessie sofort auf mein Auto reagiert. Das kennt sie ganz genau", so der Kalbenser.

Er rief daraufhin bei der Polizei in Kalbe an, landete aber via Rufumleitung in Klötze. Dort wurde Thorsten Kapust die Bereitschaftsnummer der Stadt genannt. Denn die ist in solchen Fällen zuständig. Der Kalbenser informierte daraufhin die diensthabende Mitarbeiterin, rief aber auch die Tierheime der Region an. In Gardelegen hinterließ er seine Nachricht auf dem Anrufbeantworter. Und von dort meldete sich dann am Montag Mitarbeiterin Petra Gewasda. Sie berichtete Kapust, dass am Gardeleger Wollbrandtseck ein Hund aufgegriffen worden sei, auf den die Beschreibung passe. Ihre Kollegin Gisela Kürten habe das verängstigte und laut jaulende Tier dort am Maifeiertag gefunden und vorübergehend mit nach Hause genommen. Sie werde jede Minute im Tierheim erwartet.

Thorsten Kapust war überglücklich und hatte kurz darauf Gelegenheit, mit Gisela Kürten direkt zu sprechen. Sie forderte eine konkrete Beschreibung des Hundes. Und Kapust konnte sie liefern. Denn Tessie hat durch eine verlängerte Zitze ein besonderes Merkmal, das sie von anderen Hunden unterscheidet. Als Kürten ihm bestätigte, dass es sich bei dem aufgefundenen Tier um die alte Hundedame handeln könnte, setzte sich der Kalbenser sofort ins Auto und fuhr nach Gardelegen. Tessie wartete derweil im Wagen der Tierheimmitarbeiterin auf ihr Herrchen. Als sich die beiden sahen, war die Freude riesig.

Allerdings, so Thorsten Kapust, wirke Tessie seit diesem Vorfall sehr verängstigt. Zudem weise sie eine Verletzung an der Pfote auf. Niemand wisse, was ihr am Maifeiertag wiederfahren sei. Nur so viel stehe für ihn fest, so Kapust: Die Hündin sei von jemandem nach Gardelegen mitgenommen worden. Denn allein hätte das 14-jährige Tier den Weg nie innerhalb weniger Stunden zurücklegen können. Die alte Tessie geht doch immer nur ein paar Minuten Gassi.