Die Sportvereine sollen an den Bewirtschaftungskosten für die Sportanlagen beteiligt werden. Das Thema ist nicht neu. Neu ist allerdings, dass inzwischen nicht nur Kämmerin Ingrid Bösener, sondern auch einige Abgeordnete öffentlich bemängeln, dass viel geredet, aber wenig unternommen wird.

Kalbe. "Wir haben im letzten Jahr schon darüber debattiert. Wir reden immer nur und kommen nicht zum Punkt." Finanzausschussmitglied Melissa Schmidt war am Mittwochabend sichtlich genervt.

Es ging darum, ob Sportvereine an Bewirtschaftungskosten für Sportanlagen beteiligt werden sollten. Die Kommune investiert jährlich mehr als 100000 Euro, damit die Turnhallen und Sportplätze überhaupt nutzbar sind. Doch obwohl das Thema schon so lange auf der Agenda steht, gibt es bislang kein greifbares Ergebnis. Daran änderte auch die gemeinsame Sitzung von Finanz- und Sozialausschuss am Mittwochabend wenig. "Dabei ist der Zug praktisch schon abgefahren", wie Kämmerin Ingrid Bösener sagte. Denn selbst wenn es demnächst ein Gespräch mit den Sportvereinen gäbe und sich daraus konkrete Lösungsvorschläge ableiten ließen, könnten diese kaum noch in den aktuellen Haushalt aufgenommen werden. Denn der muss bis Juli von der Kommunalaufsicht geprüft sein, damit die Teilentschuldung der Stadt Kalbe wirksam werden kann. Doch der Plan ist noch längst nicht beschlossen.

Dem Finanz- und Sozialausschuss lag am Mittwochabend noch nicht einmal eine Übersicht dazu vor, welche Sportvereine es in der Einheitsgemeinde gibt, welche Aktivitäten diese betreiben und welche Sportstätten sie dafür nutzen. Genau diese Übersicht, so Finanzausschusschef Wilfried Hartmann sei aber Voraussetzung, um überhaupt etwas in die Wege leiten zu können. Hartmann bat die Abgeordneten um ihr Einverständnis, mit Bürgermeister Karsten Ruth einen Bevollmächtigten festzulegen, der dann das Gespräch mit den Vereinen sucht. Denn die sind trotz der dauerhaft geführten Diskussion noch kein einziges Mal gemeinsam an einen Tisch geholt worden. Auch zur Sitzung am Mittwoch waren sie offiziell nicht eingeladen. Allerdings fand die Veranstaltung öffentlich statt, sodass wenigstens Diana Jung und Thomas von Glahn vom Vorstand des VfL Kalbe die Gelegenheit nutzten, sich die Sache einmal anzuhören und eventuell auch selbst zu Wort zu kommen. Und das wurde erteilt.

"Viele wissen nicht, in welchem Zustand die Halle war"

Von Glahn erinnerte dabei an die unzähligen Arbeitsstunden, die die Sportler seit 2005 in die Turnhalle investiert hätten. "Viele wissen nicht, in welchem Zustand die Halle war", so seine Worte an die Abgeordneten. So seien Duschen und Umkleiden hergerichtet worden, mit teils selbst finanziertem Material. Aber auch Investitionen, wie die in die höhenverstellbaren Basketballkörbe oder in die elektronische Anzeigentafel, seien mit Sponsorenhilfe getätigt worden. Gegen das kaputte Dach, durch das es nach wie vor hindurchregne, könnten aber auch die Sportler wenig ausrichten. Das sei besonders dann sehr unschön, wenn Gäste von außerhalb in der Halle seien. Und da Kalbe Basketball-Landesleistungsstützpunkt sei, käme dies oft vor, so von Glahn.

Er bat die Ausschüsse, sich erst in der Halle umzuschauen und die Leistung der Sportler zu registrieren, bevor über Beteiligung an Bewirtschaftungskosten nachgedacht werde.

Doch es geht eben nicht nur um die Turnhalle in Kalbe, sondern um alle Sportstätten der Kommune. Und so lange nicht klar sei, wer hier was nutze, "können wir ohnehin keine konkreten Beiträge nennen", so Wilfried Hartmann. "Erst einmal sollte", so Sozialausschussvorsitzende Sigrun Kämpfer, "auch ein Bewusstein dafür geschaffen werden, worüber wir hier überhaupt reden. Denn wir können nur gemeinsam mit den Vereinen etwas ändern."