Andreas Benken, Geschäftsführer der Benkenwood GmbH und potenzieller Investor und Arbeitgeber für Gardelegen, steht im Fokus staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen. Damit nicht genug. Benken hat eine kriminelle Vorgeschichte, ist wegen Betruges vorbestraft. Nach den Enthüllungen in der gestrigen Ausgabe der Volksstimme gab es empörte und überraschte Reaktionen. Unter den Lokalpolitikern herrschte aber Einigkeit, dass am Wirtschaftsstandort festgehalten werden sollte.

Gardelegen. Friedlich liegt das Gebäude der Benkenwood GmbH an der Stendaler Chaussee in Gardelegen gestern in der Sonne. Das große Tor der Produktionshalle steht weit offen. Dahinter gähnende Leere. Gearbeitet wird hier derzeit wohl nicht. "Wir sind ja auch noch in der Aufbauphase", sagt eine der beiden Mitarbeiterinnen, die seit Mitte 2010 im Verwaltungsgebäude des Unternehmens tätig sind. Wann es los geht, wisse sie nicht. Doch derzeit ist das wohl ohnehin nicht ihre Hauptsorge.

"Ja", sagt die Frau, die ihren Namen nicht nennen möchte, sie habe von den Vorwürfen gegen ihren Chef gelesen. Hatte sie so etwas vermutet? "Nein" sagt sie, "wir haben von nichts gewusst." Und sie wolle dazu auch keine Fragen beantworten. Nur so viel verrät die Mitarbeiterin: Herr Benken habe bereits angerufen. Ob er in den nächsten Tagen vorbeikommt, Aufklärungsarbeit bei seinen Angestellten leistet, wisse sie aber noch nicht. "Kann auch sein, dass ich nach Hamburg beordert werde." Denn trotz allem hofften natürlich alle Mitarbeiter - nach Angaben von Andreas Benken waren es Ende März 17 - "dass es hier weitergeht."

Und genau das hofft auch Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs. Er indes war nicht so ahnungslos, wie die junge Frau in Benkens Firma. Am vergangenen Donnerstag war Benken bei ihm und habe über seine jüngste Vergangenheit gesprochen, so Fuchs gestern. Details habe er von Benken zwar nicht erfahren. "Aber ich war vorinformiert".

"Können nicht in Weltuntergangsstimmung verfallen"

Benken habe "Mist gebaut", das sieht auch Fuchs so. Für den Wirtschaftsstandort Gardelegen sehe er aber keinesfalls schwarz. "Wir können doch jetzt nicht in Weltuntergangsstimmung verfallen."

Zwar sei die Stadt hinsichtlich der Planungsleistung zur Erschließung des angrenzenden Areals - das Benken als Erweiterungsfläche für sein Unternehmen kaufen wollte - "in Vorleistung gegangen". Immerhin wird wohl auch eine "sechsstellige Summe" für die vorgeschriebenen und bereits beendeten archäologischen Ausgrabungen anfallen. "Aber wir haben das Land ja noch nicht gekauft." Zudem hofft Fuchs auf die zugesagte 90-prozentige Landesförderung. Das bezuschusst die Erschließung in einer solchen Höhe allerdings nur bei mindestens zwei Investoren. Doch einer sei ja immer noch das Asphalt-Mischwerk an der Stendaler Chaussee, erinnert Fuchs. Und "selbst wenn das mit Benken nichts wird", sei er sicher, dass sich jemand anderes für das ehemalige Swedwoodwerk finde.

Die Immobilie selbst hatte Benken von Ikea erworben. Soweit er wisse, seien "die Kaufverträge aber zeitlich befristet", so Fuchs. Es gebe Auflagen, dass Benken innerhalb bestimmter Fristen mit der Produktion beginnen müsse. Zwischenzeitlich dürfe er auch nicht weiterverkaufen oder vermieten. "Ich sehe also nicht, dass wir Fehler gemacht haben."

Das sieht auch CDU-Fraktionschef Jörg Gebur ähnlich. Der Stadtrat habe mit seinen Beschlüssen - obgleich der Investor lange Zeit im Dunkeln geblieben war - den Weg für diese Investition und damit für die Zukunft des Standortes und für die Schaffung von Arbeitsplätzen geebnet. "Er war ein Hoffnungsträger für die Menschen hier. Insofern hatte der Stadtrat zugestimmt in der Hoffnung auf eine schnelle Lösung nach der Schließung des Swedwoodwerkes. Das ist jetzt eine unglückliche Geschichte für alle Beteiligten", so Gebur. Auch wenn es mit Benken nicht klappen werde, plädierte Gebur dennoch für eine weitere Entwicklung des Industriegebietes an der Stendaler Chaussee unter dem Aspekt, Arbeitsplätze zu schaffen.

Erstaunt und etwas verärgert reagierte die Vorsitzende der SPD-Fraktion, Mandy Zepig. "Mit so etwas habe ich nicht gerechnet", sagt sie gestern. Allerdings habe sie auch keine Veranlassung gesehen, die Seriosität des Investors in Frage zu stellen, wenn Wirtschaftsministerium und Landesinvestitionsbank den Mann bereits überprüft haben.

Auch sie hofft aber, dass der ehemalige Swedwood-Standort trotz dieser Situation eine Zukunft hat.

Wenig überrascht war dagegen die Fraktionsvorsitzende der Freien Liste, Hannelore von Baehr. "Das hat mich überhaupt nicht überrascht. Schlimm ist das nur für die Menschen, die mit der geplanten Benkenwood GmbH Hoffnung auf einen Arbeitsplatz hatten", sagt sie. Misstrauisch sei sie geworden, als Benken mit dem Projekt Schloss Weteritz in den Hauptausschuss gekommen sei. Das Schloss sollte angeblich Sitz einer Holzakademie werden, das Gebäude wollte Benken zwar kaufen, den Park sollte ihm die Stadt aber schenken. "Er hat mir damals gesagt, dass er vier Kinder hat, die dort gut spielen könnten", erinnert sich Hannelore von Baehr. Ein Berater aus den alten Bundesländern habe sie vor Jahren einmal gewarnt, "Ganoven in Nadelstreifen sollte man nicht trauen". Es sei schlimm, dass die Menschen immer wieder auf solche "Schöntuer" hereinfallen.

"Wir dürfen den Kopf jetzt nicht hängen lassen"

Regina Lessing, Vorsitzende der Gemischten Fraktion, bedauerte, dass nun die Hoffnung vieler Menschen zerstört worden sei. Von Ganoven in Nadelstreifen könne indes auch sie ein Lied singen. "Ich kenne das alles von unserem Schloss in Letzlingen, die kommen mit dem Porsche vorgefahren, aber dahinter ist nichts", sagte Lessing.

"Ich bin erschüttert. Dass so etwas passieren kann, das habe ich nicht geahnt", sagt Ralf Linow, Chef der Linke-Fraktion. Der Stadtrat habe alles möglich gemacht in der Hoffnung, dass es am einstigen Swedwood-Standort weitergeht. Linow: "Das ist alles wirklich sehr schade, aber ich hoffe, dass es noch andere Wege gibt. Wir dürfen jetzt aber den Kopf nicht hängen lassen, sondern müssen so schnell wie möglich einen neuen Investor finden."