Ronny Schwarzlose aus Potzehne hält seit fünf Jahren Bienen. Sieben Völker hat er derzeit. Von den fleißigen Insekten ist der 35-Jährige fasziniert.

Potzehn/Jerchel. Nicht nur das Rauschen des Windes in den Wipfeln der Bäume und das Zwitschern der Vögel ist gestern Nachmittag am Rande eines leuchtendgelben Rapsfeldes bei Jerchel zu hören. Das stetige Summen von Bienen bestimmt die Geräuschkulisse mit. Denn am Rande des Feldes hat Imker Ronny Schwarzlose aus Potzehne seinen Bienenwagen aufgestellt. Die Wagen sind heutzutage eher selten zu sehen. Viele Imker arbeiten mit sogenannten Magazinen, eine Art Box, die sich leichter tranportieren und direkt im Feld aufstellen lässt. "Der Wagen ist nicht mehr ganz zeitgemäß", sagt Ronny Schwarzlose. Aber er ist hübsch anzusehen, wie er sich mit den roten, gelben, grünen und blauen Feldern hinter dem blühenden Raps abhebt.

"Bienen eines Volkes erkennen sich über den Geruch", berichtet Schwarzlose. Aber auch Farben könnten die Bienen erkennen und auf diese Weise einfacher ins eigene Volk zurückfinden, so dass die verschiedenfarbigen Felder auch ihre Funktion haben.

Ronny Schwarzlose hat seinen Imkerwagen vor fünf Jahren gekauft. Damals erfüllte er sich den Wunsch, selbst Bienen zu halten. Interesse dafür entwickelte er bereits während seiner Jugendzeit. In Jerchel aufgewachsen, sei er schon damals fasziniert vom Bienenwagen eines ortsansässigen Imkers gewesen. Ronny Schwarzlose ist im wahrsten Sinne des Wortes auf den Geschmack gekommen: "Ich esse gern Honig, und da habe ich gedacht, ich probiere mir das mal aus."

"Der Geruch ist fast schon wie eine Droge"

Vorher hat sich Schwarzlose aber gründlich informiert. "Ich habe zu der Zeit alles verschlungen, was es an Literatur dazu gab", erzählt er. Außerdem habe er Kontakt mit einem Imkerverein aufgenommen, um sich vorher beraten zu lassen, habe anderen Imkern über die Schulter gesehen, bis er schließlich die ersten beiden Völker holte. Und nach fünf Jahren zieht er eine positive Bilanz: "Es gefällt mir."

Der unverkennbare Geruch, der aus dem Bienenwagen strömt, "ist fast schon wie ein Droge", beschreibt Ronny Schwarzlose. Es sei schön anzusehen, wie sich die Bienenvölker gerade in der jetzigen Zeit entwickeln und wachsen. Die Organisation der Bienen innerhalb der Völker findet Ronny Schwarzlose besonders faszinierend. Manche Bienen sind für das Sammeln des Nektars zuständig, andere für die Brutaufzucht, wieder andere für die Vermehrung. Fast schon wie in einer kleinen Firma betreiben die Insekten Arbeitsteilung. Ohne die einen könnten auch die anderen Bienen nicht existieren, berichtet Schwarzlose begeistert. Gern beobachtet er die geschäftigen Insekten und genießt das beruhigende Summen.

Überall darf Schwarzlose seinen Wagen aber nicht aufstellen. Er spricht das mit den Landwirten ab. Die Zusammenarbeit mit ihnen funktioniere gut und unkompliziert. Derzeit hält Schwarzlose sieben Bienenvölker. Die meisten stehen am Rapsfeld bei Jerchel. Mit seinem Wagen folgt er der Blüte. Nach dem Raps möchte Schwarzlose die Blütezeit von Akazien und Robinien und anschließend die Lindenblüte nutzen.

Obwohl Ronny Schwarzlose bereits seit fünf Jahren Bienenvölker hält, sieht er sich noch als Anfänger - das betont er gestern immer wieder - und ist dankbar, wenn erfahrene Imker ihn an ihren Kenntnissen teilhaben lassen. Vor Bienenstichen hat er keine Angst. An Stellen, an denen er schon häufiger gestochen worden sei, gebe es auch keine Schwellungen mehr. Meistens würden die Bienen auch nur stechen, wenn sie in Bedrängnis gerieten. Hastige Bewegungen sollte man deshalb im Umgang mit Bienen vermeiden, so die Empfehlung von Ronny Schwarzlose. Nach einer Biene zu schlagen, sei genau das Falsche.

Auch gestern will eine Biene Ronny Schwarzlose stechen. Interessant: Immer wieder nähern sich danach Bienen der Einstichstelle. "Sie riechen, dass hier eine Biene stechen wollte", erklärt er.

Einige besondere Erlebnisse hat Ronny Schwarzlose mit seinen Bienen auch schon gehabt. Im ersten Jahr konnte er einmal beobachten, wie ein Bienenschwarm "abgegangen" ist. Enorm viele Bienen hätten sich kurz zuvor vor dem Bienenwagen gesammelt, ehe sie gemeinsam ausschwärmten. "Das war schon beeindruckend", sagt er.

Heute achtet Ronny Schwarzlose darauf, dass sich die Bienenvölker nicht teilen und ausschwärmen. Denn der Schwarm nimmt auch einen Teil des Honigs und einen Teil des bestehenden Volkes mit. Jedes Volk bringt im Jahr etwa 30 bis 40 Kilogramm Honig ein. Damit die Bienen trotz der Entnahme des Honigs "gut über den Winter kommen", füttert Schwarzlose vor dem Winter eine Zuckerlösung zu, die die Bienen anstelle des Honigs einlagern.

Schwarzlose arbeitet in Wolfsburg und hat seit zwei Jahren noch ein weiteres zeitaufwendiges Hobby - die Jagd. "Und eine Freundin hat man ja auch noch", sagt er schmunzelnd. Mehr als zehn Völker möchte Schwarzlose deshalb nicht halten. Dann wäre das Hobby, als das er die Imkerei betrachtet, zu zeitaufwendig. Mit mehr Völkern könnte er zwar Gewinn erwirtschaften, aber für Schwarzlose stehe das Insekt im Vordergrund: "Mir ist wichtig, dass die Bienen fliegen, dass ich den Honig habe und ihnen zuschauen kann."