Gardelegen (gb). Die Agenda Glas AG scheint gerettet und mit dem Unternehmen sämtliche Arbeitsplätze. Wie Insolvenzverwalter Dr. Lucas Flöther gestern mitteilte, befindet er sich seit gestern mit dem indischen Glaskonzern Hindusthan National Industries & Glas Ltd in exklusiven Kaufverhandlungen. Nicht nur das attraktive Preisangebot, sondern das überzeugende Gesamtkonzept habe die Entscheidung am Montagabend nach langen Verhandlungen mit den drei meistbietenden Unternehmen beeinflusst, so Flöther auf Anfrage. Neben dem indischen Hersteller waren auch die deutsch-irische Firma Ardagh Glass GmbH mit Sitz in Dublin und Nienburg und die bayerische Wiegand-Glas Gruppe in der engeren Wahl.

Geschäftsführer und Firmengründer Josef Bockhorst, bezeichnete den potenziellen Käufer gestern als "absoluten Wunschkandidaten." Denn der Bieter habe bereits signalisiert, nicht nur die Mitarbeiter in der Produktion, sondern auch das komplette Management zu übernehmen. Eine Aussage, die Lucas Flöther bestätigte. Damit, so Flöther erfreut, bleibe voraussichtlich auch die Verwaltung - und mit ihr weitere Arbeitsplätze - vor Ort. Bei Übernahme durch einen der deutschen Anbieter wäre diese vermutlich ausgelagert worden, Gardelegen somit "reiner Produktionsstandort" geblieben. Zudem prüfe das indische Unternehmen mit Sitz in Kolkata (Kalkutta) bereits die Möglichkeit, in Gardelegen noch weiter zu investieren. Bockhorst sprach gestern von einer möglichen zweiten Schmelzwanne.

Zurzeit liefert eine Wanne das Rohmaterial für eine Glasproduktion von 300 Tonnen täglich. Die Hindusthan National Industries & Glas Ltd, deren "ausgezeichneten Ruf" gestern auch Sachsen-Anhalts Wirtschaftsministerin Birgitta Wolff in der Presseerklärung bestätigte, produziert aktuell das Zehnfache dieser Menge und ist mit 51 Prozent Marktanteil - unter anderem als Lieferant für Pepsi, Coca Cola, Heinz und Barcadi - branchenführend in Indien. Mit dem Kauf der Agenda Glas setze das Unternehmen den "ersten Fuß nach Europa", so Bockhorst.

Der Kaufvertrag könnte nach Angaben von Flöther "noch im Mai" unterzeichnet werden. Damit wäre das Insolvenzverfahren, das erst am 1. Mai eröffnet wurde, ungewöhnlich schnell beendet. Dass innerhalb einer Sanierung alle Arbeitsplätze erhalten bleiben, sei ebenfalls außerordentlich selten. Die Mitarbeiter wurden bereits gesternüber den Stand der Verhandlungen informiert.