Schon nach zehn Minuten ausverkauft: Das Geschäftsergebnis ihres ersten Tages ließ vier Schüler der Gardeleger Rosa-Luxemburg-Schule strahlen. Denn hier öffnete gestern ein Schülerkiosk mit umwerfendem Erfolg.

Gardelegen. Ein liebevoll geschmiertes Pausenbrot in der Brotbüchse, vielleicht ein Apfel dazu - jedes Kind, das morgens zur Schule geht, sollte sowas im Ranzen haben. Doch leider sieht die Realität anders aus. Süße Snacks oder ein Euro für den Bäcker nebenan ersetzen oft das gesunde Frühstück. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Wo in manchen Elternhäusern vielleicht die Zeit fehlt, weil alle früh das Haus verlassen, fehlt anderen womöglich der Antrieb, mit ihren Kindern aufzustehen.

Das Resultat aber fällt Lehrern immer wieder auf. Auch an der Gardeleger Förderschule "Rosa Luxemburg". Auch hier kommen manche Kinder hungrig zur Schule und versorgen sich dann mit Süßigkeiten.

Dem wollen die Schüler selbst nun entgegenwirken. "Die Idee, einen Kiosk für die Pausenversorgung zu eröffnen, kam von den Schülersprechern", erzählt Schulsozialarbeiterin Fabienne Hapke, die das Projekt betreut. Umfangreiche Renovierungsarbeiten in der Schule hatten die Umsetzung zwar ein wenig hinausgezögert. Doch nun sind die Handwerker fertig. Und der Raum im Souterrain mit dem Fenster zum Schulhof bot sich für das Projekt einfach an.

Und eben jenes Fenster öffnete sich gestern zum ersten Mal für den Hofverkauf. Ruckzuck war es dicht umlagert. Und schon zehn Minuten nach Beginn der großen Hofpause war der Vorrat alle. 30 Brötchenhälften, belegt mit Schinken, Käse oder Hähnchenbrust waren da verkauft, alle mit frischen Tomaten oder Gurkenscheiben garniert.

"Mit solchem Ansturm hatten wir nicht gerechnet", so Hapke. Vier Schüler strahlen sie genau so stolz an, als sie das Fenster wieder zumachen. Einige Schulkameraden müssen die vier zuvor sogar auf die nächste Hofpause vertrösten. Und so ist der Start ihres kleinen Kiosk natürlich ein echtes Erfolgserlebnis für sie, sagt Hapke erleichtert.

Denn immerhin haben Janett Grund, Julia Wöllmer, Leonie Nahrstedt und Justin Oelze die Brötchen in der Pause zuvor vorbereitet. "Mit ganz viel Liebe", versichert Hapke zwinkernd. Und während die drei Mädchen die Brötchen in Servietten weiterreichten, hatte Justin die Aufsicht über die Kasse und gab zuverlässig das Wechselgeld aus. "Er ist der Beste in Mathe", versichert Fabienne Hapke. Und es gibt noch eine Spezialistin in dem kleinen Team: Janett Grund hatte, gemeinsam mit anderen Schülern, die sich in Zukunft am Hofverkauf und der Vorbereitung beteiligen wollen, einen Gesundheitspass erworben und achtete vor allem auf die Hygiene.

Auch in den anderen Teams, denn die Schüler sollen sich abwechseln, wird es eine ähnliche Aufgabenteilung geben, wenn sich in Zukunft immer dienstags und donnerstags das Hoffenster des kleinen Kiosk öffnet. Die Tage sind bewusst gewählt. Denn da schließen sich an die reguläre Unterrichtszeit noch Arbeitsgemeinschaften an. "Die Tage sind besonders lang", erklärt Hapke. Da komme so ein belegtes Brötchen gerade recht.

Demnächst, so ist es geplant, soll es dann sogar noch eine Obstbeilage geben. "Vielleicht aus dem heimischen Garten oder von Alleebäumen gepflückt." Denn schließlich soll es nichts kosten.

Die Brötchen indes gibt es natürlich nicht umsonst. Doch das Entgelt solle nur kostendeckend sein, so Schulleiter Frank Kreißl. Ein bisschen Rabatt-Hilfe bekommt die Schule dabei von einer nahegelegenen Gardeleger Bäckerei.