Tischler-Auszubildende des Jugendförderungszentrums Gardelegen bauen derzeit eine Kogge, die während des Festumzuges des Sachsen-Anhalt-Tages zum Einsatz kommen soll. Das Schiff soll an die stolze Hansegeschichte der Ausrichterstadt erinnern.

Gardelegen. Die Halle, in der sonst Fenster, Schränke und Türen gebaut werden, gleicht derzeit mehr einer Werft. Denn in ihr nimmt ein Schiff mehr und mehr Konturen an. Keines, das später in hansischer Mission auf hoher See unterwegs sein wird. Aber eines, das an diese Tradition erinnert. Denn während des Festumzuges zum Sachsen-Anhalt-Tag am Sonntag, 26. Juni, soll die Kogge zum historischen Schaubild der Hansestadt Gardelegen gehören.

Seit vier Wochen bauen die fünf Auszubildenden des dritten Tischler-Lehrjahres an dem Schiff. Betreut werden sie dabei von ihrem Ausbilder, Tischlermeister Udo Wagener, und der Sozialpädagogin Daniela Wolter. Und auch von Klaus Masurek aus Letzlingen, denn der Schlosserei-Inhaber hatte die Idee für die Hansekogge. Aus der Zeitung hatte er im November vergangenen Jahres erfahren, dass die Organisatoren des Landesfestes gern eine Kogge im Umzug dabei hätten. Anfang des Jahres meldete sich der Letzlinger im Organisationsbüro und sagte seine Hilfe zu. Auch, weil der Schiffsbau den selbstständigen Handwerker schon lange fasziniert. In den 1970er Jahren war er selbst in Warnemünde im Schiffsbau tätig. "Damals habe ich mir auch Bücher gekauft, besonders Segelschiffe haben mich interessiert", sagte Klaus Masurek gestern. In einem der Bücher gibt es detaillierte Bauzeichnungen alter Schiffe, unter anderem die der Wikinger und aus der Hansezeit. Anhand dieser Pläne entwarf er die Gardeleger Hansekogge. Der Schlosser baute zuerst das Fahrgestell, denn das Schiff wird - vermutlich mit seinem Multicar - über die Feststrecke gezogen.

Auf den Unterbau haben die Auszubildenden Alexander Nowack, Steven Odenbach, Markus Schröder, Mario Klüppel und Marc Neumann zusammen mit ihrem Ausbilder den Holzaufbau gesetzt. In dieser Woche, so hofft Udo Wagener, werden die Hauptarbeiten fertig werden, dann geht es an die Feinheiten. In ein paar Tagen muss das Schiff in die Nebenhalle umziehen, damit der Mast - ein ausgedienter Strommast - auf das Deck gesetzt werden kann. Auch ein Segel wird angedeutet. Die Kogge ist etwa sieben Meter lang und 2,50 Meter breit.

Obwohl sich die fünf Lehrlinge derzeit auf die Gesellenprüfung vorbereiten, sind sie mit Begeisterung bei der Sache. "So etwas ist schon einmalig", sagte Steven Odenbach. Und Daniela Wolter fügte hinzu: "Das bekommt nicht jedes Lehrjahr geboten." Tischlermeister Wagener freut sich auch über die praxisnahe Arbeit, die das Projekt bietet. "Die Jungs werden in die Problemlösungen eingebunden", sagte er. Ganz nebenbei gibt es noch Nachhilfe in Geschichte, denn so lernen sie ein wenig die Schifffahrt zur Hansezeit kennen - und in einigen Wochen auch die Mode des Mittelalters. Denn die angehenden Tischler wollen in historischer Tracht auf ihrer Kogge am Umzug teilnehmen.

Wenn alle Bauarbeiten fertig sind, dann wird die Kogge gestrichen. Vom Kiel bis zur Wasserlinie vermutlich in einem Braunton, darüber dann in Kiefer. Die Schmuckelemente könnten in den Farben der Hansestadt Gardelegen gestrichen werden, also in Rot und Grün. "Es wäre auch schön, wenn wir noch eine Galionsfigur bekommen könnten", sagte Klaus Masurek. Und ein Name wird auch noch gesucht.

 

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