Mit seiner Landpartie hat der MDR 1 Radio Sachsen-Anhalt gestern Station in Zichtau gemacht. Den ganzen Tag über erzählten Zichtauer live im Radio über ihren Ort, über seine Geschichte und sein aktives Leben in der Gegenwart.

Zichtau. Am Beckengrund waren es 16 Grad Celsius, die Außentemperatur lag kurz nach 6 Uhr bei 12 Grad Celsius. Doch Moderator Lutz Mücke schien das nicht, zumindest aber wenig zu stören. Er schlüpfte in seinen blaugestreiften Badeanzug und sprang beherzt vom Ein-Meter-Brett ins kühle Nass des Zichtauer Waldbades. Damit gab er den Startschuss für die Landpartie des MDR, die gestern in Zichtau zu Gast war. Vier Veranstaltungsorte in Sachsen-Anhalt gibt es pro Jahr, der Gardeleger Ortsteil hatte sich gegen vier altmärkische Mitbewerber durchgesetzt.

Die Freude darüber konnte auch das frühe Aufstehen nicht trüben. Zehn Mutige machten es Lutz Mücke nach und sprangen ins Wasser. Ortsbürgermeisterin Astrid Läsecke, zugleich Vorsitzende des Fördervereins des Waldbades, weitere Vorstandsmitglieder und erfreulich viele Bürger waren zu früher Morgenstunde ins Waldbad gekommen, um mit lautem Beifall die erste Liveschaltung des Tages zu begleiten. Bei Kaffee und Kuchen - Frauen aus dem Ort hatten mehr als 40 Torten und Kuchen sowie zahlreiche Muffins für den Tag gebacken - kamen die Radioleute mit den Gästen und ihren späteren Gesprächspartnern ins Plaudern. Im Stundentakt gingen Lutz Mücke sowie die Redakteure Susann Meier und Andreas Müller vom MDR-Regionalstudio Stendal live auf Sendung.

Es hatte noch gar nicht richtig begonnen, da stand für Astrid Läsecke schon fest: "Wir werden heute noch viel Spaß haben." Und damit hatte sie recht. Schon am Vormittag kamen zahlreiche Gäste, darunter Schüler der Gardeleger Wander-Förderschule für Geistigbehinderte sowie Kindereinrichtungen. Die hatten sogar kleine Auftritte vorbereitet, um die Gäste zu unterhalten.

Doch im Mittelpunkt standen die Gespräche mit den Zichtauern. So standen Volker Gille, seit 22 Jahren Schwimmmeister im Waldbad, und Günter Knies, einer seiner Vorgänger, ebenso vor dem Mikrofon wie Ingeborg Berlin und Waltraud Spalik. Die beiden Frauen berichteten den Hörern, wie sie vor mehr als vier Jahrzehnten zu den Erbauern des Waldbades gehört hatten. Damals seien die Frauen nach der Arbeit, in Kittelschürzen, ans Werk gegangen, um das von Brombeeren bewachsene Areal für das Bad vorzubereiten. Auf die Kinder hätten in der Zeit die Großeltern aufgepasst, erzählte Ingeborg Berlin. Das Zichtauer Waldbad wurde 1969 eröffnet.

Die nächste Schaltung gab es dann aus dem Ferienpark, wo Friedrich Schmidt Rede und Antwort stand. Im Anschluss ging es weiter zur Heimatstube und zu Christa von der Herberg, die dieses kleine Museum ehrenamtlich betreut. Bevor es auf Sendung ging, zeigte sie den Gästen vom Radio das neue Schild, das Besucher auf die Heimatstube in dem fast 300 Jahre alten Fachwerkhaus hinweist. Es war erst am Tag zuvor aufgestellt worden. Während der Liveschaltung erfuhren die Hörer dann zum Beispiel, dass in der Heimatstube ein Einschläferbett steht - also ein Bett für nur eine Person - und davor ein Pinkeleimer.

Weiter ging es im Programm wieder im Waldbad, wo sich pünktlich zum Beginn des Landpartie-Stammtisches um 10 Uhr weitere Gäste eingefunden hatten, darunter die Eisspringer aus Gardelegen. Die wagten sich dann natürlich ins Wasser - allerdings erst, nachdem Anja Schmidt, stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins, etwas Eis ins Becken geworfen hatte. Denn sonst wäre es den Eisbadern zu warm gewesen.

Mit Zichtauer Geschichten ging es bis zum Abend weiter. Die Hellberge waren dabei ebenso Thema wie der Taufengel in der Kirche, die aktuellen Pläne für das Gut, die Wassertretstelle und das aktive Vereinsleben im Ort.

In den Nachmittagsstunden füllte sich das Bad mehr und mehr, denn auf dem Showtruck bot der Radiosender - für die Sendung "Dabei ab zwei" hat zudem das Fernsehen einen Beitrag gedreht und das Meckermobil war vor Ort - ein Unterhaltungsprogramm für die ganze Familie. Für die Kinder trat Theo Tintenklecks auf, bei den Erwachsenen kamen besonders die musikalischen Darbietungen an (Bericht folgt).

Für einen genussvollen Besuch sorgte das Angebot an der neuen Bar, an der neben der Grüner Wiese und dem Blauen Engel auch Kermit der Frosch serviert wurde, ein alkoholfreier Cocktail aus Waldmeister und Ananas. Die Bar war in der FAA Bildungsgesellschaft (Nord) mit Sitz in Gardelegen gebaut worden, dazu auch noch zusammensteckbare Holzstühle. Beides kann nun von den Badbesuchern genutzt werden.

   

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