Kassieck (cn). Sie würden sich jederzeit wieder heiraten. Das haben Rita (72) und Manfred Brandt (75) der Pfarrerin Johann Brilling verraten, als diese mit ihnen den Gottesdienst zur goldenen Hochzeit vorbereitete. Diese wurde bereits am vergangenen Donnerstag gefeiert. Doch die Einsegnung fand dann am Sonnabend im Beisein aller Familienmitglieder und Freunde in der Heimatkirche des Paares statt.

Es war fast so, als würde sich ein Kreis schließen. Denn einst hatten sich die beiden beim Tanzen im Saal von Kassieck kennen gelernt. Nun feierten Rita und Manfred Brandt im Kassiecker Saal ihr goldenes Ehejubiläum.

Zuvor galt es allerdings, Dank zu sagen. Danke dafür, dass sich die beiden einst gefunden und 50 gute Ehejahre miteinander verbracht haben, auch wenn gerade die jüngere Vergangenheit nicht immer einfach war. "Aber auch, wenn die Kräfte allmählich schwinden, ist Leben schön. Das nehme ich wahr, wenn ich bei Euch in die Tür trete", wie Pfarrerin Johanna Brilling mit Blick auf die Eheleute sagte.

Dahinter hörten auch die Kinder und Kindeskinder von Rita und Manfred Brandt sehr aufmerksam zu. Einige von ihnen hatten einen weiten Weg zurückgelegt, um am Ehrentag ihrer Eltern beziehungsweise Großeltern dabei sein zu können. So reiste zum Beispiel Tochter Marion, die älteste der drei Brandt-Töchter, aus dem nordrhein-westfälischen Soest an. Tochter Gabriele, die in Uchtspringe lebt, und Tochter Daniela, die in Burg zu Hause ist, hatten es da nicht ganz so weit. In Kassieck lebt also keines der Kinder des Goldpaares. Und dennoch schauen sie so oft es geht bei den Eltern vorbei. Diese sind zu keiner Zeit einsam, wie die Pfarrerin in ihrer Predigt deutlich werden ließ. Denn da gebe es neben Freunden und netten Nachbarn auch noch eine Reihe anderer Familienmitglieder wie zum Beispiel den Bruder des Goldbräutigams, Hermann Brandt, und dessen Ehefrau Elisabeth. Die beiden hatten erst im vergangenen Jahr goldene Hochzeit gefeiert, und zwar in Wollenhagen, dem Heimatort der Brandt-Brüder. Während der eine, Hermann Brandt, dort einst das Elternhaus übernommen hatte, war Manfred Brandt zu seiner Verlobten und späteren Ehefrau in deren Elternhaus gezogen. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1998 hatte auch Rita Brandts Mutter bei den beiden gelebt. Füreinander da zu sein, das werde, so die Pfarrerin, groß geschrieben. "Ihr seid so ein richtiger Clan, eine fröhlich lachende Familie", wie Johanna Brilling mit dem Blick in die volle Kassiecker Kirche sagte.

Oben auf der Empore saß derweil Brillings Vater Volkwart Küfner und begleitete den Gesang der Gottesdienstbesucher sowie des Chores des Kirchspiels Lindstedt an der Orgel der Kassiecker Kirche. An so einem schönen Tag, so die Pfarrerin, müsse sie einfach erklingen.

Der Tag bot auch Gelegenheit, auf ein sehr arbeitsreiches Leben zurückzuschauen, in dem Rita und Manfred Brandt nicht nur das Elternhaus ausgebaut haben, sondern in dem sie nach dem Eintritt in die LPG auch bis zur Wende in der Landwirtschaft arbeiteten. Beide Eheleute erwiesen sich dabei als besonders mobil. Rita Brandt fuhr nicht nur Gabelstapler, sondern auch Mähdrescher und Bus. Ihr Mann hingegen war im Dienste der Landwirtschaft mit dem Traktor und später mit dem Lkw unterwegs.

Das Leben des Goldpaares bestand und besteht "aus Arbeit, Familie und Freundschaft", wie es die Pfarrerin formulierte. Und so ein Leben eignet sich mehr als alles andere, um in Dankbarkeit Rückschau zu halten. So wie es am Sonnabendnachmittag während des feierlichen Gottesdienstes geschah.