Auch ihre Ideen sollen Schule machen: Mit zahlreichen Leseprojekten beteiligen sich die Schüler der Gardeleger Förderschule "Rosa Luxemburg" derzeit am gleichnamigen Wettbewerb, der von der Volksstimme und der PSD-Bank unterstützt wird.

Gardelegen. Es ist ein gemütlicher Ort in der Rosa-Luxemburg-Schule. Hierher kann man sich zurückziehen, mal was nachschlagen, für eine Hausaufgabe oder ein Schulprojekt recherchieren oder einfach nur schmökern. Ein riesiges Regal voller Bücher steht an einer Längswand. Davor gibt es Tische und Stühle. Überall liegen Bücher. Kein Wunder, es ist ja auch die Schulbibliothek, in der sich Deutschlehrerin Astrid Christall und zahlreiche Schüler der Schule gern in der Arbeitsgemeinschafts- oder einer Freistunde treffen.

Doch manchmal wird hier nicht nur gelesen, sondern auch schon mal laut diskutiert. So ist es auch an diesem Mittwoch nicht gerade leise in dem sonst eher stillen Raum. Denn die Kinder haben große Pläne. Sie wollen ihre Bibliothek innerhalb der Schule nämlich bekannter machen, wollen auch ihren Mitschülern vermitteln, wieviel Spaß Lesen machen kann. Und Arian Cersezi hat dazu schon mal eine tolle Idee: "Wir wollen den jüngeren Schülern vorlesen", schlägt er vor. Zum Beispiel in der "Vorweihnachtszeit oder auch mal im Leseunterricht" könnten die älteren Schüler abwechselnd in die Klassenräume der Kleinen gehen, ist seine Idee. "Da könnten wir ihnen vorlesen, oder auch denen, die nicht so gut lesen können."

Astrid Christall freut sich sichtlich über diesen Vorschlag. Und Daniel Schröder führt den schließlich gleich noch weiter. Wie wäre es denn mit einer "Lesehilfe für die schwächeren Schüler", fragt er nach. Auch seinen Vorschlag lobt die Lehrerin begeistert. Denn die Bibliothek wäre dafür doch schließlich genau der richtige Ort, finden Daniel und seine Mitschüler. Und deshalb würden die Kinder den eben gern noch öfter und intensiver nutzen.

Zum Beispiel auch für ein weiteres Projekt. Julian Hansel stellt es an diesem Nachmittag vor: "Wir könnten so kleine Zettel schreiben, wie wir das Buch so finden, was wir gerade gelesen haben, und die dann in die Bücher reinlegen." So wüsste der nächste Leser schon mal, wie andere das Buch beurteilen, sagt er. Und Astrid Christall findet natürlich gleich das richtige Wort für Julians Vorschlag. "Buchkritik" nennt sie das Ganze und schreibt auch das in ihre Planung auf, bevor sie auch selbst noch einen Vorschlag macht.

"Ein Schullesebuch" wäre nämlich auch ein lohnendes Projekt, findet die Deutschlehrerin. Darin könnten dann Aufsätze oder Berichte der Schüler ihren Platz finden, die über schulische Ereignisse erzählen. So bleibe die Schulgeschichte auch noch nach Jahren lebendig, und sicher sei es sogar für ehemalige Schüler oder Lehrer dann in späteren Jahren ein Spaß, im Schullesebuch zu blättern. Das sei aber natürlich ein "langfristiges Projekt", sagt Christall.

Eher kurzfristig könnten dagegen die Lesethemennachmittage sein, die die Kinder planen. Einen Nachmittag - oder vielleicht sogar einen Projekttag lang - könnten bestimmte Lesethemen im Mittelpunkt stehen. "Und dazu könnten wir unsere Bibliothek sogar passend ausgestalten", schlägt die "Bibliothekschefin" vor. Den Kindern fallen dazu spontan ganz viele Themen ein. "Freundschaften" zum Beispiel, oder auch "Tiere" und "Unter Wasser" werden da genannt. Dazu könnten Bilder aufgehängt werden, schlagen die Jungs und Mädchen vor. An Ideen mangelt es ihnen augenscheinlich jedenfalls nicht.

Ein ordentlicher Ansporn ist hier aber natürlich vor allem der Landesschülerwettbewerb der Volksstimme und der PSD-Bank mit dem Titel "Ideen machen Schule". Mit jeweils bis zu 4000 Euro werden hier nämlich in diesem Jahr unter dem Motto "Lernen ist spannend, Lernen macht Spaß" - und das, so finden Astrid Christall und ihre lesebegeisterte Truppe, lässt sich schließlich auch prima aufs Lesen übertragen - vier Projekte im Land gefördert, an denen möglichst viele Kinder mitarbeiten.

Und solch eine Anschubfinanzierung für ihre ehrgeizigen Ideen würde den Schülern der Rosa-Luxemburg-Schule ganz prima gefallen. Denn einen Zuschuss für eine Renovierung ihrer Bibliothek könnten sie derzeit genau so gut gebrauchen wie neue Bücher.

Von denen nämlich sind ja auch immer einige unterwegs. Zum Beispiel bei den Schülern aus den ländlichen Wohnbereichen, "die bei sich zu Hause ja schließlich keine eigene Bibliothek haben.

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