In Kalbe, Bühne und Vahrholz braucht es insgesamt sieben neue Straßennamen. Die will morgen Abend der Kalbenser Ortschaftsrat empfehlen. Und er kann dabei auf mehrere Bürgervorschläge zurückgreifen. Die Neuesten kommen von Elisabeth und Klaus Ozminski aus Kalbe.

Kalbe. "Ich finde es sehr gut, wenn sich die Bürger in die Entscheidungsfindung mit einbringen", sagt Kalbes Ortsbürgermeister Dr. Helmut Bender. Er hatte Ende April eigene Vorschläge zu Straßenumbenennungen veröffentlicht und damit eine durchaus gewollte Diskussion in der Bevölkerung angestoßen. Von dort sind inzwischen bereits mehrere Vorschläge für neue Straßennamen eingegangen (wir berichteten).

So hatte zum Beispiel Manfred Jäger die Idee, die Bahnhofstraße, an der es ja gar keinen Bahnhof mehr gebe, nach dem Kalbenser Ehrenbürger Ulrich Schmidt zu benennen. Immerhin existiere gleich nebenan eine Eugenie-Schildt-Straße. Die Frau sei zwar auch Malerin, aber keine Ehrenbürgerin von Kalbe gewesen.

Eine Ulrich-Schmidt-Straße zu schaffen, das würden auch Elisabeth und Klaus Ozminski sehr begrüßen, wie sie in einem Schreiben an die Volksstimme deutlich machen. Allerdings würden sie es vernünftiger finden, die Bahnhofstraße als solche zu belassen, weil es dort ja einst den Kleinbahnknotenpunkt gegeben habe.

Dies dürfte jedoch kaum möglich sein. Denn an der Brunauer Bahnhofstraße gibt es deutlich mehr Grundstücke. Und die Ortsbürgermeister hatten sich vor einiger Zeit darauf verständigt, dass bei Dopplungen von Straßennamen in der Einheitsgemeinde Kalbe jene Ortschaft den Namen behalten darf, an deren betreffender Straße es die meisten Anwohner gibt. Insgesamt müssen in der Kommune 13 Straßen umbenannt werden. Denn einige Dienstleister weigern sich, die zusätzliche Angabe des Ortsteiles in ihren Kundendateien zu speichern. Dadurch können Lieferungen zuweilen nur verkehrt oder gar nicht zugestellt werden. Kalbe selbst muss aus diesem Grund sieben Straßen umbenennen.

Bei dieser Gelegenheit schlägt das Ehepaar Ozminski vor, auch gleich einen Straßennamen, der nicht auf dieser Liste steht, zu verändern. So würde sich für den Kastanienweg der Name Am Klostergraben anbieten, weil der dortige Teich wahrscheinlich der letzte sichtbare Rest eines Benediktinerinnen-Nonnenklosters sei, das einst an dieser Stelle existiert habe.

Die Stege, die ebenfalls umzubenennen ist, könnte hingegen laut Elisabeth und Klaus Ozminski künftig den Namen des langjährigen Superintendenten Julius Müller tragen. Er habe einst im dortigen Pfarrhaus gelebt und sei Mitbegründer des Altmärkischen Vereins für Vaterländische Geschichte und Industrie gewesen. Dieser sei im 19. Jahrhundert von Johann Friedrich Danneil, Kalbes wohl bekanntestem Sohn, ins Leben gerufen worden.

In diesem Zusammanhang erinnert das Ehepaar Ozminski daran, dass es in Danneils Geburtsstadt gar keine Straße gibt, die nach dem bekannten Heimatforscher benannt ist. Dafür würde sich nach Ansicht der beiden Kalbenser jener Teilbereich der Thälmannstraße anbieten, an dem das Geburtshaus von Danneil stehe.

Was dem Ehepaar aber ebenfalls besonders am Herzen liegt, ist, die Kalbenser Heimatdichterin Hilde Menk nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Sie habe "über Jahrzehnte das kulturelle Leben in der Stadt und darüber hinaus bereichert". Deshalb, so Ozminskis, "würden wir auch eine Hilde-Menk-Straße vorschlagen."

Der Ortschaftsrat gibt seine Empfehlung zu den Straßennamen morgen Abend ab. Er trifft sich dazu um 19 Uhr in öffentlicher Runde im Rathaus.