Der Hamburger Unternehmer Andreas Benken, dessen Pläne, das Gardeleger Sweedwoodwerk wiederzubeleben, sich vor wenigen Tagen als potenzielle Hochstapelei herausstellten, schuldet seinen Mitarbeitern der neu gegründeten Benkenwood GmbH noch zwei volle Monatslöhne. Mittlerweile hat Benken keine Schlüsselgewalt mehr über die Produktionsstätte an der Stendaler Chaussee.

Gardelegen. "Wir haben aufgeräumt, die Räume gestrichen und alles in Ordnung gebracht", sagt ein ehemaliger Mitarbeiter der Benkenwood GmbH wütend. Auf den Hamburger Andreas Benken ist der Gardeleger (Name ist der Redaktion bekannt) nicht gut zu sprechen. Denn der Mann, der mit großen Versprechungen auf einen neuen Produktionsstandort auf dem Gelände der Swedwood GmbH nach Gardelegen kam, hat bei seinen Angestellten neben enttäuschten Hoffnungen auch noch Schulden hinterlassen. "Zwei volle Monatslöhne sind noch offen." Nun ist Benken weg, hat keine Schlüsselgewalt mehr. Eine ordentliche Kündigung, Gespräche mit den Mitarbeitern hat es indes nicht gegeben. "Am vergangenen Freitag hing ein Zettel an der Tür. Darauf stand, dass den Wachschutz jetzt eine Stendaler Firma übernimmt", erzählt der ehemalige Angestellte der Benkenwood GmbH. Wie mehrere seiner Kollegen hatte er seit Herbst vergangenen Jahres im Wachschutzbereich für Benken gearbeitet und "nebenbei sollten wir Ordnung machen. Für 165 Euro im Monat", nur ein sogenannter Minijob. Und doch hätten sich die Kollegen reingekniet. Denn stets habe Benken versprochen, "dass wir übernommen werden, sobald die Produktion losgeht".

Tatsächlich habe sich der Hamburger auch "alle ein bis zwei Wochen" am Gardeleger Standort sehen lassen. "Noch eine Woche bevor das alles rausgekommen ist" - Benken war durch einen umfassenden Bericht in der Volksstimme als verurteilter Betrüger entlarvt worden -, "hat er Einzelgespräche mit uns allen geführt. Wir sollten sagen, wie unsere Verdienstvorstellungen sind", erzählt der nun wieder arbeitslose Mitarbeiter. Dann sei der Artikel in der Volksstimme erschienen. "Aber auch danach haben uns die Frauen im Büro noch vertröstet, wir sollten doch weiterhin kommen." Dabei sei der Arbeitsvertrag für den Mai von Benken schon nicht mehr verlängert worden, erzählt der Mann.

Indes, auch die beiden Mitarbeiterinnen im Büro der Benkenwood GmbH warten noch auf Lohnzahlungen ihres ehemaligen Chefs. Bürgermeister Konrad Fuchs, der sich in der vergangenen Woche mit Kämmerer Maik Machalz nach eigenen Aussagen "zur Überwachung einer Ordnungsmaßnahme" auf dem Firmengelände der Benkenwood aufhielt, bestätigte dies gestern auf Anfrage. Dabei habe Benken "die beiden Frauen immer über den grünen Klee gelobt", so Fuchs, dem die persönlichen Schicksale der Mitarbeiter der Benkenwood GmbH nach eigenen Aussagen "sehr nahe gehen". Benken habe "mit den Existenzen, mit den Hoffnungen der Menschen gespielt", so der Bürgermeister. Er habe den Mitarbeiterinnen geraten, sich umgehend bei der Agentur für Arbeit zu melden. Nur so sei noch ein Lohnverlust aufzufangen.

Dass sich Benken selbst meldet, eine ordentliche Kündigung schreibt, darauf kann wohl keiner der Angestellten mehr hoffen. "Benken war eine absolute Luftnummer", sagt Fuchs und bestätigt: Der Hamburger sei mittlerweile "komplett raus". Der Firmenstandort gehört wieder, gehört noch immer Ikea. Gerüchten zufolge soll der Hamburger nicht einmal die Notariatsrechnungen in Sachen Kaufabwicklung beglichen haben. "Benken steht nicht im Grundbuch", bestätigt gestern auch das Wirtschaftsministerium. Insofern sei man "fein heraus", so Beate Hagen von Pressestelle des Ministeriums, dass Ikea immer noch Grundeigentümer des Objektes sei. Denn dies erleichtere doch ungemein Verhandlungen mit anderen Interessenten.

Dass es die bereits gibt, bestätigte gestern Bürgermeister Konrad Fuchs. Nach dem "Fauxpas" mit Benkenwood arbeite das Wirtschaftsministerium "mit Hochdruck" daran, den Standort wiederzubeleben. Aber auch "Ikea hat größtes Interesse daran, dass hier wieder Leben einzieht". Es gebe bereits "konkrete Gespräche", versichert Fuchs. "Ich bin sehr, sehr optimistisch", dass "möglicherweise schon im Sommer" eine Produktion im einstigen Swedwoodwerk aufgenommen werden könne, "vielleicht mehr".

Die Kontakte zu den neuen Investoren sind nach Informationen der Volksstimme sogar durch den gescheiterten Benken selbst zustande gekommen. Fuchs bestätigte auch dies gestern auf Anfrage. Auf telefonische Nachfrage wollten sich die Gesprächspartner allerdings noch nicht öffentlich zu ihren Vorhaben äußern.

Sicher ist indes, nicht nur bei Mitarbeitern und dem Notariat, sondern auch bei seinen eigenen Geschäftspartnern hat der Hamburger Unternehmer Schulden hinterlassen. Aus dem berechtigten Ärger über die betrügerischen Machenschaften könnte nun aber möglicherweise eine neue, diesmal solide Geschäftsidee entstehen.