Es steckt viel Arbeit in dem Zahlenwerk. Doch es ist vollbracht. Der Haushaltsplan für Gardelegen ist fertig. Hier finden sich nun schwarz auf weiß zum ersten Mal die genauen Zahlen der neuen Einheitsgemeinde.

Gardelegen. Seit der vergangenen Woche wird er an Stadträte und Ortsbürgermeister verschickt. Rund 500 Seiten stark ist der Haushalt und mehr als drei Kilogramm schwer. Schwer verdaulich ist aber auch so manche Zahl in dem Zahlenwerk. Und das liegt nicht nur an der Novellierung des Finanzausgleichsgesetzes, die laut Erläuterungen im Haushaltsplan hauptsächlich verantwortlich ist für die angespannte Finanzsituation.

Denn neben den rückläufigen Landesmitteln belasten den Haushalt zum Beispiel auch die Sollfehlbeträge von insgesamt 8 der 18 neuen Gemeinden die Stadtkasse erheblich. So bringen Breitenfeld, Jeggau, Letzlingen, Mieste, Miesterhorst, Peckfitz, Sachau und Solpke Sollfehlbeträge in einer Gesamthöhe von 843130 Euro aus dem Jahr 2010 mit in die neue Einheitsgemeinde Gardelegen.

Bevor der Haushaltsplan beschlossen werden konnte, "sind rund 840000 Euro weg", erklärte Kämmerer Maik Machalz gestern. Damit schmolz die allgemeine Rücklage von 4179002 Euro, die die übrigen Ortsteile inklusive Gardelegen mitbringen, schon im Vorfeld auf 3335872 Euro zusammen. Dabei haben die Ortsteile in ihrem letzten selbständigen Haushaltsjahr höchst unterschiedlich gewirtschaftet (siehe Tabelle). So liegt die ehemalige Gemeinde Jeggau mit rund 23 Euro pro Bürger am unteren Rand der Skala beim Sollfehlbetrag.

Den extremsten Pro-Kopf-Sollfehlbetrag bringt Peckfitz aus seinem Haushalt 2010 mit. Auf jeden der 160 Peckfitzer Bürger, vom Greis bis zum Kind, der am Stichtag 31. Dezember 2009 in der Gemeinde Peckfitz wohnte, lastete am 31.Dezember 2010 ein Sollfehlbetrag von 1207 Euro. Insgesamt stand am Ende des vergangenen Jahres somit ein Gesamtfehlbetrag von 193129 Euro unter dem Strich. Das Defizit im Verwaltungshaushalt 2010 betrug damit satte 64,29 Prozent am Gesamthaushalt des einstigen Ortsteiles. Die Gemeinde befand sich schon im vergangenen Jahr in Haushaltskonsolidierung.

Relativ unabhängig vom Sollfehlbetrag des vergangenen Jahres ist jedoch die Gesamtschuldensituation der einzelnen Ortsteile. Denn neben dem Defizit im Haushalt spielt hier auch die Kreditsituation der einstigen Gemeinden eine wesentliche Rolle. Unangefochtener Schuldenspitzenreiter ist hier nach wie vor der Ortsteil Mieste mit einer Gesamtschuldenlast von 4419930 Euro und einer daraus resultierenden Pro-Kopf-Verschuldung von 1978 Euro. Zudem schlug in Mieste allein im vergangenen Jahr der Sollfehlbetrag von 343245 Euro zu Buche.

Jävenitz, als am zweithöchsten verschuldeter Ortsteil, bringt pro Einwohner 1019 Euro Schulden mit, allerdings keinen Sollfehlbetrag aus 2010, sondern dafür eine Rücklage von 104141 Euro.

Jeder Gardeleger war zu Beginn des Jahres statistisch mit 505 Euro verschuldet. Über eine allgemeine Rücklage von 3786246 verfügte Gardelegen noch zum 31. Dezember 2010. Diese wird im neuen Haushaltsplan aber ebenfalls vollkommen aufgebraucht.

Den kleinsten Schuldenbetrag bringt übrigens Jeggau mit. Nur 13,52 Euro Miese hat hier jeder Bürger.