Mitten in Deutschland und doch ein weißer Fleck. Die Altmark ist weitgehend unbekannt. Neue Wege beim Regionalmarketing sollen das beenden. Heute sind mittlerweile den dritten Tag acht Reisejournalisten in der Region unterwegs. Sie erleben die Altmark im Spannungsfeld von Natur, Kultur und aktiver Erholung. Werbung pur.

Havelberg/Salzwedel. "Deutschland-Tourismus ist derzeit der wichtigste Trend in der Reisebranche": Markus Lobsien, Hörfunk-Redakteur des NDR, weiß, wovon er spricht. Auf Welle 90,3 versorgt er seine Zuhörer regelmäßig mit Informationen über potenzielle Urlaubsziele. Reiseberichte sind gefragt. Der nächste wird von der Altmark handeln. Zusammen mit sieben weiteren Berufskollegen ist der gebürtige Hamburger seit Donnerstag in der Region unterwegs. Eine viertägige Pressereise, die von der Investitions- und Marketinggesellschaft (IMG) Sachsen-Anhalts und vom altmärkischen Tourismusverband organisiert wurde. Nicht ohne Grund. Die IMG weiß um die Trends in der Branche, setzt in diesem Jahr voll auf aktive Naturfreunde. "In der Altmark finden wir alles dicht beieinander. Radwege, Wasserwege, Wanderwege und Reitwege", erklärte Ursula Schild von der IMG.

Die Reisejournalisten erfahren das hautnah. Die Region Tangermünde erradelten sie sich. In Havelberg war Kanufahren angesagt. In Losse standen Pferde für eine rasante Fahrt mit der Marathonkutsche bereit. Heute wird das Grüne Band mit dem Drahtesel erkundet und die Jemmeritzer Heide auf Schusters Rappen erlebt. Die Schäferei in Beuster, der Storchenhof in Wahrenberg, die Kaserne in Ziemendorf, Reiten in Güssefeld, Wellness in Arendsee und das Freilichtmuseum Diesdorf sind weitere Punkte der Reise. Die Altmark kompakt.

"Für Hamburger ist die Region ein weißer Fleck", schätzte Markus Lobsien gestern ein, als er mit dem PonTom der Kiebitzberg-Gruppe die Havel entlang schipperte. Dabei sei die landschaftlich reizvolle Region sehr zu empfehlen. Noch dazu sie durch die Elbe mit Hamburg verbunden sei. "Wo Wasser ist, fühlt sich der Hamburger zu Hause." Der Journalist räumte ein, dass er aber auch den Service checke. Dazu gehört unter anderem das Angebot an Hotelbetten. In Tangermünde sei das top, doch in Havelberg sehe es noch mau aus. Das wird sich im Sommer ändern, wenn die Kiebitzberg-Gruppe den ersten Bauabschnitt ihres "Art-Hotels" eröffnet. 17 Zimmer werden dann Besuchern der Domstadt bereit stehen. Zwei Restaurants und ein Saal, der bis zu 250 Personen fasst, komplettieren das Angebot. Anfang 2011 soll die fünf Millionen Euro teure Investition abgeschlossen sein. Dann gibt es am Ufer der Havel 46 weitere Zimmer zu den 21 des Hotels "Am Hafen". Für Markus Lobsien ein Muss. "Ohne Hotelbetten ist nichts zu machen." Und: "Die Leute hier müssen sich darauf einstellen, was es heißt, wenn Massen an Touristen kommen."

Diese könnte auch Steffi Grewe mit ihrem Bericht anlocken. Für "Clever reisen" aus Bonn fuhr sie das erste Mal in ihrem Leben in die Altmark. "Ich werde die Region auf jeden Fall weiterempfehlen. Die Kombination aus Kultur und Natur ist toll", sagte sie. In der "Welt" und in der "Welt am Sonntag" wird der Berliner Roland Mischke über die Altmark berichten. Zum zweiten Mal binnen zweier Jahre. "Mein erster Bericht unter der Überschrift ,Spiritualität\' kam gut an", schilderte er. Diesmal werde der Naturaspekt im Vordergrund stehen. "Die Altmark ist doch so dicht an Berlin".

Und auch da ein weißer Fleck, wie im Herbst 2010 eine repräsentative Umfrage ergab, obwohl die Altmark keine zwei Autostunden von Berlin, Hamburg und Hannover entfernt liegt. Die bisherige Werbung hat daran wenig geändert. Kein Wunder, das in der Vorwoche beide altmärkischen Landräte eine Absichtserklärung für ein verbessertes Regionalmarketing der Altmark unterschrieben (wir berichteten). Unterstützt werden sie von der Industrie- und Handelskammer. Die Pressereise ist ein Baustein. Einen weiteren lieferten Gesprächspartner wie Renate Lewerken, Mitinhaberin der Kiebitzberg GmbH. Sie stellte selbstbewusst die wirtschaftliche Entwicklung Havelbergs dar. Sterbende Region? Mitnichten. Sie muss nur besser verkauft werden, meint Renate Lewerken.