Die Basisorganisation der Linken hat am vergangenen Wochenende einen neuen Vorsitzenden gewählt. Künftig wird Frank Roßband Ansprechpartner für die Genossen vor Ort sein. Gemeinsam wollen die Linken nun vor allem nach städtischem Einsparpotenzial suchen

Gardelegen. Es muss gespart werden, darüber waren sich am Sonnabend die Mitglieder der Basisorganisation der Linken einig. Denn auch für die Genossen war der städtische Haushaltsplan 2011 während ihrer jüngsten Sitzung das zentrale Thema. Wo genau die Sparmaßnahmen ansetzen sollten, wurde indes nicht konkret besprochen. Auf keinen Fall aber solle "an allem gespart werden", machte Stadträtin und Linke-Fraktionsmitglied Roswitha Stadie deutlich. "Wir müssen sehen, dass wir auch noch was für freiwillige Aufgaben rausholen." Hier nannte sie vor allem Kindergärten und Schulen, deren Förderung sich die Linke ins Wahlprogramm geschrieben haben, wie auch Andreas Höppner erinnerte. "Daran muss unsere Fraktion arbeiten." Immerhin seien "Hunderttausende für den Sachsen-Anhalt-Tag da, aber für das Planschbecken im Zwergenland reicht das Geld nicht", so Höppner. Doch auch "andere Parteien" hätten Kitas und Schulen in ihrem Wahlprogramm propagiert. "Wir werden gespannt beobachten, wie sie das umsetzen werden."

Es sei klar, so Höppner weiter, dass die "Situation brenzlig ist". Dennoch sollte sich die Linke auch gegen Steuererhöhungen - die Hundesteuer werde ja zum Beispiel auch diskutiert - gemeinsam stark machen. Mehr Zusammenhalt empfahl er zudem den Mitarbeitern der Gardeleger AKT. "Sie arbeiten für Niedriglöhne", so Höppner. Die Belegschaft sollte sich deshalb zusammentun. Denn "die Dauerinsolvenz" so großer Betriebe wie der AKT oder Agenda Glas sei ohnehin ein Anlass zur Sorge. Höppner verwies auch auf den "Fall Swedwood": Hier hätten sich alle Beteiligten "bis hin zum Land an der Nase herumführen lassen". Die Leidtragenden seien in all diesen Fällen die Beschäftigten.

Ein guter Grund auch für Frank Roßband, einmal auf den seiner Meinung nach zunehmenden "Privatisierungswahn" hinzuweisen. In Sachen Abfallwirtschaft drohe ein solcher Fall derzeit auch den Gardelegern, so Roßband. Denn "die Entsorgung von Metall und Papier" solle ausgeschrieben werden. Die Gebühren, so fürchte er, "werden dann doppelt so hoch". Ein Privathaushalt bezahle dann vermutlich "statt 105 Euro rund 200 Euro".

Viel zu viel gebe Gardelegen zudem auch für Energiekosten aus, erklärte er. "Gardelegen steht eindeutig hinter Kalbe und Klötze zurück." Es werde "zu wenig auf Photovoltaik und Windkraft" gesetzt. Aber auch der "Verhandlungsspielraum, den die Stadt mit dem Energieversorger Eon.Avacon habe, müsse besser genutzt werden. Sparpotenzial sieht Roßband auch in der Straßenbeleuchtung im Gewerbegebiet. Diese könne etwa gegen 19.30 Uhr deutlich eingeschränkt werden.

Roßbands Vorschläge fanden viel Zustimmung bei den Genossen. Sein Engagement würdigte vor allem Andreas Höppner. Nicht zuletzt deshalb schlage er Roßband als neuen Vorsitzenden der Ortsgruppe vor, so Höppner. Denn der bisherige Vorsitzende, Reinhard Lemke, werde aus beruflichen Gründen nicht mehr antreten.

Seinem Vorschlag folgten die Genossen einhellig. Einstimmig wählten sie Roßband zum Vorsitzenden der Basisorganisation. Höppner selbst wurde im selben Wahlgang zu seinem Stellvertreter gewählt.

Überrascht zeigte sich Frank Roßband indes nicht von seiner Wahl. Höppner habe ihn schließlich schon mal darauf vorbereitet, verriet er schmunzelnd. Deshalb freue er sich nun auch auf die künftigen Aufgaben. "Ich möchte schließlich nicht nur vor dem Fernseher sitzen und meckern", betonte der neue Ortschef der Linken.