Als vierter Sonntag nach Ostern ist der Sonntag Kantate vielerorts wohl der musikalischste in der Osterzeit. In der Gardeleger Marienkirche wurde er vom König-Quintett Magdeburg, Sopranistin Ute Frenzel und der Kantorei St. Marien gestaltet.

Gardelegen. "Singet dem Herrn ein neues Lied", empfahl am Sonntag Pfarrer Horst Dietmann mit Psalm 98 den Besuchern des Gottesdienstes in der Marienkirche. Denn das Lied, die Kantate, gibt jenem Sonntag in der Osterzeit schließlich ihren Namen.

Doch eigentlich werde "in der Kirche ja immer gesungen, wir kennen das ja gar nicht anders", überlegte Dietmann. Denn so ein Gottesdienst ohne Musik, das wäre doch eine traurige Angelegenheit. "Nur: Ist uns eigentlich immer zum Singen zumute?" Angesichts vieler aktueller Geschehnisse in der Welt, angesichts eigener Sorgen, sei da Singen immer angebracht?, fragte Dietmann nach. Sogar beim Trompetespielen brächte man schließlich gute Laune, um schöne Töne zu spielen, versicherte der Pfarrer. Gardelegens Kantorin Natalia Gvozdkova habe ihm das nämlich kürzlich erst verraten.

Manchmal aber müsse man sich der Musik vielleicht nur hingeben, manchmal "berührt ein Musikstück meine Seele", erinnerte er die Gottesdienstbesucher. Manchmal finde man sich auch in einem Lied wieder. "Wer nur den lieben Gott lässt walten", finde vielleicht auch hinein in eine fröhliche Stimmung.

Und das gelang den Gottesdienstbesuchern denn auch mühelos. Denn genau dieses Kirchenlied, von Georg Neumark um 1640 gedichtet und unter anderem von Felix Mendelssohn-Bartholdy vertont, wurde ihnen am Sonntag wunderschön dargeboten. Neben den Sängern und Sängerinnen der Kantorei St. Marien unter der musikalischen Leitung von Natalie Gvozdkova waren das König-Quintett Magdeburg und die Beetzendorfer Sopranistin Ute Frenzel in der Marienkirche zu Gast, um gemeinsam die Choralkantate "Wer nur den lieben Gott lässt walten" erklingen zu lassen. So manch ein Besucher in den Kirchenbänken sang den berührenden Text dieses tröstlichen Liedes denn auch leise mit.

Und natürlich wurden auch noch gemeinsame Lieder angestimmt. "Fröhliche", wie Horst Dietmann versprach. Und bekannt waren sie den meisten Gottesdienstbesuchern auch. Aber wohl nicht nur ihnen allein, sondern sicher auch Gott.

Für ihn war das aber sicher in Ordnung. "Singet dem Herrn ein neues Lied", hatte Dietmann zwar schon am Anfang gesagt, aber schmunzelnd ergänzt: "Auch, wenn er es schon kennt."