Sie hat ortsbildprägenden Charakter - aber nicht mehr lange. Die alte Kalbenser Molkerei verschwindet demnächst auf Nimmerwiedersehen. Der Auftrag für die Abrissarbeiten ist erteilt.

Kalbe. "Genossenschaftsmolkerei Calbe/Milde": Die Schrift in dem großen grünen Schild, das da hoch oben an dem alten Backsteingebäude prangt und das noch vor 1952 - so lange wurde Kalbe mit C geschrieben - entstanden sein muss, ist ausgewaschen. Und es erfordert schon ein genaues Hinsehen, um die Buchstaben noch erkennen zu können. Mehr als 100 Jahre hat die alte Molkerei das Stadtbild von Kalbe geprägt. Doch damit ist demnächst Schluss. In den Pfingstferien, also zwischen dem 14. und 17. Juni, wird sie dem Erdboden gleichgemacht.

Marion und Steffen Dannhauer, die das Gebäude vor einigen Monaten käuflich von der Stadt erworben haben, haben den Auftrag für die Abrissarbeiten bereits an eine regionale Firma vergeben. Sie wollen das Molkereigelände dazu nutzen, um ihr angrenzendes Geschäftshaus zu erweitern und um dort Kundenparkplätze zu schaffen. Die Pläne dazu liegen bereits in der Schublade. Und das Ehepaar Dannhauer hofft, dass sie schnellstmöglich umgesetzt werden können.

Als vorbereitende Maßnahme zu den Abrissarbeiten haben die regionalen Versorgungsunternehmen vor kurzem die alten Leitungen, die zum Molkereigebäude führten, stillgelegt. Dies habe, wie Dannhauers berichteten, reibungslos geklappt. Außerdem seien durch einen örtlichen Fachmann Sicherungsarbeiten am Dach vorgenommen worden. Denn im Laufe der Vergangenheit hätten sich dort Steine gelöst. Sie hätten gedroht, in die Tiefe zu stürzen. Aus diesem Grund sei die unbefestigte Fläche, die sich rund um die alte Molkerei befinde und bislang als Pkw-Parkplatz genutzt worden sei, vor einigen Wochen komplett gesperrt worden.

Die alte Molkerei, die sich an der Ecke Schulstraße/Westpromenade erhebt und bis in die 70er Jahre hinein für ihren eigentlichen Zweck genutzt wurde, steht seit den 90er Jahren leer. Zwar war sie vor der Wende und noch einige Zeit danach als Jugendklub mit integrierter Disko genutzt worden. Doch nachdem der Pächter aus dem Vertrag ausgeschieden war, gelang es der Stadt nicht mehr, das Gebäude einer anderen Nutzung zuzuführen. Es verkam zum Schandfleck.