Der städtische Bauausschuss hat am Montagabend das Dannefelder Dorfgemeinschaftshaus besichtigt. Abgestimmt wurde über die Fortführung der Bauarbeiten nicht. Aber einige Mitglieder und sogar Bürgermeister Konrad Fuchs signalisierten während der Sitzung Entgegenkommen. Aber auch die Dannefelder werden gefordert sein, wenn sie das Bauvorhaben zu Ende bringen wollen.

Dannefeld. "Wer 20 Jahre nach der Wende kein Dorfgemeinschaftshaus hat, der hat gepennt", sagte das Mitglied des Gardeleger Bauausschusses, Gustav Wienecke, am Montagabend in Dannefeld, nachdem der Bauausschuss den angefangenen Umbau des Dorfgemeinschaftshauses besichtigt hatte. Dennoch signalisierte er Entgegenkommen. "Sie sollen ihr Dorfgemeinschaftshaus haben, das gehört zum Dorf einfach dazu", sagte er. Wienecke, auch Ortsbürgermeister von Wannefeld, verglich den vorhandenen Dannefelder Versammlungsraum der Feuerwehr mit dem in Wannefeld. "Das ist hier ein Prunkstück, da muss ich wirklich den Kopf einziehen", sagte er. Dennoch sei es sinnvoll, Feuerwehrraum und Dorfgemeinschaftshaus zu trennen.

"Wer 20 Jahre nach der Wende kein Dorfgemeinschaftshaus hat, der hat gepennt"

Wienecke ist sich aber sicher, dass 110000 Euro, die Dannefeld als Kassenrest in die Hansestadt Gardelegen mitbrachte, nicht ausreichen werden, um das Haus fertigzustellen. Er schlug einen Kompromiss vor: "Es sollte noch einmal geprüft werden, ob Kosten gespart werden könnten." Denn: "Mit 110000 Euro ist das Dorfgemeinschaftshaus zu Dreivierteln fertig, dann kommt ein Nachschlag von 50000 Euro", war er sich sicher. Planer Lutz Pfeiffer berichtete am Montagabend bereits, dass die Bauarbeiter im Boden auf Pflaster und nicht wie erwartet auf Estrich gestoßen waren. Wieviel Mehrkosten das bedeutet, dazu gab es keine Auskunft.

Auch einige andere Mitglieder des städtischen Bauausschusses haben während der Sitzung am Montagabend in Dannefeld Kompromissbereitschaft signalisiert. "Sie sollen die 110000 Euro haben, aber keinen Cent mehr, dann ist der Sack zu, dann macht was daraus", fand beispielsweise Sven Grothe.

Selbst Bürgermeister Konrad Fuchs, der sich wenige Tage zuvor konsequent gegen einen Ausbau ausgesprochen hatte, lenkte ein, machte Zugeständnisse. Es müssten aber bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden, mahnte er während der Besichtigung.

Im Zuge der Haushaltskonsolidierung dürften keine Investitionen aufgenommen werden, die Folgekosten verursachen würden. "Wenn wir diese Kuh vom Eis kriegen wollen, sind die Folgekosten eine wesentliche Voraussetzung", sagte er.

Für die Dannefelder würde das bedeuten, dass der angestrebte neue Verein die Kosten für zum Beispiel Versicherungen, Energie und Wasser selbst tragen müsste. Die Stadt könne - sofern es ihr finanziell in der Zukunft wieder besser gehe - zumindest investiv helfen.

Und der Verein könne Förderanträge im Rahmen der Vereinsförderung an die Stadt Gardelegen stellen, bestätigte Fuchs auf Nachfrage des berufenen Bürgers Peter Wiechmann. "Und er müsste auch Spendenquittungen ausstellen können", ergänzte Fuchs.

"Wenn wir die Kuh vom Eis kriegen wollen, sind die Folgekosten eine Voraussetzung"

Eine weitere Forderung, die Fuchs aufmachte, war, dass Kuhrs die Wohnung räumt, die er sich inzwischen als Bürgermeisterbüro eingerichtet hat. Denn durch die Nutzung der Wohnung entstünden der Stadt Bewirtschaftungskosten und ihr entgingen Mieteinnahmen.

Kuhrs zeigte sich entgegenkommend. Wenn die Akten von Dannefeld gesichtet und irgendwoanders untergebracht werden könnten, könne er seine Arbeit auch zu Hause erledigen, zumal der Aufstieg in die Wohnung für Kuhrs ohnehin beschwerlich sei.

Für das Dorfgemeinschaftshaus einen Nutzungsvertrag mit der Stadt abzuschließen, so weit hatten die Mitglieder der jüngst gegründeten Bürgerinitiative allerdings noch nicht gedacht. Wilfried Kuhrs, erklärte: "Wir haben diskutiert, aber ich kann mich so weit nicht aus dem Fenster lehnen, dass wir einen Vertrag abschließen." Sie planen zwar die Gründung eines Vereines, der sich als Partner der Stadt verstehe, wie Mitinitiator Andreas Finger wiederholt betonte, aber es sei noch unklar, wie sich die Initiative entwickeln werde. "Der Wille ist aber da", betonte Finger. Er sagte außerdem, dass der Umbau des Gemeindebüros zum Dorfgemeinschaftshaus keine neue freiwillige Aufgabe sei, sondern eine Fortführung aus dem vergangenen Jahr.

Kuhrs wies in der Diskussion immer wieder darauf hin, dass die Baufirmen warteten. Mehrfach sei er angerufen worden, wann es denn weitergehen würde. Die Stadt lässt derzeit prüfen, ob die Baufirmen Ersatzansprüche stellen würden, sollte der Stadtrat gegen die Fortführung der Bauarbeiten entscheiden.

Der Feuerwehrversammlungsraum, in dem auch der Bauausschuss tagte, soll weiterhin als Versammlungsraum genutzt werden, antwortete Kuhrs auf die Frage von Bauausschussmitglied Wolfgang Reboné, der auch noch einmal den Vorschlag in die Diskussion einbrachte, den Versammlungsraum mit einem zweiten Fluchtweg und einem Lift auszustatten, um älteren und behinderten Menschen die Erreichbarkeit zu erleichtern. Das aber lehnen die Dannefelder ab. Denn ihrer Ansicht nach ist der Raum zu klein für größere kulturelle Veranstaltungen, zumal der Raum eine niedrige Decke hat.

"Ich kann mich nicht so weit aus dem Fenster lehnen, dass wir einen Vertrag abschließen"

Entschieden hat der Bauausschuss am Ende der Diskussion noch nichts. Vielmehr wurden das Für und Wider abgewogen und offene Fragen geklärt. Bürgermeister Konrad Fuchs wollte auch noch einmal Klarheit hinsichtlich seiner Aussage schaffen, die Dannefelder Senioren könnten zu Fuß nach Peckfitz oder Köckte gehen, wo es "wunderschöne Dorfgemeinschaftshäuser" gebe. Fuchs habe nie gesagt, die Dannefelder sollten zu Fuß dort hingehen. Zum Teil sei er auch von Dannefeldern "unsachlich attackiert" worden.

Dass der Saal im Feuerwehrhaus ungeeignet ist für behinderte Menschen, könne er nachvollziehen - deshalb sein Einlenken mit den aufgeführten daran gebundenen Bedingungen.

 

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