Die Mitglieder des Fördervereines für das Miester Freibad lassen sich nicht entmutigen. Auch wenn es weder im Sozialausschuss noch im Finanzausschuss eine Mehrheit für die Öffnung des Freibades gab, kämpfen sie weiter dafür - mit Arbeitsleistung, aber auch mit Gesprächen mit Stadtratsmitgliedern, so wie am Sonnabend mit der Linke-Fraktion. Kritik gab es indes an Ortsbürgermeister Kai-Michael Neubüser.

Mieste. Zwei wichtige Termine standen am Sonnabend für die Mitglieder des Fördervereines für das Freibad Mieste an: Zum einen starteten sie einen Arbeitseinsatz, bei dem sie Malerarbeiten im Freibad realisierten, zum anderen besuchten sie die öffentliche Sitzung der Stadtratsfraktion Die Linke im Miester Gemeindebüro, um dort für die Öffnung des Freibades zu werben und den Antrag zu korrigieren und zu konkretisieren, den die CDU-Stadtratsfraktion für die Öffnung des Freibades gestellt hatte.

Ein Zuschuss von 15000 Euro ist beantragt, damit das Freibad in diesem Jahr für sechs Wochen öffnen kann. Dass dieses Geld ausreicht, da ist sich Maika Güssefeld vom Förderverein sicher. Die Vereinsmitglieder hätten Zahlen der vergangenen Jahre zugrunde gelegt. Und vor allem hätten sie das Freibad getrennt vom Saunabetrieb betrachtet. Hinsichtlich der Sauna, die bislang ein Defizit von 22000 Euro verursacht habe, habe der Förderverein gemeinsam mit Saunagängern bereits ein Konzept erstellt, das mit Kämmerer Maik Machalz schon abgestimmt worden sei. "Ab sofort trägt sich die Sauna selbst", berichtete Güssefeld. Unter anderem waren die Eintrittspreise erhöht und die Öffnungszeiten verringert worden.

Das Defizit, das es im Hinblick auf die Fremdenzimmer gibt, gleiche sich mit den Mieteinnahmen für die Gaststätte aus, sagte sie, so dass 15 000 Euro für den Freibadbetrieb ausreichen würden.

Güssefeld sagte, sie könne verstehen, dass die Stadtratsmitglieder dem Antrag der CDU in der jetzigen Form nicht zustimmen könnten. Sie stellte klar, dass Betreiber des Freibades zumindest vorerst die Stadt bleiben müsse. Außerdem werde nicht der Verein die Verantwortung für die Wasserqualität tragen und Chemikalien einbringen. Das werde geschultes Personal übernehmen. Allerdings werde der Verein dabei unterstützen, regelmäßig Daten an das Gesundheitsamt zu übermitteln, um die Wasserqualität dauerhaft zu überwachen. Die größten hygienischen Probleme habe es im Planschbecken gegeben. Das soll dieses Jahr aber gar nicht mehr betrieben werden.

Fördergeld für Umbau

Stattdessen will der Förderverein lediglich das Schwimmer- und das Nichtschwimmerbecken mit Wasser befüllen. Vorher sollen dort noch Reparaturarbeiten erledigt werden, die der Förderverein in Eigenregie finanziert. "Die Firmen scharen schon mit den Füßen", sagte Güssefeld. Miester Unternehmen würden mit Arbeitsleistungen helfen, aber nur, wenn auch ein Beschluss für die Öffnung vorhanden ist. Wenn der Stadtrat am 6.Juni für die Öffnung des Bades stimmt, werde zwei Tage später die Betonpumpe da sein und das Nichtschwimmerbecken mit einem wasserdichten Beton versehen und anschließend mit Schwimmbadfarbe gestrichen. Die Treppe am Nichtschwimmerbecken soll ebenfalls saniert werden, ebenso wie einige Ränder des Schwimmerbeckens, um Unfallgefahren zu vermeiden.

Auch habe sich der Förderverein mit dem Leaderprogramm auseinandergesetzt, das vernetzende Projekte in strukturschwachen Regionen fördert. Im vergangenen Jahr war mit Geld aus diesem Programm unter anderem die Sanierung der Fremdenzimmer und der Sanitäranlagen in der Sauna finanziert worden. Güssefeld berichtete, bis zu 350000 Euro könne die Stadt für den Umbau des Freibades als Förderzuschuss erhalten. Lediglich 25 Prozent der Kosten müsste die Stadt selbst tragen. Wenn sich jedoch der Förderverein um einen Zuschuss bewerbe, werde der Umbau nur mit 15 Prozent gefördert.

Im Finanz- und im Sozialausschuss hatte es keine Mehrheit für die Öffnung gegeben, was Güssefeld auch nachvollziehen könne. Aber bis zur Stadtratssitzung wolle sich der Förderverein mit einem Schreiben an die Mitglieder wenden, indem einiges klargestellt werde. Der Linken-Fraktion ist dieses Schreiben am Sonnabend bereits übergeben worden. Und nachdem zuvor eine Tendenz gegen die Öffnung zu spüren war, will die Fraktion nun erst am 4.Juni entscheiden, wie sie sich dazu positioniert. Wichtig ist allerdings - darauf verständigten sich die Fraktionsmitglieder am Sonnabend schon - dass im nächsten Jahr ein Konzept für die städtischen Freibäder vorhanden ist. Sein Eindruck sei, dass die Stadt das Miester Freibad nicht haben wolle, sagte Fraktionsmitglieder Reinhard Hapke. Der Beschluss zum Potzehner Freibad sei gut vorbereitet worden, da habe es Zahlen gegeben, so dass eine Entscheidungsgrundlage vorhanden gewesen sei. Er wunderte sich außerdem darüber, dass die CDU-Fraktion den Antrag nach den aufgetretenen Unklarheiten nicht umgeschrieben habe. Verwunderung gab es auch über Ortsbürgermeister Kai-Michael Neubüser. "Wenn man bedenkt, wie die Ortsbürgermeister aus Zichtau und Potzehne für ihre Freibäder gekämpft haben", sagte er.

Kritik an Neubüser

Das hatte auch Maika Güssefeld während des Arbeitseinsatzes schon kritisiert. "Man sieht ihn nicht, man hört ihn nicht. Er sollte sich überlegen, wo er herkommt und wer ihn gewählt hat", sagte sie. Der Ortsbürgermeister sei der verlängerte Arm der Bevölkerung zur Stadt. Und die Initiative des Fördervereines "kommt aus Mieste", sagte sie. Sie forderte, dass sich Neubüser zumindest positioniert: "Er ist nicht nur Stadtratsvorsitzender, sondern auch Ortsbürgermeister."